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Thorsten:
Mit Sixpac spielst Du ja auch ein
Riesenrepertoire!
Lars:
Ja, derzeit spiele ich gerne mit Sixpac auch ein
bißchen die Punkschiene. Wir spielen auch
Extrabreit-Stücke. Dann spielen wir auch Nena,
die "99 Luftballons"-Version von Goldfinger. Die
kam vor 2, 3 Jahren raus.
Thorsten:
Das war doch so eine schnelle englische Version?
Lars:
Ja, die finde ich super genial. Das ist derzeit
die Musik, auch mit Extrabreit, die mir Spaß
macht zu spielen.
Thorsten:
Das muß doch auch konditionell total anstrengend
sein? Ich hatte Rolf ja auch danach gefragt.
Lars:
Das letzte Set von Extrabreit, vor dem Abgang,
vor Flieger, ist die schnelle Fraktion mit
"Annemarie", "Extrabreit", "3 D", das geht dann
richtig ab.
Thorsten:
Dann kommt ja noch "Junge".
Lars:
"Junge" am Ende, da habe ich ja vorher noch
etwas Zeit, die Hände zu lockern. Aber
ansonsten: "Sturzflug", "Liebling", das ist
alles die schnelle Fraktion. Das geht natürlich
in die Finger rein. Rolf muß sich da ja auch
richtig anstrengen.
Thorsten:
Rolf hat ja schon den verzerrten
Gesichtsausdruck bei dem ersten Titel.
Lars:
Ja, das ist aber Rolf. Diese Mimik. Also Rolf
sehe ich unwahrscheinlich gerne zu. Deshalb
komme ich auch gerne während des Konzertes zu
Rolfs Drumriser rauf und wir lachen uns dann
immer an. Rolf hat ja immer diese verzerrte,
böse Mine drauf und dann lache ich ihn an und er
lacht ja dann auch - wir kennen uns ja...
Thorsten:
Rolf hat sich ja selbst als Schlagwerker
bezeichnet.
Lars:
Ja, Rolf ist also optisch wirklich ein
grandioser Schlagzeuger! Grandios, auch
musikalisch natürlich.
Thorsten:
Er hat ja jetzt auch immer sein Markenzeichen
mit dem schwarzen T-Shirt mit dem Kopf drauf.
Lars:
Ja, genau!!
Thorsten:
Das hatte ich die anderen auch mal gefragt. Hast
Du eigentlich kein Interesse, jedes Konzert mal
mitzutapen, wenigstens, um es sich in die Ecke
zu legen? Zum Archivieren und Sammeln?
Lars:
Also Rolf hat ja so ein Archiv. Ich glaube, das
wird sich dann einfach so überhäufen, daß man
nicht mehr weiß, wohin damit. Man hat ja schon
so viele Konzerte gegeben und man hält das dann
ja nicht mehr nach. Wird auch einfach zu teuer
(lacht.) Wir nehmen das aber auch manchmal mit
zu Proben um zu hören, was ist gut, was kommt
gut. Das ist auf jeden Fall wichtig.
Thorsten:
Wichtig wäre ja gewesen, den ersten Bochumer Gig
zur Gegenkontrolle mitzuschneiden, oder auch
andere Konzerte, wo man meint, daß die evt.
wichtige Konzerte sein könnten. Ein Highlight
von der Location oder vom Publikum her, wo man
meint "das könnte was werden".
Lars:
Die Rückmeldung erfolgt meistens sofort nach dem
Auftritt, daß man weiß, "das war gut und das
nicht". Das prägt man sich auch ein und braucht
da auch keine Aufnahme für. Eine Aufnahme ist ab
und zu immer mal gut um zu schauen, was sich
verändert hat. Es verändert sich ja während des
Spielens, während der Konzerte immer mal was. Da
bürgert sich dann zwischen den Musikern was ein,
was gut ist, manches was nicht gut ist. Das
kriegt man aber selber schon irgendwie mit. Die
Reaktion des Publikum sagt ja einem auch an, was
gut ist und was nicht. Das merkt man sich auch
persönlich. Wenn das Publikum bei einem Teil
nicht klatscht, dann merkt man das und macht
sich auch Gedanken.
Thorsten:
Das heißt: ihr bekommt das auf der Bühne mit?
Man kann hören, ob es ein gelangweiltes oder ein
Fanpublikum ist?
Lars:
Ja, Du erkennst auch die Mentalität. Es gibt
wirklich regional bezogene Musikhörer! Die
reagieren immer anders. Man kennt das ja auch
vom Theater, wo an Stellen geklatscht wird, von
denen man es nicht gedacht hat. Das ist auch bei
der Musik dann so. Die klatschen dann und zeigen
Emotionen sehr unterschiedlich und dann kann man
dann die Leute auch kategorisieren. Du weißt
also wirklich, wenn Du im tiefsten Sauerland
spielst, wie die Leute reagieren und Du
versuchst Dich anzupassen. Du weißt dann, wie es
im Rheinland ist, wo es eher lustig ist oder in
Hamburg, oder in Bayern wo das etwas steifer
ist. Man kriegt das schon hin. Die Mentalität zu
kennen ist auch wichtig. Das lernt man durch die
Musik kennen, weil man immer rumtingelt und die
Leute immer unterschiedlich erlebt. Aber man
spürt immer die Stimmung im Publikum, die spürst
Du als Musiker!
