Extrabreit - Kurier

Nachdem Thorsten nun mit allen aktuellen Bandmitgliedern ein Interview führte, sollte am 29.10.2005 ein Weiteres folgen, womit wohl kaum jemand gerechnet hat. Er nahm Kontakt mit Peter Wortmann auf, einem Ex- Breiten, der zwischen 1979 und 1980 die E-Gitarre spielte. Dieser stellte sich dann freundlicherweise auch zu einem Interview zur Verfügung. Dafür vielen Dank an beide Beteiligten !

 

*** Interview mit Peter Wortmann ***

Interview mit Peter Wortmann vom 29.10.2005:

Am 29.10.2005 hatte ich die Möglichkeit Peter Wortmann zu interviewen. Peter Wortmann, geboren am 02.07.1953 in Schalksmühle, war von Anfang 1979 bis Herbst 1980 Gitarrist bei Extrabreit und u.a. an den Sessions für die „Hart wie Marmelade“/“1,36“ Single beteiligt. Er ist außerdem Mitautor von „Es tickt“ und „Sturzflug“.


Peter Wortmann

Thorsten: Wie sind Sie zu Extrabreit gekommen?

Peter Wortmann: Ja, da muss ich vorne anfangen. Meine ersten musikalischen Erfahrungen habe ich bei „Pegasus“ gesammelt. Das war eine Band aus Schalksmühle. Ich bin gebürtiger Schalksmühler. Wir waren da so was wie die Lokalmatadore, weil wir damals so mit die erste Band waren, die sich formiert hatte. Wir haben oft dort gespielt und hatten auch viele Fans. Das habe ich kürzlich erfahren von Leuten, die heute noch Fans sind. Ganz witzig.

Thorsten: Gibt es davon Plattenaufnahmen?

Peter Wortmann: Ich habe vor kurzem gerade so ein Tape gemastert. Das ist ziemlich gut geworden – interessant…Die Aufnahme ist von 1972 und wir haben so 1968/69 angefangen. Erstaunlich, was man damals schon für Musik gemacht hat. Ich war sehr erstaunt, muss ich sagen. So 1972/3 hat sich das dann zerschlagen. Wir waren alle so 18 oder 19 und dann kam für manche Bundeswehr und ich habe Zivildienst gemacht. Ich bin dann nach Recklinghausen und habe dort natürlich auch wieder Musik gemacht, die dann so lokale Erfolge hatte. Damals gab es Vestrock, so was Ähnliches wie Bandwatch, also so ein Wettbewerb. Nach dem Zivildienst bin ich nach Hagen zurückgekommen habe hier an der FH für Sozialwesen studiert, wo ich dann auch Jörg Hoppe kennen gelernt habe. Ich habe in der Zeit so sporadisch musikalische Sachen gemacht. In Recklinghausen konnte ich dann natürlich nicht mehr spielen, weil die Entfernung einfach zu weit war. Ich habe dann auch bei „Mandrake“ gespielt. Das war die Band von dem Sänger von „Pegasus“. Daher kannten wir uns. Frankie Becking hatte dort vorher gespielt und ist dann Hals über Kopf zu den „Ramblers“ gegangen auf Einladung von Hartwig Masuch. Denen fehlte dann ein Gitarrist und mussten ein paar Gigs spielen und dann habe ich da einige Sachen gespielt allerdings nicht bei Aufnahmen. Irgendwann bin ich dann nach Wehringhausen gezogen in diese Wohngemeinschaften, die ja auch für Extrabreit wichtig waren. Ja und irgendwann hat mich Jörg Hoppe dann gefragt, ob ich nicht mal Bock hätte, da mitzumachen. Das habe ich dann auch gemacht. Wir sind dann mal in den Proberaum gefahren…

Thorsten: Nach Lüdenscheid.

Peter Wortmann: Nein, das war später. Nach Hohenlimburg in die Färberstraße, da wo heute dieses Fitnessstudio ist. Das war damals eben die Ursprungsband, aber Ralf Denz war damals schon nicht mehr dabei. Ich weiß auch nicht, ob, als ich das erste Mal im Proberaum war, der Ralf Teuwen schon dabei war. Schwups war ich dabei. Ich fand das auch eine sehr interessante Musik muss ich sagen. Ich hatte so was bis dato noch nicht gehört. „Mandrake“ war eher so Progrock und da war Extrabreit natürlich was anderes, schnelleres. Auch die Texte waren schon will mal sagen „ziemlich neu“. Das konnte man merken, diese Art von Musik… Das Tempo kannte ich sowieso nicht. Das gab es halt vorher nicht.

