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Rolf :
Wir werden schon Einzelkonzerte immer wieder machen. Aber das
ist ja jetzt auch schon wieder gut. Uns sitzt ja auch wieder
keiner im Nacken - wir können das jetzt machen. Wir können auch
jederzeit sagen "Ne, wir machen es nicht mehr". Jetzt hat das
natürlich eine andere Qualität. Wir freuen uns auch wirklich
wieder auf einander, man kann sagen "wie kleine Jungs". "Toll,
daß wir heute abend wieder proben!" Das kriegt auf einmal wieder
eine Aufgeregtheit wie vor 20 Jahren. "Wann können wir wieder
proben? Montag. Wann? 6! Stefan, klasse, was spielen wir denn?"
Dann haben wir unsere Zettel "laß uns das mal machen..." Wir
werfen uns die Nummern zu, probieren die, checken die aus ... Es
ist ein schönes Arbeiten - ein entspanntes Arbeiten. Wir sind
jetzt auch so in einem Alter.... Untereinander brauchen wir uns
gar nichts mehr zu beweisen und auch nach draußen müssen wir
keinem mehr was beweisen. Da gibt es nur "es macht Spaß - oder
es macht keinen Spaß!"
Thorsten :
Von außen werden ja dann die Sprüche kommen: "Ah Extrabreit -
braucht mal wieder Geld! Gerade Abschiedskonzert CD im Laden und
gleich wieder auf der Bühne!
Rolf :
Natürlich kommt das! Teilweise macht man das auch wegen Geld.
Aber nicht ausschließlich! Diese Nummer ist jetzt nicht wegen
der Kohle!
Thorsten :
Du hast ja Dein Einkommen aus einer völlig anderen Sparte, bei
den anderen weiß ich das jetzt nicht so genau...
Rolf :
Bubi ist auch am jobben. Wir haben hier wieder unterschiedliche
Konstellationen. Aber es macht natürlich auch Spaß, wenn man ein
paar Mark dafür kriegt. Ja logisch. Wenn man jetzt gar nichts
dafür kriegen würde, würde das ja auch kein Musiker machen, weil
das ja auch mit viel Zeitaufwand und allem zu tun hat. Material
- Leute müssen wieder ran - ein Tonmann muß ran, Lichtmann muß
ran, Anlage muß her...
Thorsten :
Das heißt, Eure Leute zahlt Ihr selber. Die Technik zahlt Ihr
selber?
Rolf :
Ja sicher, das sind ja dann unsere Techniker! Die mieten wir ja
dann. Der Oskar aus Hamburg, unser Soundmann, der muß ja hier
runter, da muß der Zug, Flieger oder was auch immer bezahlt
werden. Die kommen dann wieder rein in die Kasse. Aber die mußt
Du auch haben, Du mußt da ja auch gute Leute haben, sonst geht`s
ja nicht. Wenn wir Eigenveranstaltungen machen, dann müssen wir
das Material auch selber mieten. Bei Festivals, da steht eh eine
Anlage. Aber trotzdem: wir müssen unsere Leute auch bezahlen! Du
mußt `nen Roadie mieten, `nen LKW damit die Brocken unterwegs
sind und wir müssen ja auch ein Auto haben! Wir können ja nicht
mit unseren eigenen Kisten fahren, weil wir ja gerne zusammen
fahren wollen. Da mußt Du dann auch `ne Karre mieten. Aber das
macht man da ja auch gerne. Das ist schon ok. Aber entscheidend
ist die Tatsache, daß wir so wieder zu einander gefunden haben.
Es tut sich ja eine ganze Menge dieses Jahr. Es wird an einer
DVD gearbeitet, es wird step by step an neuem Material
gearbeitet - wird erarbeitet. Je öfter wir aufeinander hocken,
probieren wir immer wieder was aus. Wir werden auch wieder
zusammen was komponieren. Die ersten Dinger sind ja schon
gemacht. Das "Weiße Licht" ist ja schon angetestet worden,
"Öl"...
Thorsten :
Warum wird so ein Titel wie "Öl" mit "Rausch" eingespielt und
nicht mit der aktuellen Liveband??
