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Rolf Möller
Interview am 14.03.2003 im "Flieger"
Für diejenigen,
die nicht aus Hagen und Umgebung kommen, eine kleine
Vorbemerkung.
Rolf war von 1980
bis 1983, von 1990 bis 1993 und seit 2002 Mitglied bei
Extrabreit. Zwischendurch spielt er immer mit "Green", einer
OLDIE Band u.a. mit Grobschnitt-Mitglied Milla Kapolke und
Mit-Breiter Bubi Hönig. Die Band gibt es auch schon unregelmäßig
seit den 70ern. Von 1986 bis 1989 war er Mitglied bei
Grobschnitt bis zu ihrem Abschiedkonzert in Hagen. Danach hat er
sich um eine eigene Konzertagentur gekümmert und bis heute ist
er im Bereich Marketing mit einer eigenen Agentur tätig. In
dieser Eigenschaft hat er u.a. die 1990er Extrabreit Tour und
das 1998er Abschiedskonzert organisiert. Heute ist er auch
Betreiber des Musikcafes "Flieger" unmittelbar am Markt in
Hagen, in dem Musikmemorabilia von Hagener Bands ausgestellt
sind.
Thorsten :
Warum gerade Schlagzeug?
Rolf :
Warum Schlagzeug? Ja, das ist eine gute Frage! Warum nicht
Querflöte - warum nicht Triangel? Schlagzeug war für mich
eigentlich ja immer so diese Mischung aus Mensch und Maschine,
Körper und Technik. Ich war immer so fasziniert. In den 70ern,
als ich so die ersten Konzerte besucht habe, als junger Mensch,
Bands wie Grobschnitt, die für Hagener Verhältnisse ja sehr
angesagt waren. Die haben schon 1970 ihre erste Platte dem OB
überreicht. Die haben ja damals immer mit zwei Schlagzeugern
gespielt - EROC und so. Es war eigentlich so: wir waren es leid
immer mit dem Tennisschläger vor dem Spiegel zu stehen. Das war
eigentlich die Geschichte. Stefan und ich haben ja schon eine
sehr lange schlagende Verbindung: Kindergarten, Schule usw.
Jahre später sind wir wieder aufeinander getroffen und haben uns
die ganzen Rockplatten angehört - Led Zeppelin, Rolling Stones,
Beatles usw.. Immer waren wir es leid mit dem Tennisschläger
haareschüttelnder Weise vorm Spiegel zu stehen. Da haben wir
gesagt: "Mensch laß uns doch mal `ne Band machen". Laß uns doch
mal irgendwie versuchen, daß wir das musikalisch mal umsetzen
können. Gesagt getan und da hat unser Kunst und Werken-Lehrer
Herr Bräutigam, der hatte einen Uropa im Hagener Stadtorchester.
Der hat mir dann irgendwann mal offeriert, ich sollte doch mal
bei ihm vorbeikommen und er hatte tatsächlich eine Pauke, ne
Snare - eher so`ne Marschtrommel. Das war`s dann. Das war der
ausschlaggebende Punkt. Hätte er eine Gitarre gehabt , wäre ich
vielleicht Gitarrist geworden. Wir waren ja völlig unbefleckt.
Stefan, ich und die anderen Jungs mit denen wir zusammen waren,
wir konnten nichts. Wir haben bei null angefangen. Und dann
wurde einfach gesagt "Och ja: spiel Du doch Gitarre - joh ich
spiel Gitarre. Du spielst Baß - ja ich spiele Bass." Ohne
überhaupt zu wissen, was da eines Tages daraus werden könnte.
"Du spieltst Schlagzeug - jau ich spiele Schlagzeug."
Thorsten :
Beim Schlagzeug ist es ja meistens so, daß man die größte Chance
hat eine Band zu finden. Da gibt es am wenigsten von. Für das
Instrument braucht man den meisten Platz usw.
Rolf :
Es kommt natürlich auch auf die Qualität an.
Thorsten :
Man sagt ja auch, die Schlagzeuger sind so die Pardiesvögel.
