Extrabreit - Kurier

Am 14.03.2003 hat Thorsten Knublauch ein über 2 stündiges Interview mit Rolf Möller im Musikcafe Flieger in Hagen geführt. In den nächsten Wochen werden wir das sehr ausführliche und interessante Interview wieder exklusiv in mehreren Teilen an dieser Stelle veröffentlichen. Themenschwerpunkt der ersten Teile wird die Anfangszeit von Extrabreit um 1980/81 sein. Viel Spaß damit! Rolf und Thorsten vielen Dank dafür!

 

*** Interview mit Rolf - Teil 5 ***

Rolf :
Wir werden schon Einzelkonzerte immer wieder machen. Aber das ist ja jetzt auch schon wieder gut. Uns sitzt ja auch wieder keiner im Nacken - wir können das jetzt machen. Wir können auch jederzeit sagen "Ne, wir machen es nicht mehr". Jetzt hat das natürlich eine andere Qualität. Wir freuen uns auch wirklich wieder auf einander, man kann sagen "wie kleine Jungs". "Toll, daß wir heute abend wieder proben!" Das kriegt auf einmal wieder eine Aufgeregtheit wie vor 20 Jahren. "Wann können wir wieder proben? Montag. Wann? 6! Stefan, klasse, was spielen wir denn?" Dann haben wir unsere Zettel "laß uns das mal machen..." Wir werfen uns die Nummern zu, probieren die, checken die aus ... Es ist ein schönes Arbeiten - ein entspanntes Arbeiten. Wir sind jetzt auch so in einem Alter.... Untereinander brauchen wir uns gar nichts mehr zu beweisen und auch nach draußen müssen wir keinem mehr was beweisen. Da gibt es nur "es macht Spaß - oder es macht keinen Spaß!"

Thorsten :
Von außen werden ja dann die Sprüche kommen: "Ah Extrabreit - braucht mal wieder Geld! Gerade Abschiedskonzert CD im Laden und gleich wieder auf der Bühne!

Rolf :
Natürlich kommt das! Teilweise macht man das auch wegen Geld. Aber nicht ausschließlich! Diese Nummer ist jetzt nicht wegen der Kohle!

Thorsten :
Du hast ja Dein Einkommen aus einer völlig anderen Sparte, bei den anderen weiß ich das jetzt nicht so genau...

Rolf :
Bubi ist auch am jobben. Wir haben hier wieder unterschiedliche Konstellationen. Aber es macht natürlich auch Spaß, wenn man ein paar Mark dafür kriegt. Ja logisch. Wenn man jetzt gar nichts dafür kriegen würde, würde das ja auch kein Musiker machen, weil das ja auch mit viel Zeitaufwand und allem zu tun hat. Material - Leute müssen wieder ran - ein Tonmann muß ran, Lichtmann muß ran, Anlage muß her...

Thorsten :
Das heißt, Eure Leute zahlt Ihr selber. Die Technik zahlt Ihr selber?

Rolf :
Ja sicher, das sind ja dann unsere Techniker! Die mieten wir ja dann. Der Oskar aus Hamburg, unser Soundmann, der muß ja hier runter, da muß der Zug, Flieger oder was auch immer bezahlt werden. Die kommen dann wieder rein in die Kasse. Aber die mußt Du auch haben, Du mußt da ja auch gute Leute haben, sonst geht`s ja nicht. Wenn wir Eigenveranstaltungen machen, dann müssen wir das Material auch selber mieten. Bei Festivals, da steht eh eine Anlage. Aber trotzdem: wir müssen unsere Leute auch bezahlen! Du mußt `nen Roadie mieten, `nen LKW damit die Brocken unterwegs sind und wir müssen ja auch ein Auto haben! Wir können ja nicht mit unseren eigenen Kisten fahren, weil wir ja gerne zusammen fahren wollen. Da mußt Du dann auch `ne Karre mieten. Aber das macht man da ja auch gerne. Das ist schon ok. Aber entscheidend ist die Tatsache, daß wir so wieder zu einander gefunden haben. Es tut sich ja eine ganze Menge dieses Jahr. Es wird an einer DVD gearbeitet, es wird step by step an neuem Material gearbeitet - wird erarbeitet. Je öfter wir aufeinander hocken, probieren wir immer wieder was aus. Wir werden auch wieder zusammen was komponieren. Die ersten Dinger sind ja schon gemacht. Das "Weiße Licht" ist ja schon angetestet worden, "Öl"...

