Extrabreit - Kurier

Auch mit Lars führte Thorsten ein exklusives Interview für diese Homepage. Es fand statt im Rahmen des Stadtfestes am 5.7.03 in Hagen Hohenlimburg. Vielen Dank an Thorsten und Lars für diese Einblicke in das Leben eines Extrabreit-Bassisten.

 

*** Interview mit Lars - Teil 5 ***

Thorsten:
Ich versuche so etwas natürlich auch immer zu kriegen, aber das ist im Nachhinein ja fast unmöglich. Bei mir hängt z.B. das Konzertposter der 1983er Tour, weil ich das damals immer habe hängen sehen, obwohl ich die Konzerte nicht sehen konnte mit knapp 14. 

Lars:
Ich bedanke mich übrigens noch für die Unterstützung im Forum, meine Person betreffend. Natürlich kann ich Hunter nicht ersetzen, das ist ein Urgestein. Ich kann nur meinen Teil dazu beitragen.

Thorsten:
Die derzeitige Besetzung ist sehr gut. Was soll es dann, wenn "nur" drei von den Phantastischen 5 dabei sind, wenn es trotzdem paßt. Ich mag diese Oldiebands nicht, wo nur noch der Schlagzeuger original ist. Solange noch mindestens Stefan und Kai in der Band sind, kann man von Extrabreit sprechen. Jetzt ist Rolf noch dabei und mit Bubi auch jemand, der schon einige Jahre in der Band war. Du bist der einzige "Neuzugang". Wichtig ist doch, was musikalisch rauskommt. Ich war in der Pelmke und das war wirklich sehr gut. Das war von der Stimmung her gut, das war von der Band her gut. Hamburg war bestimmt noch einen Tick besser, wegen der DVD-Aufnahme.

Lars:
Pelmke hat uns auch sehr gut gefallen.

Thorsten:
Es wäre mal interessant, ob Extrabreit derzeit neues Publikum dazu gewinnen kann.

Lars:
Ja, das wäre sehr interessant.

Thorsten:
Viele der Namen aus dem Forum kenne ich schon seit einige Jahren. Das sind alles "ältere" Fans.

Lars:
Da gab es doch einen Fan im Forum, der sein allererstes Konzert überhaupt gesehen hat und das war Extrabreit. Also einen neuen Fan haben wir mindestens dazu gewonnen!! Ab und zu kommen auch immer irgendwelche Einträge von irgendwoher "Hey Extrabreit gibt es wieder. Ich bin beim surfen auf die Seite gestoßen" usw. Das muß sich jetzt erst mal wieder publik machen. Deshalb versuchen wir ja auch, überall zu spielen. Auf vielen Locations in der ganzen Republik quasi, um wieder bekannt zu werden um zu zeigen, die Band gibt es wieder.

Thorsten:
Man muß schauen, was jetzt auch die Werbung bringt. Man darf die Band nicht nur mit was altem in Verbindung setzen.

Lars:
Die Werbung muß gut sein.

Thorsten:
Gibt es denn schon was genaues, wann "Er macht ihn rein" erscheinen soll und ob das was offizielles daraus werden soll?

Lars:
Keine Ahnung. Er soll aber ein offizieller DFL Song sein.

Thorsten.
Ich glaube, einer der ersten Einträge im Forum war ein Vorschlag in diese Richtung, als das wohl auch mal bei Premiere lief.

Lars:
Also das wäre der Oberhammer, wenn sich daraus ein Fußballtitel entwickelt, der überall gespielt wird. Die WM 2006 ist ja leider noch etwas hin. Der, der das finanziert hat, auch das mit der DVD, der ist wegen dem kurzen Clip bei Premiere darauf gekommen, weil das seine Tochter dort gehört hat: "Da singt doch Kai". Von daher haben wir das auch wieder neu aufgenommen. Ich habe gerade von Stefan gehört, daß es der offizielle Song sein soll. Da gibt es auch eine 40 Jahre Bundesliga Fernsehgala, wo wir auch spielen sollen. Was sich daraus entwickelt, werden wir sehen, es soll aber der offizielle Song werden.

Thorsten:
Wenn man selber Fußball Fan ist, ist das ja auch was besonderes.

