Extrabreit - Kurier

Ein Interview mit Stefan Kleinkrieg in mehreren Teilen. Nur hier nachzulesen ! Zu verdanken haben wir es Thorsten Knublauch, der dieses Interview am 02.12.02 mit Stefan führte und es dieser Fanpage exklusiv zur Verfügung stellte. Das Interview erstreckt sich über ca. 45 Minuten, so dass es als Text 6 Teile geworden sind.

 

*** Interview mit Stefan - Teil 3 ***

Thorsten :
Ihr habt ja immer recht fortschrittliche Cover gehabt: 3 D - Einschußlöcher und Poster dabei oder so. Wer kommt auf die Idee? Wer hat z.B. das "Rückkehr"-Poster gemalt?

Stefan :
Kai und Jörg Hoppe, waren damals die Kreativabteilung, also die Layoutabteilung oder so, die haben z.B. das erste Cover gemacht. Der Kopf kam aus einem Comic, dieser Extrabreit Kopf, und die Leute, die den Kopf gemalt haben, die haben auch das Poster gemacht.

Thorsten :
Das heißt, da lagen dann auch schon wieder 2 Jahre dazwischen?

Stefan :
Genau.

Thorsten :
Wer bestimmt dann die Reihenfolge der Titel und das was letztendlich auf Platte raufkommt?

Stefan :
Also wir machen das immer so: Wir schreiben alle Titel auf - auf einen großes Blatt Papier, schneiden die aus und dann schieben wir die immer so hin und her, wie es dann so am besten kommt.

Thorsten :
Das muß ja dann auch so von der Länge der Album Seiten passen.

Stefan :
Ja, früher ging das auch immer um die Länge der Plattenseite.

Thorsten :
Wer bestimmt die Single-Auskopplung?

Stefan :
Eigentlich sollte man meinen, daß das so ein offensichtlicher Titel ist, aber manchmal vertut man sich da auch. Manchmal ist das dann so wie bei "Rote Rosen" da ist das klar, daß das der wird. Bei der letzten Platte, bei der "Amen" ging`s hin und her und dann haben wir dann das genommen, was uns aktuell am besten gefiel.

Thorsten :
"Roter Mond"!

Stefan :
Ja, das war eben "Roter Mond" und im Nachhinein haben wir uns dann gefragt - warum haben wir nicht "Nichts kann mich stoppen" als Single-Cut gemacht oder auch "Raus aus meinem Kopf".
Also es ist immer ganz unterschiedlich. Natürlich hat jeder seinen Lieblingstrack. Bei bei den Akteuren, sprich bei den Musikern, ist es ja meistens das unkommerziellste. Eigentlich sollte man das eigentlich immer demjenigen überlassen, der hinterher das Marketing macht. Es gibt ja schließlich nur einen Grund eine Single zu machen, nämlich daß sie im Radio gespielt wird, und das Du dann auch einen Hit damit haben kannst.

Thorsten :
Wie lange probt man vor so einem Album?

Stefan :
Also in der letzten Zeit war das ja so, z.B. bei "Amen", da haben Kai und ich die Demos gemacht bei mir im Studio, da habe ich ja noch in Hamburg gewohnt, und hatte da so ein kleines Studio mit Oskar unserem Soundmischer, den "Dynamite Jet Saloon", und das war direkt in Wilhemsburg im Hafen, wenn Du aus dem Fenster guckst, dann konnte man immer die Leute von "Greenpeace" sehen, wie die am Üben waren irgendwelche Schiffe zu entern, das war immer ganz schön. Da haben wir das alles zu zweit aufgenommen. Dann kamen die Bandmusiker ins Studio und wir haben denen das vorgespielt und dann haben wir angefangen, daß zusammenzuspielen und das ganze aufzunehmen. Es ist ganz unterschiedlich. Manchmal hast Du so Stücke, das ist so klar, da gehste einfach rein und spielst zusammen und dann gibt es andere, da nimmste einen Timeclick auf läßt Schlagzeug programmieren. Heute ist das ja so, Du mußt Dich einfach nur entscheiden, wie Du was machen willst.

Thorsten :
1983 nach der Frühjahrstour die Trennung der bekannten Besetzung - warum?