Rolf :
Das hat natürlich schon eine Vorgeschichte gehabt. Bevor wir
richtig intensiv aufeinander gekommen sind, sind die Sachen
schon entstanden. "Weißes Licht" war schon fertig, bevor wir als
Band richtig angefangen haben. Wir werden nacheinander schon
Material sammeln. Du brauchst immer eine gute Lyrik und da war
immer Kai für zuständig. Weil es nicht so einfach ist. Sicher,
dann und wann hat Stefan auch mal einen Text geschrieben aber
das ist schon eine andere Liga. Ist was anderes. Es ist schon
ganz gut so. Das ist ja wie so eine Duftmarke, die so ein Sänger
dann setzt mit dem Erkennungswert dem Stil eines Textes. Kai
legt ja nun selbst schon sehr viel Wert an bestimmte Sachen -
haut nicht immer hin und manchmal haut es dann hin und bestimmte
Bilder kann dann nur einer singen bzw. kann die dann glaubhaft
rüber bringen, wenn er es auch selber komponiert und getextet
hat. Das ist sehr schwer wenn ich mir jetzt vorstelle so eine
Nummer wie "ÖL", die Du dann als Vorlage hingelegt bekommst,
könnte ich mir das schon sehr schwer vorstellen, daß umzusetzen.
Also ist es schon besser, wenn der Sänger nun mal das Talent
hat. Es ist ja nicht Udo Jürgens, der dann den Text schreiben
läßt. Ich finde das schon sehr schön, wenn das in der eigenen
Konstellation, im eigenen Haus bleibt. Die Zeit wird zeigen, wie
wir zusammen wieder arbeiten werden. Wir müssen jetzt erst mal
wieder step by step zusammenwachsen. Der Zeitraum vom vorherigen
Jahr bis jetzt ist ja relativ kurz wo auf einmal die Dinge sich
so ereignet haben, wie sie sich ereignet haben. Wir haben ja bis
zum Schluß, bis zum 30.12. noch Konzerte gemacht und dazu haben
wir ja hier noch unsere Sachen. Wir können ja nicht jeden Tag
alles hinwerfen und sagen "wir machen nur Extrabreit". Aber
vielleicht kommen wir da ja wieder hin.
Thorsten :
Was sagt’s Du denn als Vollblut Musiker zu "Deutschland sucht
den Superstar"?
Rolf :
(Etwas gequält) Ja, was soll ich da als Vollblutmusiker zu
sagen? Es ist ein Zeichen unserer Zeit. Es paßt zu unserer Zeit.
Mir macht das ein bißchen Sorge. Abgesehen davon, daß die
letzten, die übrig bleiben, sicherlich Talente haben. Daß sie
gut singen müssen, gut tanzen müssen, das ist ja logisch. Wenn
sich da Hunderttausend Krampen vorher beworben haben, die dann
alle durch das Raster gefallen sind, daß dann zum Schluß nur
noch zwei, drei übrig bleiben, die wirklich was können. Lassen
wir den Kübelböck oder wie der heißt mal außer acht, das war so
mehr der Unterhaltungskasper. Den möchte ich jetzt gar nicht mal
so kritisieren, der hatte eben Unterhaltungswert. Die beiden die
übrig geblieben sind...
Ja gut. Sie
konnte gut singen, er konnte gut singen... Mmh, "der deutsche
Robbie Williams" - diese Vergleiche hinken ja dann immer, weil
Robbie Williams ist ein Megastar für mich, das ist ein Weltstar.
Der beherrscht die Klaviatur des Entertainements. Das hat ja nun
mehrfach bewiesen! In der Boygroup und als Soloentertainer!