Thorsten :
Warum wird so ein Titel wie "Öl" mit "Rausch" eingespielt und nicht mit der aktuellen Liveband??

Rolf :
Das hat natürlich schon eine Vorgeschichte gehabt. Bevor wir richtig intensiv aufeinander gekommen sind, sind die Sachen schon entstanden. "Weißes Licht" war schon fertig, bevor wir als Band richtig angefangen haben. Wir werden nacheinander schon Material sammeln. Du brauchst immer eine gute Lyrik und da war immer Kai für zuständig. Weil es nicht so einfach ist. Sicher, dann und wann hat Stefan auch  mal einen Text geschrieben aber das ist schon eine andere Liga. Ist was anderes. Es ist schon ganz gut so. Das ist ja wie so eine Duftmarke, die so ein Sänger dann setzt mit dem Erkennungswert dem Stil eines Textes. Kai legt ja nun selbst schon sehr viel Wert an bestimmte Sachen - haut nicht immer hin und manchmal haut es dann hin und bestimmte Bilder kann dann nur einer singen bzw. kann die dann glaubhaft rüber bringen, wenn er es auch selber komponiert und getextet hat. Das ist sehr schwer wenn ich mir jetzt vorstelle so eine Nummer wie "ÖL", die Du dann als Vorlage hingelegt bekommst, könnte ich mir das schon sehr schwer vorstellen, daß umzusetzen. Also ist es schon besser, wenn der Sänger nun mal das Talent hat. Es ist ja nicht Udo Jürgens, der dann den Text schreiben läßt. Ich finde das schon sehr schön, wenn das in der eigenen Konstellation, im eigenen Haus bleibt. Die Zeit wird zeigen, wie wir zusammen wieder arbeiten werden. Wir müssen jetzt erst mal wieder step by step zusammenwachsen. Der Zeitraum vom vorherigen Jahr bis jetzt ist ja relativ kurz wo auf einmal die Dinge sich so ereignet haben, wie sie sich ereignet haben. Wir haben ja bis zum Schluß, bis zum 30.12. noch Konzerte gemacht und dazu haben wir ja hier noch unsere Sachen. Wir können ja nicht jeden Tag alles hinwerfen und sagen "wir machen nur Extrabreit". Aber vielleicht kommen wir da ja wieder hin.

Thorsten :
Was sagt’s Du denn als Vollblut Musiker zu "Deutschland sucht den Superstar"?

Rolf :
(Etwas gequält) Ja, was soll ich da als Vollblutmusiker zu sagen? Es ist ein Zeichen unserer Zeit. Es paßt zu unserer Zeit. Mir macht das ein bißchen Sorge. Abgesehen davon, daß die letzten, die übrig bleiben, sicherlich Talente haben. Daß sie gut singen müssen, gut tanzen müssen, das ist ja logisch. Wenn sich da Hunderttausend Krampen vorher beworben haben, die dann alle durch das Raster gefallen sind, daß dann zum Schluß nur noch zwei, drei übrig bleiben, die wirklich was können. Lassen wir den Kübelböck oder wie der heißt mal außer acht, das war so mehr der Unterhaltungskasper. Den möchte ich jetzt gar nicht mal so kritisieren, der hatte eben Unterhaltungswert. Die beiden die übrig geblieben sind...

