Extrabreit - Kurier

Am 14.03.2003 hat Thorsten Knublauch ein über 2 stündiges Interview mit Rolf Möller im Musikcafe Flieger in Hagen geführt. In den nächsten Wochen werden wir das sehr ausführliche und interessante Interview wieder exklusiv in mehreren Teilen an dieser Stelle veröffentlichen. Themenschwerpunkt der ersten Teile wird die Anfangszeit von Extrabreit um 1980/81 sein. Viel Spaß damit! Rolf und Thorsten vielen Dank dafür!

 

*** Interview mit Rolf - Teil 7 ***

Thorsten :
Wie bist Du auf den Flieger gekommen?

Rolf :
In jeder Stadt gibt es ein Museum für seine "Helden". In Hagen soll ja bald dem Emil Schumacher ein ganzes Museum alleine gewidmet werden. Warum also auch nicht für die Musikszene, die Hagen bekannt gemacht hat. In den 70ern war das eine Arbeiter und Stahlstadt. Erst durch die Bands ist die Stadt erst überregional bekannt geworden. Ich suchte außerdem schon lange einen Platz, um meine ganzen Sachen mal auszustellen. Es hat sich eben angeboten.

Thorsten :
Wie kam es zu dem Pelmke Auftritt?

Rolf :
Wir könnten rund um die Uhr solche Auftritte machen. Das würde aber zu weit führen. Die Pelmke gehört zu Wehringhausen, wo unsere Wurzeln liegen. Das was selbstverständlich, das zu machen. Wir können aber jetzt nicht noch für Brandt Hagen und was auch immer spielen. Solche Anfragen kommen häufig.

Thorsten :
Du hast ja auch eine Soloplatte gemacht...

Rolf :
Ja, "Jupheidi im Morgengrauen". Mit "DADA-Dichter" Wolfgang Luthe. Das sind bestimmt einige Sounds drauf, die sich DJs heute gerne samplen würden. Eine Kultplatte, sehr minimalistisch nur mit Schlaginstrumenten. Das wäre was für die Expo. Die war kürzlich auch in Ebay.

Thorsten :
Wie hoch ist die Auflage der ersten Single gewesen?

Rolf :
Die "Hart wie Marmelade" hat bestimmt nur eine 4.000er oder 5.000er Auflage. Die war ja eher ein Antester für den Markt bevor man eine LP produziert. Promos gab es ja keine, so wurde die auch an Radiostationen u.ä. geschickt. Müßte ich auch mal wieder hören.

Thorsten :
Warum hängen Deine Goldenen Platten für die "Größten Erfolge" und "Welch ein Land" nicht mehr im Flieger?

Rolf :
Ich bin eines Morgens aufgewacht und hatte geträumt, jemand hätte meine Goldenen Platten geklaut. Da habe ich mir schnell den Akuschrauber genommen und den Rahmen abgeschraubt. Die Dübel sind noch drin...

Thorsten :
Im September 1981 wart Ihr Hauptact bei der Eröffnung der Stadthalle Hagen. (
Anmerkung: Das fand im "Felsengarten", dem Parkplatzgelände neben der Stadthalle als Gratis-Open-Air statt)

Rolf :
(lacht) Ja, ich erinnere mich...

Thorsten :
Also, wir waren damals von der Clique auch alle da. Das hatte ich Dir ja schon mal erzählt. Wir waren so in der 7. Klasse und wir mußten alle um 21.00 Uhr zu Hause sein. Wir hingen da seit dem Nachmittag rum, quälten uns durch das Vorprogramm "Round" und "FMW" und bevor ihr dann auf der Bühne wart, mußten wir alle weg. Unsere ganze Stufe hat Euch damals nicht gesehen. Das war total bescheuert. Wir sind dann alle 1990 nach Iserlohn zur Reunion gepilgert!!!

Rolf :
Es war aber eigentlich noch recht früh. Es war ja Sommer und es war noch recht hell. Ich weiß noch, als ich damals auf die Bühne ging, war es noch sehr hell.

Thorsten :
Da muß man sich mal vorstellen. Da seit Ihr als Hagener Aushängeschild bei der Stadthalleneröffnung aufgetreten und danach seit Ihr ja danach nie mehr in Hagen aufgetreten. Es hieß damals immer, daß Ihr in der Stadthalle oder im Theater nicht auftreten dürft wegen dem Teppichboden oder weil man sonst Angst um die Hallen hatte.

Rolf :
Es gibt eine ganz entscheidende Geschichte... Das stand unter 2 verschiedenen Sternen. Ein positiver und ein negativer. Positiv auf jeden Fall "Extrabreit - Stadthalle Hagen"... Zum ersten Mal erkannte jemand in der Stadt, daß sie da ein wahrscheinlich sehr wichtiges Aushängeschild hatten, ohne daß die Kapelle schon am Zenit war. Da war ja noch ein bißchen davor, bevor die Band richtig durchgestartet ist. Irgendwann hat irgend jemand an Stefans Gitarrenkabel gezerrt. Frag mich nicht nach Sonnenschein... Betrunken oder nicht ...