Thorsten: Was für ein Repertoire gab es in der Zeit schon?

Peter Wortmann: Es gab „Extrabreit“, klar, „1,36“… Da war Kai Havaii ja noch nicht dabei und Horst-Werner Wiegand der Texter und Sänger. „Alptraumstadt“, „Deine Wohnung“… Im Großen und Ganzen das Material, was auf der ersten LP dann drauf war.

Thorsten: „Hurra hurra“ kam dann später?

Peter Wortmann: Ja, auch „Sturzflug“ oder „Es tickt“. Das kam dann in einer Zeit, da war Ralf Teuwen schon dabei. Und natürlich Kai war bei „Sturzflug“ und „Es tickt“ schon dabei. Wir reden jetzt über einen Zeitraum von rund 1,5 Jahren. Anfang Mai 1979 bis September 1980. Mit einer Unterbrechung von 3 Monaten, in denen es mir nicht so gut ging und ich aussteigen musste.

Thorsten: Ich habe hier mal das Demotape vom Oktober 1979 mitgebracht.

Peter Wortmann: Ja, genau das. Da sind die Nummern ja drauf – „Hit um 7“… Das Band hat Robert Schwarz aufgenommen, auch ein ziemlich bekannter Mischer hier aus Hagen.

Thorsten: Von einem anderen Demotape gibt es auch noch „Rainer“. Was haben Sie denn bei „1,36“ gespielt, diese Gitarrenmelodie?

Peter Wortmann: Nein, die hat immer Stefan gespielt. Stefan hat ein tolles Gespür für simple einfache Melodien, das muss man sagen. Ich habe dann immer diese rhythmischen Sachen gemacht, manchmal auch ein bisschen Reggae dazwischen.

Thorsten: Waren Sie Lead- oder Rhythmusgitarrist oder wurde das nicht unterschieden?

Peter Wortmann: Mmh, Rhythmusgitarrist war natürlich Stefan, sage ich mal. Aber es war ja im Grunde so, dass das die Leadgitarre war. Es geht jetzt hier um die Klärung von Begrifflichkeiten. Natürlich habe ich auch irgendwie diese Leadgitarre gespielt, weil ich ja das, was er gespielt hat, kommentiert habe mit meinen Möglichkeiten und Riffs, die ich da eingebracht habe. Leadgitarre ist für mich eigentlich die Führungsgitarre. Dadurch, dass der Groove von ihm kam, war das seine Musik und so interpretiere ich dann auch Leadgitarre. Er hat Rhythmusgitarre gespielt und halt diese wichtigen kleinen Melodiechen reingebracht, die immer sehr packend waren. Ich habe dann z.B. wie bei „Junge“ diese freien Sachen gespielt oder bei „Extrabreit“ dieses Intro.

Thorsten: In der Anfangszeit gab es ja jetzt auch nicht so was wie Soli.

Peter Wortmann: Wir haben uns das geteilt. Das was nötig war, haben wir eben gespielt. Wobei er eben meistens diesen Rhythmuspart hatte. „Hart wie Marmelade“ ist ein gutes Beispiel. Er hat den Grundrhythmus gespielt und ich etwas gefüllt und Licks reingebracht und zum Schluss diese Reggae-Gitarre und so was.

Thorsten: Coverversionen wurden damals nicht gespielt.

Peter Wortmann: Nun ja, „Junge“ war ja eine Anlehnung… Aber doch, es wurde von Udo Lindenberg…

Thorsten: „Honky tonky show“…

Peter Wortmann:.. gespielt. Mit einem etwas mehr auf Wehringhausen bezogenen Text.

Thorsten: Für „Sturzflug“ und „Es tickt“ sind Sie ja als Komponist geführt.

Peter Wortmann: Bei „Es tickt“ hatte ich so ein Thema, was Kai dann vertextet hat. „Sturzflug“ ist im Proberaum weiterentwickelt worden, auch dieses Grundthema.

Thorsten: Das wird ja heute immer noch gespielt. „Es tickt“ so seit 1990 leider nicht mehr. „Sturzflug“ wird nur von mal zu mal schneller…

Peter Wortmann: (lacht) Ja, das stimmt, das war damals schon so, das wurde immer schneller. Nicht nur im Lied sondern bei jedem Auftritt wurde das schneller…

Thorsten: Im Frühjahr haben Sie dann bei der „Single“-Session mitgespielt. (Es hat sich bei der Recherche herausgestellt, dass das am 17.01.1980 gewesen ist!!)

