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Thorsten :
Wie bist Du auf den Flieger gekommen?
Rolf :
In jeder Stadt gibt es ein Museum für seine "Helden". In
Hagen soll ja bald dem Emil Schumacher ein ganzes Museum
alleine gewidmet werden. Warum also auch nicht für die
Musikszene, die Hagen bekannt gemacht hat. In den 70ern
war das eine Arbeiter und Stahlstadt. Erst durch die
Bands ist die Stadt erst überregional bekannt geworden.
Ich suchte außerdem schon lange einen Platz, um meine
ganzen Sachen mal auszustellen. Es hat sich eben
angeboten.
Thorsten :
Wie kam es zu dem Pelmke Auftritt?
Rolf :
Wir könnten rund um die Uhr solche Auftritte machen. Das
würde aber zu weit führen. Die Pelmke gehört zu
Wehringhausen, wo unsere Wurzeln liegen. Das was
selbstverständlich, das zu machen. Wir können aber jetzt
nicht noch für Brandt Hagen und was auch immer spielen.
Solche Anfragen kommen häufig.
Thorsten :
Du hast ja auch eine Soloplatte gemacht...
Rolf :
Ja, "Jupheidi im Morgengrauen". Mit "DADA-Dichter"
Wolfgang Luthe. Das sind bestimmt einige Sounds drauf,
die sich DJs heute gerne samplen würden. Eine
Kultplatte, sehr minimalistisch nur mit
Schlaginstrumenten. Das wäre was für die Expo. Die war
kürzlich auch in Ebay.
Thorsten :
Wie hoch ist die Auflage der ersten Single gewesen?
Rolf :
Die "Hart wie Marmelade" hat bestimmt nur eine 4.000er
oder 5.000er Auflage. Die war ja eher ein Antester für
den Markt bevor man eine LP produziert. Promos gab es ja
keine, so wurde die auch an Radiostationen u.ä.
geschickt. Müßte ich auch mal wieder hören.
Thorsten :
Warum hängen Deine Goldenen Platten für die "Größten
Erfolge" und "Welch ein Land" nicht mehr im Flieger?
Rolf :
Ich bin eines Morgens aufgewacht und hatte geträumt,
jemand hätte meine Goldenen Platten geklaut. Da habe ich
mir schnell den Akuschrauber genommen und den Rahmen
abgeschraubt. Die Dübel sind noch drin...
Thorsten :
Im September 1981 wart Ihr Hauptact bei der Eröffnung
der Stadthalle Hagen. (Anmerkung: Das fand
im "Felsengarten", dem Parkplatzgelände neben der
Stadthalle als Gratis-Open-Air statt)
Rolf :
(lacht) Ja, ich erinnere mich...
Thorsten :
Also, wir waren damals von der Clique auch alle da. Das
hatte ich Dir ja schon mal erzählt. Wir waren so in der
7. Klasse und wir mußten alle um 21.00 Uhr zu Hause
sein. Wir hingen da seit dem Nachmittag rum, quälten uns
durch das Vorprogramm "Round" und "FMW" und bevor ihr
dann auf der Bühne wart, mußten wir alle weg. Unsere
ganze Stufe hat Euch damals nicht gesehen. Das war total
bescheuert. Wir sind dann alle 1990 nach Iserlohn zur
Reunion gepilgert!!!
Rolf :
Es war aber eigentlich noch recht früh. Es war ja Sommer
und es war noch recht hell. Ich weiß noch, als ich
damals auf die Bühne ging, war es noch sehr hell.
Thorsten :
Da muß man sich mal vorstellen. Da seit Ihr als Hagener
Aushängeschild bei der Stadthalleneröffnung aufgetreten
und danach seit Ihr ja danach nie mehr in Hagen
aufgetreten. Es hieß damals immer, daß Ihr in der
Stadthalle oder im Theater nicht auftreten dürft wegen
dem Teppichboden oder weil man sonst Angst um die Hallen
hatte.
Rolf :
Es gibt eine ganz entscheidende Geschichte... Das stand
unter 2 verschiedenen Sternen. Ein positiver und ein
negativer. Positiv auf jeden Fall "Extrabreit -
Stadthalle Hagen"... Zum ersten Mal erkannte jemand in
der Stadt, daß sie da ein wahrscheinlich sehr wichtiges
Aushängeschild hatten, ohne daß die Kapelle schon am
Zenit war. Da war ja noch ein bißchen davor, bevor die
Band richtig durchgestartet ist. Irgendwann hat irgend
jemand an Stefans Gitarrenkabel gezerrt. Frag mich nicht
nach Sonnenschein... Betrunken oder nicht ...
Thorsten :
Das stimmt wirklich? Das habe ich damals gehört....