 Ja gut. Sie konnte gut singen, er konnte gut singen... Mmh, "der deutsche Robbie Williams" - diese Vergleiche hinken ja dann immer, weil Robbie Williams ist ein Megastar für mich, das ist ein Weltstar. Der beherrscht die Klaviatur des Entertainements. Das hat ja nun mehrfach bewiesen! In der Boygroup und als Soloentertainer! Selbst so eine Swingplatte die er macht ist noch superoberamtlich, wo man sagen kann, "da ist unser neuer Superstar ja noch Lichtjahre von entfernt." Was ich traurig finde, daß es eigentlich möglich ist, nur heute durch einen Sender so was zu machen. Da habe ich wieder meine Schafsherdenphilosophie: einer blökt was vor und Millionen andere blöken es nach. Ich habe das alles noch kennengelernt - das muß jetzt kein Vorbild sein - habe mit dem Röhrenradio mit meinem Kollegen Kleinkrieg im Übungsraum angefangen um das Stück für Stück zu erarbeiten, mit einer Kontinuität. Heute werden solche Leute einfach nur gemacht. Das schlimme ist, daß die sehr seelenlos dabei sind. Weil gemacht heißt für mich auch, daß ihnen auch ihre Entscheidungsfähigkeit entzogen wird. Die haben gar nicht viel mitzumischen. Da sitzt ein Produzent, wie Dieter Bohlen, der komponiert die Stücke, macht die Arrangements und die werden dann vors Mikrofon gestellt und haben dann bitteschön das zu singen, was ihnen vorgesetzt wird. Da hat sich ja keiner von denen jetzt nächtelang da vor gesetzt und sich den Kopf zerbrochen "wie krieg ich jetzt den Text hin, die Komposition oder wie krieg ich die Akkorde auf der Gitarre hin!" Das finde ich sehr erschreckend, das ist keine gesunde Entwicklung. Ich habe als Veranstalter mit vielen solcher Leute ja zu tun gehabt. Was machen die in zwei, drei Jahren? Gutes Beispiel - eben wie Extrabreit. Wir sind immer noch fähig, auch wenn wir zwei, drei Jahre aufhören, "Zack" können wir uns wieder im Übungsraum einschließen und sagen "los, machen wir noch mal eine neue Nummer". Wir können sofort spielen. Das können die nicht, weil die so gehyped werden.

 Wenn die von oben dann wieder abgesägt werden, dann wird es für die sehr sehr schwer den Anschluß daran zu bekommen. Das sind alles Kunstprodukte, die werden gemacht. Die werden wie früher vor die Wand geschmissen und dann müssen innerhalb sie innerhalb von ein paar Wochen super erfolgreich werden, weil da Megazahlen geschrieben werden müssen - hunderttausende oder Millionen Platten müssen da verkauft werden und wehe das haut nicht hin! Dann bricht die Quote zusammen - bei dem Fernsehsender und das zieht dann Kreise bis zur Industrie "Ah, haben wir doch aufs falsche Pferd gesetzt..." Finde ich keine gesunde Entwicklung. Wird aber weiter so gemacht! Als der erste damals aus dem "Big Brother" Container gekrochen ist: Wenn das unser deutscher Stil ist, wie wir uns jetzt darstellen, daß jede Pappnase, die da aus dem Container gekrochen vors Mikro gestellt und da recht und schlecht irgendso einen Schwachsinn verzapfen darf und dafür noch eine Menge Geld kriegt, weiß ich nicht - finde ich nicht gut und kann ich auch nicht unterstützen. Ich finde es immer noch gut, wenn sich Leute was beibringen und damit auch eine gewisse Faszination erreichen, daß andere Leute sich das anhören und sagen "Mensch, da ist irgendwas. Die haben da was." Sei es eine Band oder ein Einzelkünstler die Chemie sollte er selber mitbringen, finde ich.

Thorsten :
Die sind ja im halben Jahr alle weg.

Rolf :
Ja, und das tut mir dann auch so leid. Dann werden aus diesen Stars dann Opfer. Ich stelle mir das gerade vor. Wir haben es ja schon schwer gehabt auch innerhalb von Jahren auf einmal nach oben geschossen zu werden und die innerhalb von vier Wochen. Von einem ganz kleinen No-Name aus der Siedlung nebenan steht der auf einmal in allen Gazetten: Bildzeitung und RTL rollen den roten Teppich nicht einmal aus, die liegen kilometerweit übereinander. Was will der machen, wenn sie den künstlich wieder plattmachen. Der fällt dann in solch ein tiefes Loch und die Häme, Mißgunst und Neid was dann auch von Menschen so auf ihn niederprasseln... Auch aus dem nächsten Umfeld. Der Mensch wird ja neidisch, wenn da auf einmal so einer durchstartet. Gerade in Deutschland ist es so typisch, dieses Boris Becker Syndrom. Erst haben sie ihn abgefeiert, noch und nöcher, und auf dem Höhepunkt gibt es "boh - boh - boh". Da werden Skandälchen hervorgezogen, unbekannte Nummern werden herausgeholt wo sie ihm irgendwas andichten können.