Peter Wortmann: Ja, wir sind nach Hiltpoltstein gefahren. Hartwig Masuch hatte das produziert und wir haben dann in der Originalbesetzung aus der Zeit dann gespielt. Das war halt Hörnchen am Schlagzeug, Ralf Teuwen, Kai, Stefan und ich.

Thorsten: Da gibt es unterschiedliche Aussagen, wann die „Marmeladen“-Versionen eingespielt wurden. An einem Tag oder an mehreren… Wie viele Sessions gab es damals für die Single? Die Album und Singlefassungen unterscheiden sich ja musikalisch als auch textlich.

Peter Wortmann: Ich bin mir nicht mehr ganz so sicher. Eigentlich stand damals schon im Raum, dass das eine Single werden sollte bei der ersten Aufnahme. Mmh, auf der LP könnte das mit Rüdiger Braune eingespielt worden sein. Aber das ist eine ganz komplizierte Angelegenheit …

Thorsten: Ja, dann gab es ja noch Carlo Carges und Frank Becking, das ist ja alles kompliziert.

Peter Wortmann: Die LP ist im Sommer produziert worden, als ich ausgestiegen bin. Dann hat Frankie Becking meine Sachen gedoubelt. Die Grundaufnahmen sind in der Zeit gemacht worden. Anschließend hat mich Stefan gefragt, ob ich noch eine kleine Tour mitmachen würde, es standen ja noch Termine an. Carlo Carges ist ja zwischendurch eingestiegen war dann wieder raus. Er hat sich wohl die Parts mit Frankie geteilt bei der Plattenaufnahme. Ich bin dann später noch mal mit Stefan nach Hiltpoltstein gefahren und habe noch einige Sachen aufgenommen, z.B. „Bus Baby“, diese Rhythmusgitarre oder das Overdub bei „Hart wie Marmelade“. Ich glaube so bei 3 oder 4 Liedern habe ich nur einen Overdub gemacht.

Thorsten: Das war mir neu, klasse.

Peter Wortmann: Ja, das war aber im Vergleich, geringfügig. Ich war eine Zeit lang im Krankenhaus, weil es mir wirklich dreckig ging, und bin dann wieder zurückgekommen. Dann stand diese Tour an und in diesem Zusammenhang habe ich dann auch gesagt, dass ich die Tour noch mit mache, weil Carlo Carges schon mit Nena weg war…

Thorsten: Ulla Meinecke…

Peter Wortmann: Ja, irgendwas in Hamburg oder so. Wir hatten dann einige Termine im Süddeutschen. Darmstadt, Mannheim… Ein paar Gigs, die habe ich dann mitgespielt und habe Stefan aber vorher gesagt, dass ich danach definitiv aussteige.

Thorsten: Wann war das genau?

Peter Wortmann: Das war dann im September, Oktober 1980.

Thorsten: Die LP müsste dann so ungefähr im Oktober veröffentlicht worden sein, weil es in der November-Ausgabe vom „Sounds“ schon eine schlechte Plattenkritik gegeben hat. Ein genaues VÖ-Datum ist leider nicht zu recherchieren.

Peter Wortmann: Ja, die LP muss in dem Dreh erschienen sein, meine Overdubs waren die letzten Sachen, alles andere war ja komplett fertig.

Thorsten: Zwischendurch war ja dann auch Kai mal raus und Norbert Thiel ist als Sänger eingestiegen. Es heißt immer, dass so in der Erscheinungsphase Kai nicht mehr dabei war.

Peter Wortmann: Ja, das war ja dann auch der Grund, dass dieses Foto genommen wurde. Das war ja eine ganz merkwürdige Zusammenstellung, die es so noch gar nicht gegeben hat. Das war ein Verlegenheitsfoto. Man hat das ja auch ausgeschnitten, das Foto war ja mal viel größer und wurde auch ganz klein abgedruckt (Bei dieser Gelegenheit wird Peter Wortmann die „Lookalike“ Session  bei den „Relikten“von der Seite vom Ex-Hometowner gezeigt, die er sich mit großer Belustigung anschaut - http://www.fuchs-soest.de/breitlinge/Keiner%20weiss%20mehr%20weiter2.php).