Wenn man sich so umschaut: Keith Moon, Ringo Starr. Der Torhüter
hat einen an der Klatsche -genauso wie der Drummer. Du warst ja
bei Extrabreit auch immer derjenige mit den Leopardenhosen und
bunten Kutten. Deine Frisur hast Du ja auch immer am häufigsten
gewechselt - bis heute. Alle paar Wochen, paar Monate Haare
kurz, Haare lang - blond - schwarz...
Rolf :
Ja, sicherlich liegt das in der Natur der Sache. Ich weiß auch
nicht woran es liegt. Sehr wahrscheinlich will man sich so als
Musiker sowieso darstellen. Jeder auf seine Art und Weise. Jeder
auch draußen ist ja so auf einer Bühne und will sich abheben.
Ich bin natürlich auch ein Schlagwerker geworden, der sehr mit
Kraft arbeitet, sehr körperlich. Es gibt ja auch welche so
filigrane - die verstecken sich hinter ihrem Schlagzeug, hinter
den ganzen Trommeln und Becken und rühren sich dann einen. Das
war bei Extrabreit natürlich anders. Das war gar nicht möglich.
Da muß man sich ja auch die Vorgeschichte anschauen. Wir haben
immer so den Hang zur Punkmusik und Rockmusik, auch vor
Extrabreit gehabt. Als Stefan und ich zusammen angefangen haben
Musik zu machen, da war das immer schon gleich "heftig"! Wenn
sich andere so am Blues orientiert haben, oder Jazz oder 70er,
da waren wir gleich bei "das muß richtig losgehen. Das muß laut
sein - das muß krachen." Unsere erste Band war ja auch die erste
Punkband in der Gegend, fast Deutschlands. Die erste Band von
uns hieß "General Seitlitz". Da gibt es sogar noch Plattencover,
die hat Stefan mal gemalt.
Thorsten :
Das heißt, Ihr wart beide in einer Band bevor es Extrabreit gab?
Rolf :
Ja logisch. Wir haben ja zusammen angefangen. Wir haben als
Schülerband angefangen überhaupt zu musizieren. Stefan und ich
sind zeitgleich angefangen mit den Instrumenten. Wir haben
wirklich zusammengesessen mit einem etwas älteren, der konnte
auf der akustischen Gitarre "House of the rising sun" spielen.
Da dachten wir, "Man der kann ja schon richtig spielen." Dann
ergab es sich, daß so eine Band gegründet wurde. Nicht
Extrabreit - halt diese Band. "General Seitlitz" - das ging
richtig gut ab. Ich muß das Cover mal suchen. Das könnte ich
eigentlich auch mal im Internet veröffentlichen. Ne, stimmt
nicht von "Staub". Meine erste Basedrum, die hier auch im
"Flieger" über der Tür hängt "Staub"... "General Seitlitz" der
Name paßte uns dann nicht mehr und wir haben daraus "Staub"
gemacht. Da gibt es tatsächlich sogar noch eine Liveaufnahme aus
einer CVJM Barracke oben in Emst. Da konnte keiner von uns
singen. Da gibt es auch noch eine Programmliste, die müßte auch
noch in meinem Keller sein. Irgendwie ergab es sich dann eben
immer heftig zu spielen und hinterher haben wir das dann richtig
modifiziert bei Extrabreit. Und deshalb auch Schlagzeug. Ich
habe mich immer sauwohl gefühlt hinter den vielen Trommeln. Mir
reichte das nie aus so nur mit Gitarre um den Hals. Ich fand das
immer super: das ganze Blech, die Trommeln und das man mich so
gut sehen konnte. Es gibt ja Schlagzeuger, die verstecken sich
immer. Das war aber nicht mein Dingen.
Thorsten :
Vorbilder?
Rolf :
Eigentlich nicht wirklich... (denkt lange nach) Doch, eigentlich
doch. Es gab einen, nach dem ich ihn live gehen hatte, das war
Keith Moon von The Who. Der hatte auch 1000 Trommeln. Der
spielte gar keine Hi-Hatt, der hatte meistens nur so offene
Becken. Ich dachte nur "Boah"!