Stefan :
Du, das ist jetzt fast 20 Jahre her.. Warum? Irgendwie ging es da nicht mehr weiter. Heute ist mir das fast unverständlich, daß wir nicht einfach gesagt haben: "wir halten jetzt einfach ein, zwei Jahre die Klappe und machen unsere ganzen Soloambitionen", oder so, die man ja immer irgendwie so hat, und guckt dann weiter. Wir merkten, daß unsere Popularität am Schwinden war und wollten unbedingt was machen um das wiederkriegen und zwar (lacht) binnen Monatsfrist. Wir haben zuviel Output gehabt und kamen damit nicht klar. Gut, man kann sich jetzt zurücklehnen und sagen "es war so und so" aber letztendlich waren das alles sehr panische und sehr hektische, unausgegorene Entscheidungen.

Thorsten :
Ihr habt bei der Tour auch sehr viel Geld verloren?!

Stefan :
Ja, wir haben sehr viel Geld verloren.

Thorsten :
Das habe ich damals alles gelesen - so mit Lasergitarre und Videoshow.

Stefan :
Ja, das war richtig teuer!

Thorsten :
Das heißt die Tour hat eigentlich nichts gebracht?

Stefan :
Ja, wir haben dem Tourveranstalter sechsstellige Summen geschenkt.

Thorsten :
Danach die "Europa" zu dritt und dann gab es immer neue Musiker. Wie kommt Ihr an die ran - müssen die Vorspielen oder kennt Ihr die von sonst wo her?

Stefan :
Also bei uns waren das immer persönliche Bekannte. Bei "Sex" kam Kai mit dem Peter Szimanneck an, mit dem hat er irgendwie was Solo gemacht und ich hatte ja bei "Kleinkrieg" mit dem Michael Gaßmann gespielt als Schlagzeuger und dann haben wir das zusammengefügt.

Thorsten :
Das war ja dann auch alles auf "Vertigo".

Stefan :
Ja, wir haben dann praktisch den "Kleinkrieg"-Vertrag übernommen als Extrabreit.

Thorsten :
Waren dann die neuhinzugekommenen Mitglieder alle Gleichberechtige?

Stefan :
Ja, zu dem damaligen Zeitpunkt war das dann noch so. Wir waren da immer sehr basisdemokratisch.

Thorsten :
Das war ja nach 1991 kaum noch vorstellbar, oder?

Stefan :
Ja, da war es dann nicht mehr so.

Thorsten :
D.h. Kai und Stefan fungierten dann als Namensgeber und die anderen waren quasi Eure Angestellten?

Stefan :
Also in der Zeit nach `91 war Bubi Vollmitglied, also so bis `94 haben wir das dann noch so gemacht. Es ist immer ganz unterschiedlich gewesen. Ab `94 / 95 also die Zeit wo wir mit den Berlinern gespielt haben, da war das eigentlich ganz klar so, daß Kai und ich die Band führen und auch vermarkten.

Thorsten :
Der Lars ist jetzt quasi auch "nur" angestellt für die paar Gigs?

Stefan :
Ja, jetzt ist das ja so, da beißt die Maus ja auch keinen Faden ab, wir haben ja schon Lust, das wieder zu machen. Die letzten Gigs haben auch tierisch Spaß gemacht und wir würden auch gerne wieder eine Platte machen, aber wir wollen das jetzt erst mal ganz langsam angehen. Wir haben gesagt, "wir schauen bis Ende des Jahres" - was ja jetzt bald ist und machen so ungefähr acht Konzerte, es werden jetzt zehn insgesamt irgendwie, und eigentlich gibt uns das jetzt den Grund zum Anlaß, wieder was zusammen zu machen. Wie sich das so weiter entwickelt, steht in den Sternen.

Thorsten :
Es ist ja erst mal auch sehr "Low key" - kleine Hallen und so.

Stefan :
Es ist ja auch oftmals so, die Leute wissen, daß die Band seit vier Jahren nicht mehr existent ist, viele glauben das vielleicht auch gar nicht. Das Fanpublikum ist ja in den Jahren auch nicht größer geworden. Wir müssen jetzt auch erst mal spielen. Wir haben ja in der letzten Zeit auch so Sachen gespielt, die so ein bißchen außerhalb unserer Verantwortung sind, wo das so ein Event war, wo wir gucken mußten, ob das überhaupt funktioniert.

Thorsten :
Z.B. diese Hall of Fame Geschichte in den Karpaten, da in Epe.

Stefan :
Ja, stimmt, da waren ja kaum Leute.

Ende Teil 3
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