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Thorsten:
Ich versuche so etwas natürlich
auch immer zu kriegen, aber das
ist im Nachhinein ja fast
unmöglich. Bei mir hängt z.B.
das Konzertposter der 1983er
Tour, weil ich das damals immer
habe hängen sehen, obwohl ich
die Konzerte nicht sehen konnte
mit knapp 14.
Lars:
Ich bedanke mich übrigens noch
für die Unterstützung im Forum,
meine Person betreffend.
Natürlich kann ich Hunter nicht
ersetzen, das ist ein Urgestein.
Ich kann nur meinen Teil dazu
beitragen.
Thorsten:
Die derzeitige Besetzung ist
sehr gut. Was soll es dann, wenn
"nur" drei von den
Phantastischen 5 dabei sind,
wenn es trotzdem paßt. Ich mag
diese Oldiebands nicht, wo nur
noch der Schlagzeuger original
ist. Solange noch mindestens
Stefan und Kai in der Band sind,
kann man von Extrabreit
sprechen. Jetzt ist Rolf noch
dabei und mit Bubi auch jemand,
der schon einige Jahre in der
Band war. Du bist der einzige
"Neuzugang". Wichtig ist doch,
was musikalisch rauskommt. Ich
war in der Pelmke und das war
wirklich sehr gut. Das war von
der Stimmung her gut, das war
von der Band her gut. Hamburg
war bestimmt noch einen Tick
besser, wegen der DVD-Aufnahme.
Lars:
Pelmke hat uns auch sehr gut
gefallen.
Thorsten:
Es wäre mal interessant, ob
Extrabreit derzeit neues
Publikum dazu gewinnen kann.
Lars:
Ja, das wäre sehr interessant.
Thorsten:
Viele der Namen aus dem Forum
kenne ich schon seit einige
Jahren. Das sind alles "ältere"
Fans.
Lars:
Da gab es doch einen Fan im
Forum, der sein allererstes
Konzert überhaupt gesehen hat
und das war Extrabreit. Also
einen neuen Fan haben wir
mindestens dazu gewonnen!! Ab
und zu kommen auch immer
irgendwelche Einträge von
irgendwoher "Hey Extrabreit gibt
es wieder. Ich bin beim surfen
auf die Seite gestoßen" usw. Das
muß sich jetzt erst mal wieder
publik machen. Deshalb versuchen
wir ja auch, überall zu spielen.
Auf vielen Locations in der
ganzen Republik quasi, um wieder
bekannt zu werden um zu zeigen,
die Band gibt es wieder.
Thorsten:
Man muß schauen, was jetzt auch
die Werbung bringt. Man darf die
Band nicht nur mit was altem in
Verbindung setzen.
Lars:
Die Werbung muß gut sein.
Thorsten:
Gibt es denn schon was genaues,
wann "Er macht ihn rein"
erscheinen soll und ob das was
offizielles daraus werden soll?
Lars:
Keine Ahnung. Er soll aber ein
offizieller DFL Song sein.
Thorsten.
Ich glaube, einer der ersten
Einträge im Forum war ein
Vorschlag in diese Richtung, als
das wohl auch mal bei Premiere
lief.
Lars:
Also das wäre der Oberhammer,
wenn sich daraus ein
Fußballtitel entwickelt, der
überall gespielt wird. Die WM
2006 ist ja leider noch etwas
hin. Der, der das finanziert
hat, auch das mit der DVD, der
ist wegen dem kurzen Clip bei
Premiere darauf gekommen, weil
das seine Tochter dort gehört
hat: "Da singt doch Kai". Von
daher haben wir das auch wieder
neu aufgenommen. Ich habe gerade
von Stefan gehört, daß es der
offizielle Song sein soll. Da
gibt es auch eine 40 Jahre
Bundesliga Fernsehgala, wo wir
auch spielen sollen. Was sich
daraus entwickelt, werden wir
sehen, es soll aber der
offizielle Song werden.
Thorsten:
Wenn man selber Fußball Fan ist,
ist das ja auch was besonderes.
Lars:
Wenn das überall gespielt wird -
unser Lied, das ist schon echt
der Hammer.
Thorsten:
Deshalb ist es auch wichtig, das
Ding neu aufzunehmen und nicht
einen alten Track rauszutun. Ich
habe es noch nicht hören können,
aber es soll wohl der Chorus
etwas lauter sein?