Thorsten :
Der hatte ja so einen "Fliegenden Armschwung"...
Rolf :
Ja, der war am Rühren und am Rühren und das paßte alles
zueinander und da habe ich gesagt: "das isses"! Das muß es sein.
So ein Tier hinter dem Schlagzeug.
Thorsten :
Spielst Du eine bestimmte Marke?
Rolf :
Ich spiel seit 1980, nachdem ich Tama mal ausprobiert habe,
Ludwig mal gespielt habe, "Sonor". Die Firma hat mich damals
dann auch gewerblich unterstützt aber das Material, das Sonor
herstellt, ist ein hervorragendes Livematerial und die haben
wunderbar verarbeitetes Material. Vom Holz zu den Kesseln - das
habe ich immer schätzen und lieben gelernt vor allem auch in der
Studioarbeit. Unterschiedlich Klangcharakteristeken durch
unterschiedliche Marken. In der Zeit bei Grobschnitt war ja noch
viel mehr filigrane Trommelarbeit angesagt und da konnten die
mich immer gut unterstützen.
Thorsten :
Deine erste Platte - also jetzt nicht Märchen...
Rolf :
Jetzt muß ich überlegen. Ich muß dazu sagen, ich bin ein bißchen
vorbelastet. Ich habe eine sieben Jahre ältere Schwester. Die
hat angefangen mit Elvis und Beatles zu sammeln. Deshalb bin ich
schon in jungen Jahren konfrontiert worden mit dieser Musik. Ich
habe noch, da bin ich sehr stolz drauf, eine komplette Beatles
Singlessammlung im original. Mit Originalcover von der
allerersten bis zu letzten.
Thorsten :
Die habe ich auch, das sind über 40 Stück.
Rolf :
Genau, komplett. Die wollte mir schon mal jemand abkaufen. Das
werde ich nicht machen - Sammlerwert. Mein Einstieg war also
dann quasi "Love me do" von den Beatles, deren erste Single. Und
dann habe ich natürlich hinterher selber gesammelt. Es gab ja
gar nicht so viele Musikgeschäfte in Hagen. "Radio Junius" -
damals gab es ja noch so einen richtigen Singlemarkt. LPs wurden
eigentlich weniger gekauft. Es wurden viel mehr Singles
veröffentlicht.
Thorsten :
Ich weiß, daß die LPs in den 60ern fast 20 Mark gekostet haben.
Meine Extrabreit Platten haben 1982 14 Mark oder so gekostet und
das mit 20 Jahren Abstand.
Rolf :
Da war ja an CDs noch gar nicht dran zu denken. Der Plattenmarkt
war hauptsächlich Singles. Mit LPs wurden auch weniger Umsätze
gemacht.
Thorsten :
Lieblingsband und Lieblingslied?
Rolf :
Das muß ich jetzt natürlich eingrenzen. In welchem Zeitraum?
Thorsten :
Ich habe es nicht mehr gefunden, aber ich meine mich zu
erinnern, daß Du mal in der Hochzeit von Extrabreit in der Bravo
was von Edith Piaf und Miles Davis erzählt hast.
Rolf :
Ne, das kann nicht sein. Wir hatten mal einen Vorspann von Edith
Piaf bei so einer Tour. So`n Einspieler. Das kam aber mehr durch
Stefan und seine Frau. Miles Davis? In den 70ern habe ich `n
bißchen Jazz gehört, da war ich aber mehr ein Frank Zappa Fan.
So Lieblingsband - schwer. Also was mich richtig schwer
beeindruckt hat war eine Band namens "Nektar", die zum ersten
Mal diese Rockshow-Elemente mit Licht und so verwandt haben. Die
hatten auch immer so Konzeptalben...
Thorsten :
So wie "Journey" und "Yes"...
