Extrabreit - Kurier

Auch mit Lars führte Thorsten ein exklusives Interview für diese Homepage. Es fand statt im Rahmen des Stadtfestes am 5.7.03 in Hagen Hohenlimburg. Vielen Dank an Thorsten und Lars für diese Einblicke in das Leben eines Extrabreit-Bassisten.

 

*** Interview mit Lars - Teil 4 ***

Thorsten:
Mit Sixpac spielst Du ja auch ein Riesenrepertoire!

Lars:
Ja, derzeit spiele ich gerne mit Sixpac auch ein bißchen die Punkschiene. Wir spielen auch Extrabreit-Stücke. Dann spielen wir auch Nena, die "99 Luftballons"-Version von Goldfinger. Die kam vor 2, 3 Jahren raus.

Thorsten:
Das war doch so eine schnelle englische Version?

Lars:
Ja, die finde ich super genial. Das ist derzeit die Musik, auch mit Extrabreit, die mir Spaß macht zu spielen.

Thorsten:
Das muß doch auch konditionell total anstrengend sein? Ich hatte Rolf ja auch danach gefragt.

Lars:
Das letzte Set von Extrabreit, vor dem Abgang, vor Flieger, ist die schnelle Fraktion mit "Annemarie", "Extrabreit", "3 D", das geht dann richtig ab.

Thorsten:
Dann kommt ja noch "Junge".

Lars:
"Junge" am Ende, da habe ich ja vorher noch etwas Zeit, die Hände zu lockern. Aber ansonsten: "Sturzflug", "Liebling", das ist alles die schnelle Fraktion. Das geht natürlich in die Finger rein. Rolf muß sich da ja auch richtig anstrengen.

Thorsten:
Rolf hat ja schon den verzerrten Gesichtsausdruck bei dem ersten Titel.

 

Lars:
Ja, das ist aber Rolf. Diese Mimik. Also Rolf sehe ich unwahrscheinlich gerne zu. Deshalb komme ich auch gerne während des Konzertes zu Rolfs Drumriser rauf und wir lachen uns dann immer an. Rolf hat ja immer diese verzerrte, böse Mine drauf und dann lache ich ihn an und er lacht ja dann auch - wir kennen uns ja...

Thorsten:
Rolf hat sich ja selbst als Schlagwerker bezeichnet.

Lars:
Ja, Rolf ist also optisch wirklich ein grandioser Schlagzeuger! Grandios, auch musikalisch natürlich.

Thorsten:
Er hat ja jetzt auch immer sein Markenzeichen mit dem schwarzen T-Shirt mit dem Kopf drauf.

Lars:
Ja, genau!!

Thorsten:
Das hatte ich die anderen auch mal gefragt. Hast Du eigentlich kein Interesse, jedes Konzert mal mitzutapen, wenigstens, um es sich in die Ecke zu legen? Zum Archivieren und Sammeln?

Lars:
Also Rolf hat ja so ein Archiv. Ich glaube, das wird sich dann einfach so überhäufen, daß man nicht mehr weiß, wohin damit. Man hat ja schon so viele Konzerte gegeben und man hält das dann ja nicht mehr nach. Wird auch einfach zu teuer (lacht.) Wir nehmen das aber auch manchmal mit zu Proben um zu hören, was ist gut, was kommt gut. Das ist auf jeden Fall wichtig.

Thorsten:
Wichtig wäre ja gewesen, den ersten Bochumer Gig zur Gegenkontrolle mitzuschneiden, oder auch andere Konzerte, wo man meint, daß die evt. wichtige Konzerte sein könnten. Ein Highlight von der Location oder vom Publikum her, wo man meint "das könnte was werden".

Lars:
Die Rückmeldung erfolgt meistens sofort nach dem Auftritt, daß man weiß, "das war gut und das nicht". Das prägt man sich auch ein und braucht da auch keine Aufnahme für. Eine Aufnahme ist ab und zu immer mal gut um zu schauen, was sich verändert hat. Es verändert sich ja während des Spielens, während der Konzerte immer mal was. Da bürgert sich dann zwischen den Musikern was ein, was gut ist, manches was nicht gut ist. Das kriegt man aber selber schon irgendwie mit. Die Reaktion des Publikum sagt ja einem auch an, was gut ist und was nicht. Das merkt man sich auch persönlich. Wenn das Publikum bei einem Teil nicht klatscht, dann merkt man das und macht sich auch Gedanken.

Thorsten:
Das heißt: ihr bekommt das auf der Bühne mit? Man kann hören, ob es ein gelangweiltes oder ein Fanpublikum ist?