Selbst so eine Swingplatte die er macht ist noch
superoberamtlich, wo man sagen kann, "da ist unser neuer
Superstar ja noch Lichtjahre von entfernt." Was ich traurig
finde, daß es eigentlich möglich ist, nur heute durch einen
Sender so was zu machen. Da habe ich wieder meine
Schafsherdenphilosophie: einer blökt was vor und Millionen
andere blöken es nach. Ich habe das alles noch kennengelernt -
das muß jetzt kein Vorbild sein - habe mit dem Röhrenradio mit
meinem Kollegen Kleinkrieg im Übungsraum angefangen um das Stück
für Stück zu erarbeiten, mit einer Kontinuität. Heute werden
solche Leute einfach nur gemacht. Das schlimme ist, daß die sehr
seelenlos dabei sind. Weil gemacht heißt für mich auch, daß
ihnen auch ihre Entscheidungsfähigkeit entzogen wird. Die haben
gar nicht viel mitzumischen. Da sitzt ein Produzent, wie Dieter
Bohlen, der komponiert die Stücke, macht die Arrangements und
die werden dann vors Mikrofon gestellt und haben dann bitteschön
das zu singen, was ihnen vorgesetzt wird. Da hat sich ja keiner
von denen jetzt nächtelang da vor gesetzt und sich den Kopf
zerbrochen "wie krieg ich jetzt den Text hin, die Komposition
oder wie krieg ich die Akkorde auf der Gitarre hin!" Das finde
ich sehr erschreckend, das ist keine gesunde Entwicklung. Ich
habe als Veranstalter mit vielen solcher Leute ja zu tun gehabt.
Was machen die in zwei, drei Jahren? Gutes Beispiel - eben wie
Extrabreit. Wir sind immer noch fähig, auch wenn wir zwei, drei
Jahre aufhören, "Zack" können wir uns wieder im Übungsraum
einschließen und sagen "los, machen wir noch mal eine neue
Nummer". Wir können sofort spielen. Das können die nicht, weil
die so gehyped werden.
Wenn die von oben
dann wieder abgesägt werden, dann wird es für die sehr sehr
schwer den Anschluß daran zu bekommen. Das sind alles
Kunstprodukte, die werden gemacht. Die werden wie früher vor die
Wand geschmissen und dann müssen innerhalb sie innerhalb von ein
paar Wochen super erfolgreich werden, weil da Megazahlen
geschrieben werden müssen - hunderttausende oder Millionen
Platten müssen da verkauft werden und wehe das haut nicht hin!
Dann bricht die Quote zusammen - bei dem Fernsehsender und das
zieht dann Kreise bis zur Industrie "Ah, haben wir doch aufs
falsche Pferd gesetzt..." Finde ich keine gesunde Entwicklung.
Wird aber weiter so gemacht! Als der erste damals aus dem "Big
Brother" Container gekrochen ist: Wenn das unser deutscher Stil
ist, wie wir uns jetzt darstellen, daß jede Pappnase, die da aus
dem Container gekrochen vors Mikro gestellt und da recht und
schlecht irgendso einen Schwachsinn verzapfen darf und dafür
noch eine Menge Geld kriegt, weiß ich nicht - finde ich nicht
gut und kann ich auch nicht unterstützen. Ich finde es immer
noch gut, wenn sich Leute was beibringen und damit auch eine
gewisse Faszination erreichen, daß andere Leute sich das anhören
und sagen "Mensch, da ist irgendwas. Die haben da was." Sei es
eine Band oder ein Einzelkünstler die Chemie sollte er selber
mitbringen, finde ich.
Thorsten :
Die sind ja im halben Jahr alle weg.
Rolf :
Ja, und das tut mir dann auch so leid. Dann werden aus diesen
Stars dann Opfer. Ich stelle mir das gerade vor. Wir haben es ja
schon schwer gehabt auch innerhalb von Jahren auf einmal nach
oben geschossen zu werden und die innerhalb von vier Wochen. Von
einem ganz kleinen No-Name aus der Siedlung nebenan steht der
auf einmal in allen Gazetten: Bildzeitung und RTL rollen den
roten Teppich nicht einmal aus, die liegen kilometerweit
übereinander. Was will der machen, wenn sie den künstlich wieder
plattmachen. Der fällt dann in solch ein tiefes Loch und die
Häme, Mißgunst und Neid was dann auch von Menschen so auf ihn
niederprasseln... Auch aus dem nächsten Umfeld. Der Mensch wird
ja neidisch, wenn da auf einmal so einer durchstartet. Gerade in
Deutschland ist es so typisch, dieses Boris Becker Syndrom. Erst
haben sie ihn abgefeiert, noch und nöcher, und auf dem Höhepunkt
gibt es "boh - boh - boh". Da werden Skandälchen hervorgezogen,
unbekannte Nummern werden herausgeholt wo sie ihm irgendwas
andichten können.
Thorsten :
Habt Ihr das auch erlebt?