Thorsten :
Habt Ihr das auch erlebt?

Rolf :
Ja, diese deutschtümliche Häme, die sich dann auftut, die haben wir auch erlebt. Spätestens als das dann in den Gazetten stand "Extrabreit - hoch geflogen, tief gestürzt". Wir sind nicht tief gestürzt. Wir haben nur eine nicht ganz spektakuläre Tour gemacht, obwohl die Tour an sich war ja spektakulär.

Thorsten :
Aber Ihr habt an der 83er Tour kein Geld verdient...

Rolf :
Trotzdem wurden immer noch Tausende von Platten verkauft. Es kippte irgendwann mal. Ich habe ja noch die ganzen Zeitungsartikel, eben dieses "Extrabreit - hoch geflogen, tief gestürzt". Da stand dann "ob das wohl gut geht - hoffentlich haben sie sich nicht übernommen". Das stand einem gar nicht so zu, so über einen die Elle zu brechen - aber das wird eben so gemacht. Heutzutage ist das ja noch schlimmer weil diese ganze Medienhetze, nennen wir sie mal so, die leben ja davon. Die müssen Tag täglich bei dieser Medienanzahl, die wir ja mittlerer Weile haben, permanent Futter haben. Nichts ist ja toller als "bad news". "Good news" - ja ist ja schön, daß sie erfolgreich sind, aber viel toller ist doch so was, wie mit dem Ollie Kahn. Was da abgeht - ist mir doch völlig egal, ob der `ne Freundin hat. Ich kann davon betroffen sein, muß es aber nicht. Daß seine Frau jetzt schwanger ist - klar - dumme Nummer, aber das wird jetzt ausgeschlachtet und ausgeweidet, wo Du Dir beim vierten Mal denkst "toll, der soll doch lieber Fußball spielen, soll ein paar gute Bälle halten." Steht mir doch gar nicht zu! Egal ob Leute nun berühmt sind oder nicht, irgendwo ist doch eine Grenze! Feierabend - lassen wir die doch mal in Ruhe!

Thorsten :
Zurück zu Extrabreit. Die LP Cover der zweiten und dritten LP waren ja im Prinzip sensationell. 3D Cover, Einschußlöcher - Poster usw. Kostet alles extra Geld! Wer hat so eine Idee?

Rolf :
"Welch ein Land - was für Männer" - das kann ich Dir sagen. Da gab es damals zeitgleich im Fernsehen unglaublich viele 3D-Sendungen. Jörg Hoppe, der war ja auch so ein Kunstfreak in unserer Mitte, der war ein absoluter Workaholic. Man mußte ja früher immer selber so basteln - nichts mit Computer wie heute "Zack - machen wir mal ein schönes Layout". Das gab es damals ja noch nicht - da wurde richtig geschnippelt und gebastelt und dann wurde so ein Cover gemacht. Steht ja auch so in der Extrabreit-Story auf unserer Seite, das sehe ich auch noch so vor mir. Damals gab es dann auch im Kino diese amerikanischen Filme...

Thorsten :
"Der weiße Hai", den gab es mal in 3D in der Zeit.

Rolf :
Ich weiß nicht mehr genau welcher Film. Auf jeden Fall gab es dann auch immer so eine Brille im Kino und das war so dann das ausschlaggebende. Jörg Hoppe hatte die Idee. Es gibt ja alles in 3D nur ein Plattencover noch nicht! Und dann haben wir um tausend Umstände irgendso einen Professor in Berlin ausgemacht, der besondere Kameras hatte, um das so in Szene zu setzen. Den haben wir dann besucht und dann wurde so eine Fotosession gemacht wo wir dann so recht und schlecht drauf stehen. So ist das dann eigentlich entstanden. Einfach so aus einer Idee! Irgendeiner hatte was wahrgenommen, was aufgenommen und da wurde überlegt, wie man das umsetzen konnte. Das war natürlich dann ein Gag. Ausgerechnet diese Brille, die der Professor hat umsetzen lassen mit dem rot und grün. Dann das erst mal der Plattenfirma verklickern! "Schwachsinn was sollen wir damit? Welch ein Land - was für Männer?" Die hatte ja auch schon Probleme vorher. Bevor man überhaupt erklärt, was dahinter steckt. Irgendwie hatten wir die dann doch dazu gekriegt und die fanden das dann faszinierend. Hinterher war das natürlich ein Knaller. Das wurde sogar in allen möglichen Medien besprochen, mit der Brille und so. Das war schon ein Hammer! Und es gab dann zeitgleich, ohne daß wir das wußten, unheimlich viele Sendungen, die mit dem Kontext 3D zu tun haben.