Lars:
Den Song haben wir auch gut
aufgepumpt. Nicht nur der Chorus
ist anders, sondern wir haben
auch einen anderen Beat
vorlaufen lassen. Da ist ein
Sample vorneweg, andere
Strukturen, anderer Baß, andere
Gitarren. Die Harmonien sind
gleich geblieben aber es ist
schon neu aufgenommen. Neu
produziert und auch viel
zeitgemäßer. Die
Ursprungsfassung war von, das
weißt Du bestimmt besser....
Thorsten:
Das war auf der "Jeden Tag" von
1996.
Lars:
Das ist ja dann auch schon
sieben Jahre her. Der ist jetzt
schon zeitgemäßer. Der Sample
vorneweg klingt grandios. Macht
Spaß das zu spielen.
Thorsten:
Ich muß zugeben, daß ich mich
bei den LPs auch nicht so
auskenne, weil ich die auch
immer durcheinander schmeiße.
Ich war zu lange auf die ersten
3 Platten fixiert. Ich war zum
Beispiel total überrascht, daß
Ihr jetzt wieder "Endlose See"
spielt. Den Titel habe ich immer
gehaßt.
Lars:
Wirklich? Wir spielen ihn ja
nicht mehr so häufig. Uns macht
der so Spaß zu spielen. Wir
fanden auch immer, daß der gut
kommt.
Thorsten:
Jeder hat ja so seinen
Geschmack. Man muß ja nur mal an
die Abstimmung im Forum denken,
was da für Titel ausgegraben
wurden.
Lars:
Ganz normal. Genau, ganz
unterschiedlich. Aber es hat
sich ja was herauskristallisiert
und die Stücke haben wir ja auch
gespielt.
Thorsten:
Mein Lieblingstitel, weil ich
den auch erst vor zwei Jahren
überhaupt bekommen habe - vorher
wußte ich gar nichts von dessen
Existenz, das ist "1,36". Wie
ich immer so schön sage: "Die
Ode an Peter Maffay."
Lars:
Es ist eben immer schwer, eine
Auswahl zu treffen. Wir können
ja auf ein Riesenepertoire
zurückgreifen, das sind ja
bestimmt 120 Stücke.
Thorsten:
Irgendeiner hatte die mal im
Forum gezählt. Keine Ahnung,
wieviel das genau ist.
Lars:
Man denkt das gar nicht. Bei den
Proben muß man sich teilweise
auch für eine bestimmte Version
entscheiden. Die Klassiker sind
auch mehrfach produziert worden,
so daß man auch manchmal wieder
reinhören muß.
Thorsten:
Mir ist auch aufgefallen, daß
Bubi z.B. bei "Junge" vor dem
schnellen Part diese Licks auch
nie gleich spielt.
Lars:
Genau, das ist ja auch der
Improvisationsteil. Dann wäre
die Musik vielleicht zu
statisch, zu steril. Die
Extrabreit-Musik basiert ja auch
auf dem dynamischen. Gerade Bubi
ist ein super Sologitarrist. Der
kann machen was er will, das ist
immer gut!
Thorsten:
Obwohl er eigentlich manchmal
fast schon ins Heavy-Fach geht.
So beim Solo von "Sturzflug".
Lars:
Ok, das ist ja auch getappt. Ok.
Ich finde, das paßt ganz gut.
Thorsten:
Hast Du eigentlich schon mal
überlegt, was Du für ein
Repertoire drauf hast?
Lars:
An Stücken? Das Sixpac-Programm
sind ca. 80 Stücke, dazu
Extrabreit ca. 30 Titel. Also
ohne die Jazz-Band sind das
bestimmt 120 Stücke. Ganz
präsent werde ich bestimmt nur
so 80 haben. Bei Sixpac spiele
ich ja auch schon 13 Jahre. Das
sind viele Stücke rausgefallen
und viele neu dazugekommen.
Thorsten:
Wie lange spielt Ihr mit Sixpac?
Lars:
Sechs Stunden!
Thorsten:
Ach Du Scheiße!
Lars:
Wir spielen 4 Sets à eine bis
eineinhalb Stunden!
Thorsten:
Und Du hast noch keinen
Bandscheibenschaden?
Lars:
Ne, ne. Noch nicht. Ich habe
einen breiten Gurt, der federt
das Gewicht ganz gut. Vielleicht
macht sich ja das mal später
bemerkbar. Mir geht es aber sehr
gut bei der Musik!