Rolf :
Genau, so ein bißchen wie "Yes" aber das knallte mehr ab. Die
habe ich auch, glaube ich, so 10 Mal live gesehen. Die haben in
Hagen auch immer gespielt. Das hat mich sehr beeindruckt. Da kam
auch zum ersten Mal so richtig Qualm auf - konstruierte richtig
gute Songs. Heute würde man sagen "typische 70er Jahre Mucke".
Früher wurden ja auch mehr so Konzeptalben gemacht. Da ging es
nicht um Singles. Da war es auch völlig angesagt, lange Nummern
zu machen. Da wurden 7, 8 Minuten Stücke gespielt. Von
ausländischen Bands war ich schwer beeindruckt von Led Zeppelin,
Black Sabbath - alle, die so etwas aus der schrägeren Ecke
kamen.
Thorsten :
Und heute?
Rolf :
Heute? "Red Hot Chilly Pepper"! Das kann ich ganz klar sagen, da
bin ich absoluter Fan von. Natürlich noch viele andere, aber
diese Band weil diese drei Musiker und der Sänger, vergleichbar
wie damals Led Zeppelin, machen sehr hochkomplizierte Musik,
sind aber unheimlich gute Multiinstrumentalisten und hebeln so
dieses normale Rock und Pop Song "Getüttel" so total aus den
Schuhen. Super live Performance...
Thorsten :
Die waren ja auch gerade in Dortmund.
Rolf :
Ich wollte auch hin, habe aber keine Karte mehr gekriegt.
Thorsten :
Hast Du Deine ganzen Lieblingsmusiker auch alle mal live
gesehen?
Rolf :
Led Zeppelin, die habe ich nie live gesehen. Who, Nektar -
Chilly Peppers habe ich ganz in den Anfängen gesehen. In den
80ern, da waren die auf einem Festival an der Loreley. Da war
ich mit Bekannten, weil wir mit Grobschnitt auf einem
Motorradfestival da mal gespielt haben. Spektakulär.
Thorsten :
Derzeit sind ja die Eintrittspreise so hoch. Stones 100 EUR,
McCartney 100 EUR, sogar die Chillys so um die 60, 70 EUR.
Extrabreit kostet nur 14 bis 20 EUR. Was würdest Du denn für ein
Ticket ausgeben? Wo ist die Schmerzgrenze?
Rolf :
Schwer zu sagen. Das ist so ausgeufert diese Eintrittspreise.
Wir nehmen so 15 EUR, da sind wir ja in dem Konzertsegment ganz
unterstes Niveau. Klar, mit welcher Berechtigung nehmen die
Stones als Multimillionäre noch so viel Geld. Gut - so eine
Produktion kostet natürlich gigantisches Geld. Die ganze
Industrie lebt natürlich auch davon, von dem ganzen Aufwand der
da getrieben wird. Ich würde es aber nicht ausgeben wollen. In
den seltensten Fällen gehst Du allein zu solch einem Konzert. Da
geht man mit Frau, Freundin hin und dann sind das 500 Mark ohne
Anfahrt, ohne Würstchen, ohne Pils, ohne T-Shirt, da will ich
gar nicht dran denken. Das ist schon für manche Familien ein
halber Urlaub oder eine Woche Unterhaltung. Das ist schon
gigantisch und da finde ich manches sehr übertrieben und ich
weigere mich auch ab einer gewissen Kategorie solche Preise
zahlen zu wollen. Der Irrsinn war doch damals mit Madonna, die
wollte doch 250 Mark für so eine Karte haben und Wochen später
konnte man sich das dann im Fernsehen anschauen. Das habe ich
selber gesehen - Premiere oder so. Besser kannst Du Dir ja dann
so einen Akt gar nicht angucken. Sitzt da zu Hause mit der
Knabberschüssel... Ok, gibt Dir nicht das Live-Feeling.
Irgendwann bricht dann mal die ganze Branche ein, weil ja die
Kaufkraft nicht mehr da ist. Die Leute, die richtig Geld
verdienen, die können sich das locker erlauben, aber das breite
Heer von tausenden, die eigentlich so ein Stadion füllen, werden
wahrscheinlich nicht alle Millionäre sein. |