Rolf :
Ja, diese deutschtümliche Häme, die sich dann auftut, die haben
wir auch erlebt. Spätestens als das dann in den Gazetten stand
"Extrabreit - hoch geflogen, tief gestürzt". Wir sind nicht tief
gestürzt. Wir haben nur eine nicht ganz spektakuläre Tour
gemacht, obwohl die Tour an sich war ja spektakulär.
Thorsten :
Aber Ihr habt an der 83er Tour kein Geld verdient...
Rolf :
Trotzdem wurden immer noch Tausende von Platten verkauft. Es
kippte irgendwann mal. Ich habe ja noch die ganzen
Zeitungsartikel, eben dieses "Extrabreit - hoch geflogen, tief
gestürzt". Da stand dann "ob das wohl gut geht - hoffentlich
haben sie sich nicht übernommen". Das stand einem gar nicht so
zu, so über einen die Elle zu brechen - aber das wird eben so
gemacht. Heutzutage ist das ja noch schlimmer weil diese ganze
Medienhetze, nennen wir sie mal so, die leben ja davon. Die
müssen Tag täglich bei dieser Medienanzahl, die wir ja mittlerer
Weile haben, permanent Futter haben. Nichts ist ja toller als
"bad news". "Good news" - ja ist ja schön, daß sie erfolgreich
sind, aber viel toller ist doch so was, wie mit dem Ollie Kahn.
Was da abgeht - ist mir doch völlig egal, ob der `ne Freundin
hat. Ich kann davon betroffen sein, muß es aber nicht. Daß seine
Frau jetzt schwanger ist - klar - dumme Nummer, aber das wird
jetzt ausgeschlachtet und ausgeweidet, wo Du Dir beim vierten
Mal denkst "toll, der soll doch lieber Fußball spielen, soll ein
paar gute Bälle halten." Steht mir doch gar nicht zu! Egal ob
Leute nun berühmt sind oder nicht, irgendwo ist doch eine
Grenze! Feierabend - lassen wir die doch mal in Ruhe!
Thorsten :
Zurück zu Extrabreit. Die LP Cover der zweiten und dritten LP
waren ja im Prinzip sensationell. 3D Cover, Einschußlöcher -
Poster usw. Kostet alles extra Geld! Wer hat so eine Idee?
Rolf :
"Welch ein Land - was für Männer" - das kann ich Dir sagen. Da
gab es damals zeitgleich im Fernsehen unglaublich viele
3D-Sendungen. Jörg Hoppe, der war ja auch so ein Kunstfreak in
unserer Mitte, der war ein absoluter Workaholic. Man mußte ja
früher immer selber so basteln - nichts mit Computer wie heute
"Zack - machen wir mal ein schönes Layout". Das gab es damals ja
noch nicht - da wurde richtig geschnippelt und gebastelt und
dann wurde so ein Cover gemacht. Steht ja auch so in der
Extrabreit-Story auf unserer Seite, das sehe ich auch noch so
vor mir. Damals gab es dann auch im Kino diese amerikanischen
Filme...
Thorsten :
"Der weiße Hai", den gab es mal in 3D in der Zeit.
Rolf :
Ich weiß nicht mehr genau welcher Film. Auf jeden Fall gab es
dann auch immer so eine Brille im Kino und das war so dann das
ausschlaggebende. Jörg Hoppe hatte die Idee. Es gibt ja alles in
3D nur ein Plattencover noch nicht! Und dann haben wir um
tausend Umstände irgendso einen Professor in Berlin ausgemacht,
der besondere Kameras hatte, um das so in Szene zu setzen. Den
haben wir dann besucht und dann wurde so eine Fotosession
gemacht wo wir dann so recht und schlecht drauf stehen. So ist
das dann eigentlich entstanden. Einfach so aus einer Idee!
Irgendeiner hatte was wahrgenommen, was aufgenommen und da wurde
überlegt, wie man das umsetzen konnte. Das war natürlich dann
ein Gag. Ausgerechnet diese Brille, die der Professor hat
umsetzen lassen mit dem rot und grün. Dann das erst mal der
Plattenfirma verklickern! "Schwachsinn was sollen wir damit?