Thorsten: Die Bilder wurden ja alle in der Wehringhauser Unterführung gemacht und ich habe mich immer gefragt, warum man an diesem komischen Tunnel die ganzen Pressefotos macht…

Peter Wortmann: Einen konkreten Grund weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass diese Fotos jemand aus der Wohngemeinschaft von Kai gemacht hat. Es gab aber auch viele Fotos, die hat Wolfgang Luthe gemacht.

Thorsten: Ich habe hier noch eine Metronome-Werbung von der „Marmelade“-Single aber auch Berichte vom Frühjahr 1981 aus der Pop Rocky, die alle Fotos in der komischen Besetzung zeigen, die es ja gar nicht mehr gegeben hat und das auch nur ganz kurz.

Peter Wortmann: Ja, Metronome war das erste Label, was diese neue Welle begriffen hat.

Thorsten: Aus der Anfangsphase gibt es ja nicht so viele Fotos, das sind ja meistens nur so Bushaltestellen oder so. Eins war ja mal Titel im Musikertreff.

Peter Wortmann: Ja, das wurde von Wolfgang Luthe am Wehringhauser Bahnhof gemacht. Die Session hat noch die besten Aufnahmen gebracht.

Thorsten: Ich bin schon häufig an dem Wehringhauser Tunnel vorbeigekommen und dann viel mir erst auf, dass das ja das Covermotiv ist.

Peter Wortmann: Ich glaube, das war eher zufällig, weil das gerade in der Nähe lag. Es ging aber immer so um Straßenschluchten.

Thorsten: Es gibt ja noch ein anderes, älteres Foto, was aus Richtung Innenstadt auf das Wehringhauser Stadtteilschild über dem Tunnel aufgenommen wurde. Das war mal im Zusammenhang mit einem „Umsonst und draußen“-Artikel über Porta Westfalica im Musikertreff drin. Da sind Sie aber nicht zu sehen.

Peter Wortmann: Doch, da war ich auch dabei! Da habe ich so einen Sturzhelm auf! Mit so` ner Latzhose und wohl auch mit Gummistiefeln. (lacht)

Thorsten: Ach, das sind Sie? Da ist auch ganz links Gabi Lappen drauf.

Peter Wortmann: Ja, auch Horst-Werner Wiegand mit so einem drüber gezogenen Slip….

Thorsten: Wann ist denn der Extrabreit-Kopf, dieses Logo aufgekommen?

Peter Wortmann: Ich kann mich an den Auftritt in der „Kronenburg“ erinnern. Das war für Hagen der Durchbruch. (Die „Kronenburg“ war eine Kneipe gegenüber vom Bahnhof – heute ist dort passender Weise eine Apotheke drin.) Ein super Veranstaltungsort, eine Riesenkneipe war das mit einer kleinen Bühne drin und da haben wir gespielt. Kai hatte damals ja schon die Optik mitgemacht, Plakate gemalt für das Wehringhauser Stadtfest und so und ich glaube kurz nach diesem Stadtteilfest haben wir dort gespielt. Da gab es dann zum ersten Mal das Logo mit dem Typen mit so einer Sprechblase dran „Wann hört dieser Wahnsinn endlich auf?“ und jedes Plakat hat eine andere Sprechblase und die Dinger wurden wirklich überall verklebt. Ganz Hagen war damit zuplakatiert… Von daher war das schon aus dem Grund sensationell. In Wehringhausen waren wir schon relativ bekannt und die ganzen Leute aus Wehringhausen hatten praktisch schon die Kronenburg gefüllt. Aber durch die Plakate ist dann irgendwas passiert in der Stadt: „Irgendwie gibt es da eine neue Band.“ Man konnte merken, dass da ein größeres Feld berührt wurde. Für Hagen war das, denke ich, schon der Durchbruch. Das hing eben auch mit den Plakaten zusammen. Das war damals schon sensationell.

Thorsten: Wir haben auch erst kürzlich herausgefunden, an welchem Tag nun das Stadtteilfest genau war. Auf Fotos von Thomas Brune kann man die Poster sehen, auf denen das Datum 29.09.1979 steht. (Die Fotos werden jetzt Herrn Wortmann geschenkt.)

Peter Wortmann: (lacht) Ist der Hammer… Das war Kais erster Auftritt. Super Fotos von der Atmosphäre. Puh… In Farbe… Der junge Kai… Da hat er noch so Trommeln stehen gehabt. Das ist übrigens Horst-Werner Wiegand mit dem Hut. Super. Ja, das Poster hat Kai gemacht. Klasse, vielen Dank. Super Fotos, auch so atmosphärisch – das war wirklich so.