Lars:
Wenn das überall gespielt wird - unser Lied, das ist schon echt der Hammer.

Thorsten:
Deshalb ist es auch wichtig, das Ding neu aufzunehmen und nicht einen alten Track rauszutun. Ich habe es noch nicht hören können, aber es soll wohl der Chorus etwas lauter sein?

Lars:
Den Song haben wir auch gut aufgepumpt. Nicht nur der Chorus ist anders, sondern wir haben auch einen anderen Beat vorlaufen lassen. Da ist ein Sample vorneweg, andere Strukturen, anderer Baß, andere Gitarren. Die Harmonien sind gleich geblieben aber es ist schon neu aufgenommen. Neu produziert und auch viel zeitgemäßer. Die Ursprungsfassung war von, das weißt Du bestimmt besser....

Thorsten:
Das war auf der "Jeden Tag" von 1996.

Lars:
Das ist ja dann auch schon sieben Jahre her. Der ist jetzt schon zeitgemäßer. Der Sample vorneweg klingt grandios. Macht Spaß das zu spielen.

Thorsten:
Ich muß zugeben, daß ich mich bei den LPs auch nicht so auskenne, weil ich die auch immer durcheinander schmeiße. Ich war zu lange auf die ersten 3 Platten fixiert. Ich war zum Beispiel total überrascht, daß Ihr jetzt wieder "Endlose See" spielt. Den Titel habe ich immer gehaßt.

Lars:
Wirklich? Wir spielen ihn ja nicht mehr so häufig. Uns macht der so Spaß zu spielen. Wir fanden auch immer, daß der gut kommt.

Thorsten:
Jeder hat ja so seinen Geschmack. Man muß ja nur mal an die Abstimmung im Forum denken, was da für Titel ausgegraben wurden.

Lars:
Ganz normal. Genau, ganz unterschiedlich. Aber es hat sich ja was herauskristallisiert und die Stücke haben wir ja auch gespielt.

Thorsten:
Mein Lieblingstitel, weil ich den auch erst vor zwei Jahren überhaupt bekommen habe - vorher wußte ich gar nichts von dessen Existenz, das ist "1,36". Wie ich immer so schön sage: "Die Ode an Peter Maffay."

Lars:
Es ist eben immer schwer, eine Auswahl zu treffen. Wir können ja auf ein Riesenepertoire zurückgreifen, das sind ja bestimmt 120 Stücke.

Thorsten:
Irgendeiner hatte die mal im Forum gezählt. Keine Ahnung, wieviel das genau ist.

Lars:
Man denkt das gar nicht. Bei den Proben muß man sich teilweise auch für eine bestimmte Version entscheiden. Die Klassiker sind auch mehrfach produziert worden, so daß man auch manchmal wieder reinhören muß.

Thorsten:
Mir ist auch aufgefallen, daß Bubi z.B. bei "Junge" vor dem schnellen Part diese Licks auch nie gleich spielt.

Lars:
Genau, das ist ja auch der Improvisationsteil. Dann wäre die Musik vielleicht zu statisch, zu steril. Die Extrabreit-Musik basiert ja auch auf dem dynamischen. Gerade Bubi ist ein super Sologitarrist. Der kann machen was er will, das ist immer gut!

Thorsten:
Obwohl er eigentlich manchmal fast schon ins Heavy-Fach geht. So beim Solo von "Sturzflug".

Lars:
Ok, das ist ja auch getappt. Ok. Ich finde, das paßt ganz gut.

Thorsten:
Hast Du eigentlich schon mal überlegt, was Du für ein Repertoire drauf hast?

Lars:
An Stücken? Das Sixpac-Programm sind ca. 80 Stücke, dazu Extrabreit ca. 30 Titel. Also ohne die Jazz-Band sind das bestimmt 120 Stücke. Ganz präsent werde ich bestimmt nur so 80 haben. Bei Sixpac spiele ich ja auch schon 13 Jahre. Das sind viele Stücke rausgefallen und viele neu dazugekommen.

Thorsten:
Wie lange spielt Ihr mit Sixpac?

Lars:
Sechs Stunden!

Thorsten:
Ach Du Scheiße!

Lars:
Wir spielen 4 Sets à eine bis eineinhalb Stunden!