Welch ein Land - was für Männer?" Die hatte ja auch schon
Probleme vorher. Bevor man überhaupt erklärt, was dahinter
steckt. Irgendwie hatten wir die dann doch dazu gekriegt und die
fanden das dann faszinierend. Hinterher war das natürlich ein
Knaller. Das wurde sogar in allen möglichen Medien besprochen,
mit der Brille und so. Das war schon ein Hammer! Und es gab dann
zeitgleich, ohne daß wir das wußten, unheimlich viele Sendungen,
die mit dem Kontext 3D zu tun haben.
Thorsten :
Ich erinnere mich. Das waren so experimentelle Sendungen, wo man
vorher beim Optiker die 3D Brillen kaufen mußte, damit man das
auch sehen konnte.
Wie ist das mit den Einschußlöchern und den verschiedenen
Neonfarben entstanden? Ich habe ja sogar die Musikcassetten in
den verschiedenen Farben!
Rolf :
Wie sind die entstanden? Da muß ich richtig mal nachdenken! Ja,
die Musikcassetten, die gibt`s auch in allen Farben. Ja gut, das
mit den mehreren Farben war an sich nur ein Gag, weil wenn man
schon farblich eine Platte absetzt, warum dann nicht in
mehreren. Bei der Rückkehr der phantastischen fünf da hatten wir
ja auch so ein Logo mit den fünf Schäferhunden. Da habe ich
glaube ich noch ein T-Shirt von. (Anmerkung: auch das Motiv auf
den Eintrittskarten der 1983er Tour!) Dann ergab sich das eben.
Ich glaube Kleinkrieg hatte sowie so immer was mit
Einschußlöchern. Der hatte dann mal ein Plattencover genommen,
hatte wohl auch damals eine scharfe Waffe, hat dann
durchgeschossen und fand das ganz gaggig, wie das dann so
aussah. In Folge dessen hat es sich dann so ergeben. "Super,
fünf Einschußlöcher - wir sind fünf Leute - also machen wir das
mit den fünf Einschußlöchern." Einfach sehr spontan ist das
entstanden.
Thorsten :
Hier in Hagen bist Du ja jetzt so was wie "Mr. Extrabreit" mit
dem Flieger-Cafe, weil Du ja auch das Archiv hast. Du bist immer
wieder mit verschiedenen Aktionen in der Presse, gerade auch mit
so einem Poster gegen Mißbrauch von Kinder und so.
Rolf :
Ja, bei dieser Friedens-Demo habe ich jetzt auch gerade
mitgemacht. Das lag mir ja auch sehr am Herzen, weil so was
unterstütze ich halt. Das finde ich gut, weil ich denke das ist
positiv zu bewerten. Nicht, um mich da in Szene zu setzen, das
beeindruckt mich nicht. Das habe ich lange genug gehabt.
Thorsten :
Du wirst ja als prominter Mensch in Hagen ja auch immer wieder
gefragt!
Rolf :
Ja, das ergibt sich ja dann auch immer zwangsläufig aus meiner
Öftentlichkeitsarbeit, die ich ja nach wie vor als Veranstalter
noch habe. Man hat mit unheimlich vielen Menschen zu tun in
diesem Bereich, auch aus dem städtischen Bereich. Da gibt es ja
auch ein paar Freundschaften und die kommen dann an und fragen:
"Mensch, kannst Du das nicht unterstützen?". Da suche ich mir
die eben aus. Genau wie diese Nummer mit der Pelmke: das war von
uns allen ganz klar, daß wir das unterstützen, weil wir das als
ehemalige Wehringhauser sehen. Denen haben sie ihren Kultuetat
gestrichen, also machen wir das. Das Herz schlägt ja noch für
Wehringhausen. Da sind ja auch noch ein paar Altkämpen von
früher da noch versammelt. "Kulturzentrum" - dachte ich, "da wo
alles bekommen hat - müssen wir machen". Deshalb, um auf Deine
Frage zurück zu kommen, von wegen warum ich so was unterstütze.