Thorsten:
Du bist kein Fan von einer
bestimmten Band, wo Du speziell
sammelst oder die Du besonders
gerne live siehst?
Lars:
Nein. Es gibt eine Band, die
habe ich vor einigen Jahren mal
live gesehen und die haben mir
sehr imponiert: das sind die
Donuts aus Ibbenbühren. Die
machen so Fun-Punk, Skaterpunk
und das hat mir sehr gut
gefallen. Das kam auch live sehr
gut rüber, sympathisch rüber.
Das ist eine Band, die ich mir
auch gerne live ansehen möchte.
In Amerika spielen die jetzt
auch und vor zwei Jahren war es
noch eine Newcomerband. Da
sammel ich aber nichts von und
habe mir nur die Platten
gekauft.
Thorsten:
Was machst Du, wenn Du Deine
Doktorabeit abgeschlossen hast?
Lars:
Ich habe da mehrere
Möglichkeiten. Einmal kann ich
mein Lehramtsstudium mit dem
Referendariat zu Ende bringen.
Ich habe auf Lehramt studiert
aber mein Referendariat nicht
angefangen sondern erst die
Promotion. Das soll dann Anfang
nächsten Jahres fertig werden.
Bin dann promoviert und müßte
ins Referendariat gehen.
Thorsten:
Das sind zwei Jahre?
Lars:
Genau. Zwei Jahre. Ich könnte
dann in den Lehramtsberuf gehen
für Religion und Musik. Ich
könnte aber auch an der Uni
weiterbleiben und mich dort
habilitieren und Vorlesungen und
Seminare halten. Außerdem könnte
ich, was eher meiner Intention
entspricht, bei der Musik
bleiben und versuchen, mich dort
zu etablieren.
Thorsten:
Als Berufsmusiker oder
Studiomusiker?
Lars:
Mal sehen, ich bin ja jetzt bei
Extrabreit und mal sehen, wie
das so weitergeht oder ob ich
dann irgendwann mal was eigenes
mache. Auf jeden Fall will ich
mich mehr auf die Musik
konzentrieren.
Thorsten:
Ist nicht die Schullaufbahn im
Eimer, wenn Du zu lange nach dem
Studium mit dem Referendariat
wartest?
Lars:
Nein, eigentlich nicht. Das kann
man immer wieder nachmachen, man
wird nur nicht mehr verbeamtet.
Mein Examen habe ich ja 2000
gemacht und ich könnte jederzeit
ins Referendariat gehen.
Thorsten:
Wie sehen die
Einstellungschancen aus? Ich
weiß, daß z.B. Musiklehrer ja
immer gesucht werden. Deutsch
und Geschichte haben irgendwie
alle.
Lars:
Ja, die Chancen liegen in meinem
Bereich gut. Die Kombination ist
einfach Gold wert. Das ist mein
Glücksgriff. Diese
künstlerischen oder
theologischen Fächer hat nicht
jeder, weil das natürlich auch
eine Einstellungssache ist. Ich
denke, ich werde immer Glück
haben, eine Anstellung zu
kriegen. Deshalb halte ich mich
erst mal an der Musik fest und
versuche, mich da zu etablieren.
Wenn das nicht klappt, kann ich
mich immer noch anders
entscheiden.
Thorsten:
Momentan kannst Du Dein Studium
durch die Musik ja locker
finanzieren.
Lars:
Ja, die Musik hat mich komplett
durch mein Studium begleitet.
Ich habe immer davon gelebt und
lebe immer noch davon. Ich
bekomme zwar noch ein Stipendium
von der Uni, aber das ist nur
nebenbei. Von der Musik kann ich
mich schon sehr gut finanzieren.
Thorsten:
Ja, wenn ich sehe, wieviel Gigs
Du spielst, egal jetzt mit
welcher Band, kann man sich das
gut vorstellen.
Lars:
Das ist ja dann auch immer auch
eine gute Motivation
weiterzumachen. Bei mir klappt
es derzeit super gut. Ich habe
auch die Zeit. Tagsüber schreibe
ich in der Uni-Biblothek an
meiner Arbeit, abends habe ich
Zeit für das Private und die
Proben und am Wochenende geht es
auf Tour. Das ist für mich mein
glücklicher Punkt, daß ich so
leben kann. Es läuft einfach
gut. Das ist das, was ich mir
gewünscht habe und wenn das noch
ein paar Jahre so weitergeht,
dann geht es mir wirklich gut.