Thorsten :
Ich erinnere mich. Das waren so experimentelle Sendungen, wo man vorher beim Optiker die 3D Brillen kaufen mußte, damit man das auch sehen konnte.
Wie ist das mit den Einschußlöchern und den verschiedenen Neonfarben entstanden? Ich habe ja sogar die Musikcassetten in den verschiedenen Farben!

Rolf :
Wie sind die entstanden? Da muß ich richtig mal nachdenken! Ja, die Musikcassetten, die gibt`s auch in allen Farben. Ja gut, das mit den mehreren Farben war an sich nur ein Gag, weil wenn man schon farblich eine Platte absetzt, warum dann nicht in mehreren. Bei der Rückkehr der phantastischen fünf da hatten wir ja auch so ein Logo mit den fünf Schäferhunden. Da habe ich glaube ich noch ein T-Shirt von. (Anmerkung: auch das Motiv auf den Eintrittskarten der 1983er Tour!) Dann ergab sich das eben. Ich glaube Kleinkrieg hatte sowie so immer was mit Einschußlöchern. Der hatte dann mal ein Plattencover genommen, hatte wohl auch damals eine scharfe Waffe, hat dann durchgeschossen und fand das ganz gaggig, wie das dann so aussah. In Folge dessen hat es sich dann so ergeben. "Super, fünf Einschußlöcher - wir sind fünf Leute - also machen wir das mit den fünf Einschußlöchern." Einfach sehr spontan ist das entstanden.

Thorsten :
Hier in Hagen bist Du ja jetzt so was wie "Mr. Extrabreit" mit dem Flieger-Cafe, weil Du ja auch das Archiv hast. Du bist immer wieder mit verschiedenen Aktionen in der Presse, gerade auch mit so einem Poster gegen Mißbrauch von Kinder und so.

Rolf :
Ja, bei dieser Friedens-Demo habe ich jetzt auch gerade mitgemacht. Das lag mir ja auch sehr am Herzen, weil so was unterstütze ich halt. Das finde ich gut, weil ich denke das ist positiv zu bewerten. Nicht, um mich da in Szene zu setzen, das beeindruckt mich nicht. Das habe ich lange genug gehabt.

Thorsten :
Du wirst ja als prominter Mensch in Hagen ja auch immer wieder gefragt!

Rolf :
Ja, das ergibt sich ja dann auch immer zwangsläufig aus meiner Öftentlichkeitsarbeit, die ich ja nach wie vor als Veranstalter noch habe. Man hat mit unheimlich vielen Menschen zu tun in diesem Bereich, auch aus dem städtischen Bereich. Da gibt es ja auch ein paar Freundschaften und die kommen dann an und fragen: "Mensch, kannst Du das nicht unterstützen?". Da suche ich mir die eben aus. Genau wie diese Nummer mit der Pelmke: das war von uns allen ganz klar, daß wir das unterstützen, weil wir das als ehemalige Wehringhauser sehen. Denen haben sie ihren Kultuetat gestrichen, also machen wir das. Das Herz schlägt ja noch für Wehringhausen. Da sind ja auch noch ein paar Altkämpen von früher da noch versammelt. "Kulturzentrum" - dachte ich, "da wo alles bekommen hat - müssen wir machen". Deshalb, um auf Deine Frage zurück zu kommen, von wegen warum ich so was unterstütze. Klar, so eine Sache wie gegen Krieg, muß eigentlich jeder normal denkende Mensch zumindest Widerstand zeigen und demonstrieren um zu zeigen, "finde ich nicht gut - ich will das nicht"! Kein Mensch dieser Erde hat die Berechtigung jemanden anderen eine Bombe auf den Kopf zu werfen. In der letztendlichen Konsequenz, egal wie hochtechnisiert das ist, es werden Zivilisten getroffen, Frauen und Kinder betroffen, alte Leute getötet. Es gibt keinen moralischen Krieg! Es gibt auch keinen Krieg, den man soeben mal führen kann.