Rolf :
Ja, das stimmt sogar wirklich. Klar, wenn Du da spielst
und da kommt ein Besoffener... Ich wüßte nicht, was ich
machen würde, wenn mir so einer mein Becken abschraubt
oder wenn mir einer meine Stöcke wegtragen würde! Dann
würde ich auch mal ausrasten und ihm einen vors Brett
hauen. Und Kleinkrieg auch. Du bist ja auch nervös und
angespannt und Du hast ja auch Adrenalin. Und da zog und
zog immer einer an dem Kabel - heute würdest Du da gar
nicht mehr an die Kabel rankommen. Würde vielleicht auch
keiner mehr machen. Der ließ nicht locker und Kleinkrieg
"boff" gab ihm einen Tritt und der Kollege war weg und
sie haben ihn wegtransportiert.
So jetzt geht es weiter... Der damalige
Stadthallenkämmerer - Herr Bardohl, der lebt auch nicht
mehr. Schade, daß er das danach nicht mehr erlebt hat...
Oder fangen wir anders an: also Gig zu Ende. Wir wollten
abkassieren. Wir gehen ein, zwei Mann in sein Büro
rein... Man muß sich jetzt vorstellen, der hatte sowieso
schon Streß. Als nämlich diese
Rockkonzert-Stadthalleneröffnung war, war eine
öffentliche Probe des symphonischen Orchesters der Stadt
Hagen in der Halle. Das paßte ja nicht. Da prallten
völlig verschiedene Elemente aufeinander... Das ging ja
auch nicht reibungslos, weil der Dirigent der
Symphoniker total sauer wurde, weil ja auch die Probe
immer gestört wurde: Tür auf - Tür zu vom Hauptsaal. Ist
ja logisch, wenn so eine Stadthalle eröffnet wird, hätte
man ja ein anderes Programm machen müssen, als ein
symphonisches Orchester. Dann draußen Extrabreit oder
Rock`n Roll überhaupt - auch laut. Sehr wahrscheinlich
war er dann sowieso schon sauer, der Herr Bardohl.
Jetzt
kamen wir noch mit dem Vertrag in seine Garderobe. Ich
sag: "Wir müssen weiter, Herr Bardohl, fahrendes Volk,
wir wollen unser Geld haben." "Ne - gibt’s nicht. Ist
städtische Veranstaltung - wird überwiesen!" "Wat? Wie,
wird überwiesen? Wird nicht überwiesen - Bargeld lacht.
Hier steht doch auch im Vertrag: `nach Konzert - Gage in
bar`!" Gesagt getan, wir haben einen riesen Lauten
gemacht, und er wollte keine Kohle rausrücken. Haben wir
gesagt: "OK, wir bestreiken jetzt das Büro", damals noch
mit Roadie, alle Mann ins Büro. Das muß ja Horror für
den gewesen sein. Da eröffnet er seine Stadthalle und da
blockiert ihm so`ne Band sein Büro. Er kommt nicht raus
und wir blieben drin. Da haben wir gesagt: "Wir
verlassen nicht eher das Büro, bis wir unser Geld hier
haben." Wir kriegten unser Geld nicht. "Sie haben doch
bestimmt hier ein Zimmerchen weiter einen schönen
Metallschrank, eingemauert in der Wand und da ist
bestimmt ein bißchen Bargeld drin." Es dauerte keine
Viertelstunde und dann kam er wieder, wir bekamen unser
Geld da hingelegt, kriegten die Kohle. Und dann sagte
Herr Bardohl: "So meine Herren, von nun an, Sie glauben
doch wohl nicht, daß Sie jemals, im Laufe Ihrer Karriere
hier in dieser Halle spielen werden! Dafür werde ich
sorgen, daß diese Band hier niemals hier wieder
auftritt."
Das war
die Geschichte mit der Stadthalle... (lacht) Wir haben
auch nie... Und gerade als Extrabreit dann richtig
berühmt wurde - 82/83 - wurde immer mal angefragt...
Nichts! Das schizophrene war ja, es haben dauernd
Rockkonzerte stattgefunden: Lindenberg hat mal da
gespielt, wir mit Grobschnitt auch, Ina Deter, BAP und
alle möglichen. Jedenfalls waren da öfters mal
Rockkonzerte! Die Argumentation damals... Nur die Stars
aus Hagen durften nicht in die Hütte!
Noch zum
Abschluß. Und als dann Frau Lieder, als ich die
Berlet-Halle gemanagt habe, der Herr Bardohl war dann in
Rente, mich dann 1998 anrief "Mensch, Herr Möller,
Extrabreit will aufhören, das wäre doch jetzt nach so
vielen Jahren...." Da habe ich natürlich gesagt: "Frau
Lieder, jetzt habe ich selber eine Halle! Jetzt haben
wir eine Halle, 10 Kilometer weiter in Hohenlimburg und
die freuen sich riesig. Jetzt sitz` ich am Drücker:
"Extrabreit in der Stadthalle? NÖH!" Das war dann die
Geschichte. |