Vielleicht momentan etwas naiv
gedacht aber ich arbeite eben
auf ein Ziel hinaus. Das kann in
mehrfacher Hinsicht eben die
Lehrer-, die Uni- oder die
Musikerlaufbahn sein. Ich habe
da überall ein Standbein.
Thorsten:
Wenn man auch als Musiker einer
bekannten Band aktiv ist, hat
man ja auch leichter irgendwo
einen Fuß in der Tür.
Lars:
Ja, natürlich. Du bekommst einen
anderen Namen, eine andere
Reputation. Extrabreit, der Name
ist bekannt, und das ist auch
schön, für das Selbstwertgefühl.
Thorsten:
Mit Sixpac, würde Dich
vielleicht keiner nach einem
Interview fragen.
Lars:
Ja sicher, ich freue mich ja
auch darüber.
Thorsten:
Das ist aber natürlich auch eine
Gefahr, wenn man von Null auf
Hundert kommt. Trotzdem bin ich
sehr verwundert, daß man ja auch
mit so einer Hobbyband, was
Sixpac ja ist, so einen Fankult
haben kann.
Lars:
Ja, das will man nicht
wahrhaben, aber es ist da.
Teilweise sogar noch extremer,
weil Du da Leute hast, die sind
bei jedem Konzert da und die
können Dich da ja immer
erreichen. Wenn Du nicht mehr
reden willst, hast Du da keine
andere Wahl. Ich habe letzte
Woche noch so einen Brief
gekriegt. Das ist zwar sehr
nett, aber es wird dann wirklich
teilweise zu privat. Das ist
dann sehr schwierig. Die
erhoffen sich dann was. Den
Personenkult habe ich auch bei
Sixpac. Das ist ja auch das, was
ich nicht gedacht habe, aber der
Fan an sich ist immer gleich,
diese Extreme, die man ja so
kennt.
Thorsten:
Du hast ja gesagt, daß Du die ja
auch direkt von der Bühne auch
anschaust. Und dann meinen
bestimmt manche, daß das gleich
eine eindeutige Einladung ist...
Lars:
Thorsten, Du triffst Da genau
den Nagel auf den Kopf. Das ist
genau das negative, wenn man das
so macht wie ich. Man läßt die
Leute dann so privat an einen
ran, weil man sie anschaut, weil
man sie anlächelt und dann
fassen das viele einfach zu eng
und falsch auf und denken "der
will was von mir, der kennt
mich, der lächelt mich an".
Moment! Das ist nur die
Bühnenseite, das ist mein
anderes Ego! Ich bin auf der
Bühne ein anderer Mensch als
privat. Das sagen mir auch alle
meine Freunde: "Mensch Lars,
wenn ich das da sehe, das bist
nicht Du!" Ich bin da komplett
anders, sagen mir viele. Du
verkörperst auf der Bühne eine
andere Person in diesem Moment.
Das fassen dann auch Leute
falsch auf "Hey, der will was
von mir." Da habe ich Chancen
vorwiegend bei den Frauen, auch
aber bei Männern und dann kommt
man aus den Gesprächen nicht
mehr raus.
Thorsten:
Das stelle ich mir schwierig
vor, weil man den Menschen ja
auch nicht weh tun will.
Lars:
Ja klar, ich kriege Anrufe. Das
sind z.T. auflegende Anrufe,
quasi so ein leichter
Telefonterror, auch per Email
bekomme ich immer wieder
Nachrichten, hauptsächlich von
Frauen, die dann immer gerne was
möchten und auch anzüglich
werden. Das kommt vor und die
verstehen das manchmal falsch.
Das ist aber immer die andere
Seite der Medaille. Man hat
Erfolg, man lernt neue Leute
kennen, man lernt viele Leute
kennen durch die Musik und das
finde ich super!
Thorsten:
Ok Lars, das war jetzt auch ein
langes Interview! Vielen Dank
für die Zeit, die ehrlichen
Antworten und alles Gute für
Deinen weiteren Weg mit oder
ohne Extrabreit.
Lars:
Vielen Dank! Es hat mir großen
Spaß gemacht und ich habe mich
sehr wohl gefühlt. Das war ja
quasi mein erstes Interview. |