Thorsten :
Hier im Flieger, im Eingangsbereich, hängen ja auch die ganzen Poster, Schriftwechsel uns so um Zusammenhang mit der Knef. Es gibt da ja unterschiedliche Versionen, wie das zustande gekommen ist. Noch mal zur Klarstellung. Die Coverversion von Euch war zuerst da und erst dann kam der Kontakt?

Rolf :
Ja!

Thorsten :
Wenn man so die damaligen CD-Besprechungen liest, dann meinen die meisten wohl, daß es eine Neuaufnahme der Knef sei und nicht ein Sample.

Rolf :
Nein, das konnte die nicht mehr. Zu dem damaligen Zeitpunkt war die ja auch schon angeschlagen. War ja auch schon ein altes Mädchen, die gute Frau Knef. Die war nicht mehr fähig... Unsere Überlegung war ja, bevor es dazu gekommen ist, daß sie "ja" gesagt hat war ja, daß es mal wieder Zeit wäre, wie damals "Flieger", "Duo infernale" mit Marianne Rosenberg, Harald Juhnke kam ja erst danach, es wäre doch mal wieder Zeit. Und wie es der Zufall so will, irgendwie Plattenschrank durchwühlt von Papa, Mama, Onkel, Tante und irgendjemand kam dann mit "Chansons Hildegard Knef"! "Lebt die noch?" "Jau, die ist noch da - wär doch mal was..." Und was sehr schwer war, dann haben wir den Chanson umgearbeitet, weil im Original ist das ja ein ganz langsames Dingen mit Streicher Arrangement. Dachte "au Backe - wie kriegen wir das hin?" Extrabreit typisch - tanzbar, ein bißchen rockig... Naja, dann fand sie das ja auch gut, unsere Version, die wir ihr dann geschickt haben. Aber das hätte sehr wahrscheinlich unendlich lange gedauert... Und die Technik war ja damals so weit, so eine Stimme runter zu nehmen. Und wir wollten so kopfmäßig auch die Originalversion, so das Original von damals haben, das ist auch frischer. Wer weiß, wie lange es gedauert hätte... Sie war davon auch nicht so angetan und so konnte man es so einbauen. Sie war dann ja auch mehrfach anwesend und hat das auch mit uns promotet. Das war ja auch eine Riesennummer! Was damals genial war, war eigentlich der Winkelzug von unserer Seite, weil wir auf einmal Medieninteresse bekamen von ganz anderen, wo wir nie gelandet wären. Interviews mit Echo der Welt, Frau im Spiegel, Bunte und all diese Medien, die sonst gedacht hätten "Wer ist Extrabreit?"

Thorsten :
Da kann man ja dann auch irgendwie stolz sein. Ist ein anderes Genre...

Rolf :
Ja klar! Fand ich spitze! Daß wir überhaupt diese Dame kennenlernen zu dürfen und daß die dann mit uns zusammen arbeitet! Mit einer Band wie Extrabreit! Das war eigentlich eine Auszeichnung, wenn man bedenkt, was die für eine Lebensgeschichte auch hinter sich gelassen hat: erfolgreiche Schriftstellerin, Chansonette, Filmschauspielerin.. Die konnte ja auch von Ihrem Leben, die konnte Sachen erzählen. Mensch, wenn die von Marlene Dietrich oder dem Bundeskanzler Schmidt... Die kannte die alle! Genscher, die konnte Geschichten erzählen. In den 50er, 60er Jahre Broadway "Wow"! Da konntest Du ja eigentlich einfach nur zuhören, wenn die da so erzählte. Nicht nur das Geschäft, das sie gemacht hat, sondern auch das Leben, das die da geführt hat, das war dann wieder noch eine andere Liga. Das hatte einen noch anderen Exotenbonus als unser Rock`n Roll Dasein!

Ende Teil 5
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