Thorsten:
Und Du hast noch keinen Bandscheibenschaden?

Lars:
Ne, ne. Noch nicht. Ich habe einen breiten Gurt, der federt das Gewicht ganz gut. Vielleicht macht sich ja das mal später bemerkbar. Mir geht es aber sehr gut bei der Musik!

Thorsten:
Du bist kein Fan von einer bestimmten Band, wo Du speziell sammelst oder die Du besonders gerne live siehst?

Lars:
Nein. Es gibt eine Band, die habe ich vor einigen Jahren mal live gesehen und die haben mir sehr imponiert: das sind die Donuts aus Ibbenbühren. Die machen so Fun-Punk, Skaterpunk und das hat mir sehr gut gefallen. Das kam auch live sehr gut rüber, sympathisch rüber. Das ist eine Band, die ich mir auch gerne live ansehen möchte. In Amerika spielen die jetzt auch und vor zwei Jahren war es noch eine Newcomerband. Da sammel ich aber nichts von und habe mir nur die Platten gekauft.

Thorsten:
Was machst Du, wenn Du Deine Doktorabeit abgeschlossen hast?

Lars:
Ich habe da mehrere Möglichkeiten. Einmal kann ich mein Lehramtsstudium mit dem Referendariat zu Ende bringen. Ich habe auf Lehramt studiert aber mein Referendariat nicht angefangen sondern erst die Promotion. Das soll dann Anfang nächsten Jahres fertig werden. Bin dann promoviert und müßte ins Referendariat gehen.

Thorsten:
Das sind zwei Jahre?

Lars:
Genau. Zwei Jahre. Ich könnte dann in den Lehramtsberuf gehen für Religion und Musik. Ich könnte aber auch an der Uni weiterbleiben und mich dort habilitieren und Vorlesungen und Seminare halten. Außerdem könnte ich, was eher meiner Intention entspricht, bei der Musik bleiben und versuchen, mich dort zu etablieren.

Thorsten:
Als Berufsmusiker oder Studiomusiker?

Lars:
Mal sehen, ich bin ja jetzt bei Extrabreit und mal sehen, wie das so weitergeht oder ob ich dann irgendwann mal was eigenes mache. Auf jeden Fall will ich mich mehr auf die Musik konzentrieren.

Thorsten:
Ist nicht die Schullaufbahn im Eimer, wenn Du zu lange nach dem Studium mit dem Referendariat wartest?

Lars:
Nein, eigentlich nicht. Das kann man immer wieder nachmachen, man wird nur nicht mehr verbeamtet. Mein Examen habe ich ja 2000 gemacht und ich könnte jederzeit ins Referendariat gehen.

Thorsten:
Wie sehen die Einstellungschancen aus? Ich weiß, daß z.B. Musiklehrer ja immer gesucht werden. Deutsch und Geschichte haben irgendwie alle.

Lars:
Ja, die Chancen liegen in meinem Bereich gut. Die Kombination ist einfach Gold wert. Das ist mein Glücksgriff. Diese künstlerischen oder theologischen Fächer hat nicht jeder, weil das natürlich auch eine Einstellungssache ist. Ich denke, ich werde immer Glück haben, eine Anstellung zu kriegen. Deshalb halte ich mich erst mal an der Musik fest und versuche, mich da zu etablieren. Wenn das nicht klappt, kann ich mich immer noch anders entscheiden.

Thorsten:
Momentan kannst Du Dein Studium durch die Musik ja locker finanzieren.

Lars:
Ja, die Musik hat mich komplett durch mein Studium begleitet. Ich habe immer davon gelebt und lebe immer noch davon. Ich bekomme zwar noch ein Stipendium von der Uni, aber das ist nur nebenbei. Von der Musik kann ich mich schon sehr gut finanzieren.

Thorsten:
Ja, wenn ich sehe, wieviel Gigs Du spielst, egal jetzt mit welcher Band, kann man sich das gut vorstellen.