Ich versuche
immer, auch als Bassist bei Extrabreit, Kontakt
mit dem Publikum aufzunehmen. Visuell und ich
versuche es aber auch ganzzeitlich aufzunehmen.
Das geht dann durch die Optik, durch das
Anschauen aber auch durch die Musik, die dann
rüberkommt. Das geht jetzt hier eher in das
esotherische, spirtielle, aber das ist ja auch
eine Sache, mit der ich mich wissenschaftlich
befasse, bei meiner Doktorarbeit. Man kann mit
Musik sehr viel bewirken. Das erfahre ich auch
immer wieder von Fans, mit denen ich spreche.
Die sagen mir: "ich fühle mich bei Eurer Musik
gut". Egal welche Musik ich mache. Die sagen,
"das war super, das habe ich noch nie erlebt,
solche Gefühle". Musik ist ein Therapeutikum
oder kann ein Therapeutikum sein. Das versuche
ich immer als Musiker rüberzubringen, daß die
Menge, das Publikum es als gut empfindet. Ich
finde, Musik muß immer positiv rüberkommen. Sie
sollte nicht negativ sein. Negative Musik ist ja
etwas, was gegen den Menschen an sich strebt,
gegen das Befindliche und ich meine, daß da
Musik nur etwas positives bewirken kann und
soll. Das versuche ich eben, durch meine Musik,
meine Mimik durch die Bühnenshow das zu
verkörpern.
Thorsten:
Siehst Du von der Bühne aus die ersten Reihen
oder mehr?
Lars:
Unterschiedlich. Das Licht wird ja
ausgeleuchtet. Wenn das Licht gut ist, dann
siehst Du nichts, weil Du halt geblendet wirst
von vorne und dann sieht man nicht so viel. Das
ist aber unterschiedlich. Wenn ein Open Air ist
und es ist noch hell, dann kannst Du natürlich
schön weit gucken. Ich versuchen den Kontakt zum
Publikum zu halten, durch Blicke.
Thorsten:
Du erkennst also auch die wieder, die häufig da
sind?
Lars:
Unbedingt. Wie ich von Stefan und Kai hörte, die
konzentrieren sich auch sehr stark auf das
eigene Spielen, die schauen nie so weit raus in
das Publikum. Ich habe das auch durch die
Coverband so aufgenommen. Ich gucke immer ins
Publikum und halte den Kontakt. Das machen aber
nicht alle so.
Thorsten:
Ja, Stefan hat meistens die Kopf etwas zu Seite
gedreht und Kai singt die erste Reihe an.
Lars:
Ja, das ist normal. Den meisten Kontakt hast Du
mit den ersten Reihen.
Thorsten:
Bubi hat ja seinen Kopf sowieso immer so in
Bewegung, der kann nichts erkennen.
Lars:
(lacht) Genau, der kann nicht ruhig bleiben.
Aber Bubi, der bekommt das auch mit. Ich kenne
Bubi ja. Wir wissen ganz genau, wen wir da
sehen. Wir sehen ja auch das andere Geschlecht
im Publikum. Man flirtet ja auch. Mit dem ganzen
Publikum, also auch mit den Männern. Du stehst
da, schaust Leute genau an und zeigst Reaktion
und gleiches kommt zurück. Ich lache gerne auf
der Bühne, das kommt dann zurück und die Leute
lachen zurück und das ist ja dann auch schön.
Thorsten:
Das hast Du nicht ganz verstanden. Die lachen
nicht zurück, die lachen Dich aus.
Lars:
(lacht) Wahrscheinlich....
Thorsten:
Sammelst Du jetzt Extrabreit Sachen? Aus Deiner
Zeit oder versuchst Du auch Sachen aus früheren
Zeiten zu bekommen?
Lars:
Jein. Ich versuche die Zeit, in der ich jetzt
mitmache, komplett aufzunehmen, mit allen
Sinnen. Ich mache sehr viele Fotos um auch das
visuelle festhalten zu können und in Erinnerung
rufen zu können. Die Erfahrungen sind jetzt so
eingeprägt und das Drumherum, das ist einfach so
genial, das versuche ich einfach mitzunehmen.
Thorsten:
Ich meine jetzt auch z.B. Konzertkritiken öder
ähnliches.
Lars:
Ja, soweit ich es kriege. Aber auch
Vorankündigungen, die z.B. Backstage liegen,
Presse, das nehme ich dann auch mit. Natürlich,
das versuche ich auch zu kriegen. Aber nicht so
akribisch, daß ich alles haben muß. |