Thorsten :
Das stimmt wirklich? Das habe ich damals gehört....

Rolf :
Ja, das stimmt sogar wirklich. Klar, wenn Du da spielst und da kommt ein Besoffener... Ich wüßte nicht, was ich machen würde, wenn mir so einer mein Becken abschraubt oder wenn mir einer meine Stöcke wegtragen würde! Dann würde ich auch mal ausrasten und ihm einen vors Brett hauen. Und Kleinkrieg auch. Du bist ja auch nervös und angespannt und Du hast ja auch Adrenalin. Und da zog und zog immer einer an dem Kabel - heute würdest Du da gar nicht mehr an die Kabel rankommen. Würde vielleicht auch keiner mehr machen. Der ließ nicht locker und Kleinkrieg "boff" gab ihm einen Tritt und der Kollege war weg und sie haben ihn wegtransportiert.

So jetzt geht es weiter... Der damalige Stadthallenkämmerer - Herr Bardohl, der lebt auch nicht mehr. Schade, daß er das danach nicht mehr erlebt hat... Oder fangen wir anders an: also Gig zu Ende. Wir wollten abkassieren. Wir gehen ein, zwei Mann in sein Büro rein... Man muß sich jetzt vorstellen, der hatte sowieso schon Streß. Als nämlich diese Rockkonzert-Stadthalleneröffnung war, war eine öffentliche Probe des symphonischen Orchesters der Stadt Hagen in der Halle. Das paßte ja nicht. Da prallten völlig verschiedene Elemente aufeinander... Das ging ja auch nicht reibungslos, weil der Dirigent der Symphoniker total sauer wurde, weil ja auch die Probe immer gestört wurde: Tür auf - Tür zu vom Hauptsaal. Ist ja logisch, wenn so eine Stadthalle eröffnet wird, hätte man ja ein anderes Programm machen müssen, als ein symphonisches Orchester. Dann draußen Extrabreit oder Rock`n Roll überhaupt - auch laut. Sehr wahrscheinlich war er dann sowieso schon sauer, der Herr Bardohl.

Jetzt kamen wir noch mit dem Vertrag in seine Garderobe. Ich sag: "Wir müssen weiter, Herr Bardohl, fahrendes Volk, wir wollen unser Geld haben." "Ne - gibt’s nicht. Ist städtische Veranstaltung - wird überwiesen!" "Wat? Wie, wird überwiesen? Wird nicht überwiesen - Bargeld lacht. Hier steht doch auch im Vertrag: `nach Konzert - Gage in bar`!" Gesagt getan, wir haben einen riesen Lauten gemacht, und er wollte keine Kohle rausrücken. Haben wir gesagt: "OK, wir bestreiken jetzt das Büro", damals noch mit Roadie, alle Mann ins Büro. Das muß ja Horror für den gewesen sein. Da eröffnet er seine Stadthalle und da blockiert ihm so`ne Band sein Büro. Er kommt nicht raus und wir blieben drin. Da haben wir gesagt: "Wir verlassen nicht eher das Büro, bis wir unser Geld hier haben." Wir kriegten unser Geld nicht. "Sie haben doch bestimmt hier ein Zimmerchen weiter einen schönen Metallschrank, eingemauert in der Wand und da ist bestimmt ein bißchen Bargeld drin." Es dauerte keine Viertelstunde und dann kam er wieder, wir bekamen unser Geld da hingelegt, kriegten die Kohle. Und dann sagte Herr Bardohl: "So meine Herren, von nun an, Sie glauben doch wohl nicht, daß Sie jemals, im Laufe Ihrer Karriere hier in dieser Halle spielen werden! Dafür werde ich sorgen, daß diese Band hier niemals hier wieder auftritt."

Das war die Geschichte mit der Stadthalle... (lacht) Wir haben auch nie... Und gerade als Extrabreit dann richtig berühmt wurde - 82/83 - wurde immer mal angefragt... Nichts! Das schizophrene war ja, es haben dauernd Rockkonzerte stattgefunden: Lindenberg hat mal da gespielt, wir mit Grobschnitt auch, Ina Deter, BAP und alle möglichen. Jedenfalls waren da öfters mal Rockkonzerte! Die Argumentation damals... Nur die Stars aus Hagen durften nicht in die Hütte!

Noch zum Abschluß. Und als dann Frau Lieder, als ich die Berlet-Halle gemanagt habe, der Herr Bardohl war dann in Rente, mich dann 1998 anrief "Mensch, Herr Möller, Extrabreit will aufhören, das wäre doch jetzt nach so vielen Jahren...." Da habe ich natürlich gesagt: "Frau Lieder, jetzt habe ich selber eine Halle! Jetzt haben wir eine Halle, 10 Kilometer weiter in Hohenlimburg und die freuen sich riesig. Jetzt sitz` ich am Drücker: "Extrabreit in der Stadthalle? NÖH!" Das war dann die Geschichte.

 

Ende Teil 7
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