Klar, so eine Sache wie gegen Krieg, muß eigentlich jeder normal
denkende Mensch zumindest Widerstand zeigen und demonstrieren um
zu zeigen, "finde ich nicht gut - ich will das nicht"! Kein
Mensch dieser Erde hat die Berechtigung jemanden anderen eine
Bombe auf den Kopf zu werfen. In der letztendlichen Konsequenz,
egal wie hochtechnisiert das ist, es werden Zivilisten
getroffen, Frauen und Kinder betroffen, alte Leute getötet. Es
gibt keinen moralischen Krieg! Es gibt auch keinen Krieg, den
man soeben mal führen kann.
Thorsten :
Hier im Flieger, im Eingangsbereich, hängen ja auch die ganzen
Poster, Schriftwechsel uns so um Zusammenhang mit der Knef. Es
gibt da ja unterschiedliche Versionen, wie das zustande gekommen
ist. Noch mal zur Klarstellung. Die Coverversion von Euch war
zuerst da und erst dann kam der Kontakt?
Rolf :
Ja!
Thorsten :
Wenn man so die damaligen CD-Besprechungen liest, dann meinen
die meisten wohl, daß es eine Neuaufnahme der Knef sei und nicht
ein Sample.
Rolf :
Nein, das konnte die nicht mehr. Zu dem damaligen Zeitpunkt war
die ja auch schon angeschlagen. War ja auch schon ein altes
Mädchen, die gute Frau Knef. Die war nicht mehr fähig... Unsere
Überlegung war ja, bevor es dazu gekommen ist, daß sie "ja"
gesagt hat war ja, daß es mal wieder Zeit wäre, wie damals
"Flieger", "Duo infernale" mit Marianne Rosenberg, Harald Juhnke
kam ja erst danach, es wäre doch mal wieder Zeit. Und wie es der
Zufall so will, irgendwie Plattenschrank durchwühlt von Papa,
Mama, Onkel, Tante und irgendjemand kam dann mit "Chansons
Hildegard Knef"! "Lebt die noch?" "Jau, die ist noch da - wär
doch mal was..." Und was sehr schwer war, dann haben wir den
Chanson umgearbeitet, weil im Original ist das ja ein ganz
langsames Dingen mit Streicher Arrangement. Dachte "au Backe -
wie kriegen wir das hin?" Extrabreit typisch - tanzbar, ein
bißchen rockig... Naja, dann fand sie das ja auch gut, unsere
Version, die wir ihr dann geschickt haben. Aber das hätte sehr
wahrscheinlich unendlich lange gedauert... Und die Technik war
ja damals so weit, so eine Stimme runter zu nehmen. Und wir
wollten so kopfmäßig auch die Originalversion, so das Original
von damals haben, das ist auch frischer. Wer weiß, wie lange es
gedauert hätte... Sie war davon auch nicht so angetan und so
konnte man es so einbauen. Sie war dann ja auch mehrfach
anwesend und hat das auch mit uns promotet. Das war ja auch eine
Riesennummer! Was damals genial war, war eigentlich der
Winkelzug von unserer Seite, weil wir auf einmal Medieninteresse
bekamen von ganz anderen, wo wir nie gelandet wären. Interviews
mit Echo der Welt, Frau im Spiegel, Bunte und all diese Medien,
die sonst gedacht hätten "Wer ist Extrabreit?"
Thorsten :
Da kann man ja dann auch irgendwie stolz sein. Ist ein anderes
Genre...
Rolf :
Ja klar! Fand ich spitze! Daß wir überhaupt diese Dame
kennenlernen zu dürfen und daß die dann mit uns zusammen
arbeitet! Mit einer Band wie Extrabreit! Das war eigentlich eine
Auszeichnung, wenn man bedenkt, was die für eine
Lebensgeschichte auch hinter sich gelassen hat: erfolgreiche
Schriftstellerin, Chansonette, Filmschauspielerin.. Die konnte
ja auch von Ihrem Leben, die konnte Sachen erzählen. Mensch,
wenn die von Marlene Dietrich oder dem Bundeskanzler Schmidt...
Die kannte die alle! Genscher, die konnte Geschichten erzählen.
In den 50er, 60er Jahre Broadway "Wow"! Da konntest Du ja
eigentlich einfach nur zuhören, wenn die da so erzählte. Nicht
nur das Geschäft, das sie gemacht hat, sondern auch das Leben,
das die da geführt hat, das war dann wieder noch eine andere
Liga. Das hatte einen noch anderen Exotenbonus als unser Rock`n
Roll Dasein! |