Thorsten: Für mich ist „Die Größten Erfolge“ die beste deutschsprachige Platte aller Zeiten, deshalb finde ich es so traurig, dass man z.B. von Ralf Teuwen überhaupt nichts mehr weiß.

Peter Wortmann: Ich habe die Platte jetzt im Zusammenhang mit unserem Interview noch mal gehört. Ich muss also sagen, dass diese Mischung aus den Texten und der Musik immer noch sensationell gut ist.

Thorsten: Dass man von den ganzen Leuten gar nichts mehr weiß muss auch daran liegen, dass auf dem Cover so viele Namen stehen, die da alle mitgewirkt haben. Wer ist denn auf diese ganzen Künstlernamen gekommen – Piet Pietsen, Corleone usw. Ich habe mal nach Ihrem Namen gesurft und da taucht wegen der ganzen Verwirrung auf der Musikertreff-Seite Ihr Name in Verbindung mit „Ampel“ Wortmann auf, was ja Blödsinn ist.

Peter Wortmann: Witzig.

Thorsten: Dann gibt es ja auch immer Verwirrung Ralf Denz, Ralf Teuwen…Sie stehen auf dem Cover als „Worthmann“ drauf usw.

Peter Wortmann: „Piet Pietsen“ war eigentlich eine Erfindung von Kai. „Kai Havaii“, „Piet Pietsen“, „Stefan Kleinkrieg“ – das war eine Erfindung von Kai. „Piet Pietsen aus Pinneberg“ so hat er mich immer angekündigt. (lacht) Worthmann mit „th“ das ist wohl bei der Anmeldung zur GEMA passiert. Kann sein, dass das über Hartwig Masuch gelaufen ist und er gedacht hat, ich werde mit „th“ geschrieben. Das war nicht beabsichtigt.

Thorsten: Nachdem Sie bei Extrabreit raus waren, wie ging es dann bei Ihnen weiter?

Peter Wortmann: Ich habe nach der Zeit gejobbt und dann im Jugendzentrum in Gevelsberg gearbeitet. Ich bin ja ausgebildeter Sozialpädagoge. Ich habe da ziemliches Glück gehabt. Die haben dort ein Tonstudio und das betreue ich. Ich bin da viel mit Jugendlichen zusammen und mache mit denen dort auch Musik im Rahmen meiner Sozialarbeit. Ich mache also das nicht ausschließlich dort aber überwiegend. Ich mache Schulkurse oder gehe mit Jugendlichen ins Tonstudio, wenn die was aufnehmen wollen. So Rapgeschichten oder so. Ich habe zum Glück einen Chef, der darauf auch Wert legt. Ich finde mit Jugendlichen Musik zu machen ist absolut erforderlich, weil die teilweise so neben der Spur sind, das tut denen gut. Ich hoffe auch für die Zukunft, dass das auch so geschätzt wird. Sonst würde ich in diesem Bereich dort nicht arbeiten, das ist schon klasse.

Thorsten: Haben Sie jetzt auch noch eine eigene Band in der Sie mitspielen?

Peter Wortmann: Ich sag mal meine ernsthafte Musik mache ich mit meinem Kollegen
Harry„Angel“ Richter aus Recklinghausen. Den habe ich damals dort kennen gelernt und wir haben über die Jahre immer weiter gearbeitet. Er schreibt Lieder, die wir zusammen produzieren.

Thorsten: Werden die auch irgendwo aufgeführt?

Peter Wortmann: Ja, wir haben, als Extrabreit ihren 1000. Auftritt hatte, in Schalksmühle gespielt. Das fand ich so witzig, weil wir unseren ersten Auftritt hatten. Der ist super gelaufen!

Thorsten: Als Duo?

Peter Wortmann: Ja, wir haben ein Playback-Band und spielen live dazu.

Thorsten: Das finde ich toll, dass Sie seit 1980 weiterhin in der Musik geblieben sind.