Lars:
Das ist ja dann auch immer auch eine gute Motivation weiterzumachen. Bei mir klappt es derzeit super gut. Ich habe auch die Zeit. Tagsüber schreibe ich in der Uni-Biblothek an meiner Arbeit, abends habe ich Zeit für das Private und die Proben und am Wochenende geht es auf Tour. Das ist für mich mein glücklicher Punkt, daß ich so leben kann. Es läuft einfach gut. Das ist das, was ich mir gewünscht habe und wenn das noch ein paar Jahre so weitergeht, dann geht es mir wirklich gut. Vielleicht momentan etwas naiv gedacht aber ich arbeite eben auf ein Ziel hinaus. Das kann in mehrfacher Hinsicht eben die Lehrer-, die Uni- oder die Musikerlaufbahn sein. Ich habe da überall ein Standbein.

Thorsten:
Wenn man auch als Musiker einer bekannten Band aktiv ist, hat man ja auch leichter irgendwo einen Fuß in der Tür.

Lars:
Ja, natürlich. Du bekommst einen anderen Namen, eine andere Reputation. Extrabreit, der Name ist bekannt, und das ist auch schön, für das Selbstwertgefühl.

Thorsten:
Mit Sixpac, würde Dich vielleicht keiner nach einem Interview fragen.

Lars:
Ja sicher, ich freue mich ja auch darüber.

Thorsten:
Das ist aber natürlich auch eine Gefahr, wenn man von Null auf Hundert kommt. Trotzdem bin ich sehr verwundert, daß man ja auch mit so einer Hobbyband, was Sixpac ja ist, so einen Fankult haben kann.

Lars:
Ja, das will man nicht wahrhaben, aber es ist da. Teilweise sogar noch extremer, weil Du da Leute hast, die sind bei jedem Konzert da und die können Dich da ja immer erreichen. Wenn Du nicht mehr reden willst, hast Du da keine andere Wahl. Ich habe letzte Woche noch so einen Brief gekriegt. Das ist zwar sehr nett, aber es wird dann wirklich teilweise zu privat. Das ist dann sehr schwierig. Die erhoffen sich dann was. Den Personenkult habe ich auch bei Sixpac. Das ist ja auch das, was ich nicht gedacht habe, aber der Fan an sich ist immer gleich, diese Extreme, die man ja so kennt.

Thorsten:
Du hast ja gesagt, daß Du die ja auch direkt von der Bühne auch anschaust. Und dann meinen bestimmt manche, daß das gleich eine eindeutige Einladung ist...

Lars:
Thorsten, Du triffst Da genau den Nagel auf den Kopf. Das ist genau das negative, wenn man das so macht wie ich. Man läßt die Leute dann so privat an einen ran, weil man sie anschaut, weil man sie anlächelt und dann fassen das viele einfach zu eng und falsch auf und denken "der will was von mir, der kennt mich, der lächelt mich an". Moment! Das ist nur die Bühnenseite, das ist mein anderes Ego! Ich bin auf der Bühne ein anderer Mensch als privat. Das sagen mir auch alle meine Freunde: "Mensch Lars, wenn ich das da sehe, das bist nicht Du!" Ich bin da komplett anders, sagen mir viele. Du verkörperst auf der Bühne eine andere Person in diesem Moment. Das fassen dann auch Leute falsch auf "Hey, der will was von mir." Da habe ich Chancen vorwiegend bei den Frauen, auch aber bei Männern und dann kommt man aus den Gesprächen nicht mehr raus.

Thorsten:
Das stelle ich mir schwierig vor, weil man den Menschen ja auch nicht weh tun will.

Lars:
Ja klar, ich kriege Anrufe. Das sind z.T. auflegende Anrufe, quasi so ein leichter Telefonterror, auch per Email bekomme ich immer wieder Nachrichten, hauptsächlich von Frauen, die dann immer gerne was möchten und auch anzüglich werden. Das kommt vor und die verstehen das manchmal falsch. Das ist aber immer die andere Seite der Medaille. Man hat Erfolg, man lernt neue Leute kennen, man lernt viele Leute kennen durch die Musik und das finde ich super!

Thorsten:
Ok Lars, das war jetzt auch ein langes Interview! Vielen Dank für die Zeit, die ehrlichen Antworten und alles Gute für Deinen weiteren Weg mit oder ohne Extrabreit.

Lars:
Vielen Dank! Es hat mir großen Spaß gemacht und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Das war ja quasi mein erstes Interview.

 

 

Ende
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