Peter Wortmann: Auf jeden Fall. Das mit der Musik in der Sozialarbeit hat sich so entwickelt. Ich habe das da hin geschoben. Es hat angefangen, dass ich eine Band mit den jugendlichen Besuchern gemacht und auch eine Single produziert habe. Ich habe mich in diesen Bereich immer so reingeschaufelt. Das was ich privat musikalisch weitergemacht habe, war davon getrennt. Ich habe bei den „Ravens“ in Hagen gespielt. Auch wieder mit dem Sänger von „Pegasus“. Wir haben Rhythm`n Blues gemacht. Ich habe aber auch immer mit dem Kollegen aus Recklinghausen weiter produziert und Ideen verarbeitet. Dann habe ich auch eine Zeit lang mit Wolfgang Luthe und seiner Künstlergruppe „Klack Klack“ was gemacht und da ist auch eine Platte entstanden. Auch bei seiner Operette habe ich mitgewirkt, aber so mehr am Mischpult. Das ist dann alles in den Bereich gekommen, dass ich mit den Jugendlichen Musik mache und mit meinem Kollegen CDs produziere.

Thorsten: Die Extrabreit-Musik haben Sie dann noch verfolgt?

Peter Wortmann: Ja, so am Rande. Was man so in der Zeitung gelesen hat oder im Radio gehört hat. Bis zum „Submarine“-Album auch intensiver. “Welch ein Land“, „Europa“.  Die „Submarine“ fand ich wirklich gut, die hatte nur keinen Erfolg war das Problem.

Thorsten: Eine tolle Pop-Platte, hat aber mit der eigentlichen Extrabreit-Musik nichts zu tun.

Peter Wortmann: Ja, das ist eben der Zwiespalt zwischen Fans und der Entwicklung der Band. Englische Texte mit Popmusik, die fand ich wirklich gut.

Thorsten: Die LP Besprechungen von „Europa“ und „Sex“. Waren durchweg sehr gut.

Peter Wortmann: Ja, ich habe das immer so gesehen, dass sich die Band entwickelt hat. Bis dahin hat sie sich wirklich entwickelt.

Thorsten: Das neue Album finde ich z.B. auch spitzenmäßig aber ohne große Werbung verkauft man eben heutzutage nicht gut. Das 1000. Konzert war spitzenmäßig von den Besucherzahlen, obwohl das nicht so überregional beworben wurde. Im „Colibri“ ist das gar nicht erwähnt worden.

Peter Wortmann: Ja, der „Colibri“ nimmt Hagen überhaupt nicht wahr. Ich glaube es ist auch heute sehr schwierig überhaupt eine erfolgreiche CD zu machen. Erfolgreich gemessen zum Beispiel an den „Größten Erfolgen“. Das war damals einfacher. Das ist jetzt 25 Jahre her und das die jetzt Platin hat, ist irgendwie verständlich. Da war mehr Kern drin. Heute ist das durch den ganzen Kommerz so verschwommen. Ich denke, dass da auch die Plattenfirmen sehr hohe Ansprüche an die Band stellen, was sie kommerziell abliefern.

Thorsten: Haben Sie heute noch Kontakt mit alten oder aktuellen Bandmitgliedern von Extrabreit?

Peter Wortmann: Nein. Stefan habe ich mal live gesehen, mit seinem Soloprojekt. Irgendwann hat er mal im „Alibi“ (Disco in Hagen) gespielt. Das ist aber mindestens 20 Jahre her (Kleinkrieg Tour 1984). Ich glaube aber auch, dass die so hier am Haus auch mal Fotos gemacht haben. Da war Hunter noch dabei. (1990?)

Thorsten: Was macht Ralf Teuwen heute?

Peter Wortmann: Das letzte was ich gehört habe ist, dass er in Frankfurt arbeitet. Der macht irgendwas mit Licht, Messelicht oder so.

Thorsten: Und Hörnchen?

Peter Wortmann: Der ist wohl in Köln. Das letzte war in Zeitung, als diese „Hurra hurra“ Coverversion auf Englisch erschienen ist.

Thorsten: Den Bericht hat doch „Schimpi“ geschrieben.

Peter Wortmann: Der hat übrigens eine Gitarre von mir. Eine „Les Paul Studio“, die ich mit Stefan in Hamburg gekauft habe. Davor hatte ich eine dunkelblaue Gibson SG.

Thorsten: Das ist die, die auf den Fotos vom Wehringhauser Stadtfest drauf ist.

Peter Wortmann: Ja, die war am Hals etwas angebrochen und nicht ganz stimmstabil, deshalb brauchte ich eine neue.

Thorsten: Welche Gitarre haben Sie denn während der Plattenaufnahmen gespielt?

Peter Wortmann: Das war schon die Les Paul Studio.

Thorsten: Vielen Dank für das nette Gespräch!

Ende