Lars:
Ja, Du erkennst auch die Mentalität. Es gibt wirklich regional bezogene Musikhörer! Die reagieren immer anders. Man kennt das ja auch vom Theater, wo an Stellen geklatscht wird, von denen man es nicht gedacht hat. Das ist auch bei der Musik dann so. Die klatschen dann und zeigen Emotionen sehr unterschiedlich und dann kann man dann die Leute auch kategorisieren. Du weißt also wirklich, wenn Du im tiefsten Sauerland spielst, wie die Leute reagieren und Du versuchst Dich anzupassen. Du weißt dann, wie es im Rheinland ist, wo es eher lustig ist oder in Hamburg, oder in Bayern wo das etwas steifer ist. Man kriegt das schon hin. Die Mentalität zu kennen ist auch wichtig. Das lernt man durch die Musik kennen, weil man immer rumtingelt und die Leute immer unterschiedlich erlebt. Aber man spürt immer die Stimmung im Publikum, die spürst Du als Musiker!

Ich versuche immer, auch als Bassist bei Extrabreit, Kontakt mit dem Publikum aufzunehmen. Visuell und ich versuche es aber auch ganzzeitlich aufzunehmen. Das geht dann durch die Optik, durch das Anschauen aber auch durch die Musik, die dann rüberkommt. Das geht jetzt hier eher in das esotherische, spirtielle, aber das ist ja auch eine Sache, mit der ich mich wissenschaftlich befasse, bei meiner Doktorarbeit. Man kann mit Musik sehr viel bewirken. Das erfahre ich auch immer wieder von Fans, mit denen ich spreche. Die sagen mir: "ich fühle mich bei Eurer Musik gut". Egal welche Musik ich mache. Die sagen, "das war super, das habe ich noch nie erlebt, solche Gefühle". Musik ist ein Therapeutikum oder kann ein Therapeutikum sein. Das versuche ich immer als Musiker rüberzubringen, daß die Menge, das Publikum es als gut empfindet. Ich finde, Musik muß immer positiv rüberkommen. Sie sollte nicht negativ sein. Negative Musik ist ja etwas, was gegen den Menschen an sich strebt, gegen das Befindliche und ich meine, daß da Musik nur etwas positives bewirken kann und soll. Das versuche ich eben, durch meine Musik, meine Mimik durch die Bühnenshow das zu verkörpern.

Thorsten:
Siehst Du von der Bühne aus die ersten Reihen oder mehr?

Lars:
Unterschiedlich. Das Licht wird ja ausgeleuchtet. Wenn das Licht gut ist, dann siehst Du nichts, weil Du halt geblendet wirst von vorne und dann sieht man nicht so viel. Das ist aber unterschiedlich. Wenn ein Open Air ist und es ist noch hell, dann kannst Du natürlich schön weit gucken. Ich versuchen den Kontakt zum Publikum zu halten, durch Blicke.

Thorsten:
Du erkennst also auch die wieder, die häufig da sind?

Lars:
Unbedingt. Wie ich von Stefan und Kai hörte, die konzentrieren sich auch sehr stark auf das eigene Spielen, die schauen nie so weit raus in das Publikum. Ich habe das auch durch die Coverband so aufgenommen. Ich gucke immer ins Publikum und halte den Kontakt. Das machen aber nicht alle so.

Thorsten:
Ja, Stefan hat meistens die Kopf etwas zu Seite gedreht und Kai singt die erste Reihe an.

Lars:
Ja, das ist normal. Den meisten Kontakt hast Du mit den ersten Reihen.

Thorsten:
Bubi hat ja seinen Kopf sowieso immer so in Bewegung, der kann nichts erkennen.

Lars:
(lacht) Genau, der kann nicht ruhig bleiben. Aber Bubi, der bekommt das auch mit. Ich kenne Bubi ja. Wir wissen ganz genau, wen wir da sehen. Wir sehen ja auch das andere Geschlecht im Publikum. Man flirtet ja auch. Mit dem ganzen Publikum, also auch mit den Männern. Du stehst da, schaust Leute genau an und zeigst Reaktion und gleiches kommt zurück. Ich lache gerne auf der Bühne, das kommt dann zurück und die Leute lachen zurück und das ist ja dann auch schön.

Thorsten:
Das hast Du nicht ganz verstanden. Die lachen nicht zurück, die lachen Dich aus.

Lars:
(lacht) Wahrscheinlich....

Thorsten:
Sammelst Du jetzt Extrabreit Sachen? Aus Deiner Zeit oder versuchst Du auch Sachen aus früheren Zeiten zu bekommen?

Lars:
Jein. Ich versuche die Zeit, in der ich jetzt mitmache, komplett aufzunehmen, mit allen Sinnen. Ich mache sehr viele Fotos um auch das visuelle festhalten zu können und in Erinnerung rufen zu können. Die Erfahrungen sind jetzt so eingeprägt und das Drumherum, das ist einfach so genial, das versuche ich einfach mitzunehmen.

Thorsten:
Ich meine jetzt auch z.B. Konzertkritiken öder ähnliches.

Lars:
Ja, soweit ich es kriege. Aber auch Vorankündigungen, die z.B. Backstage liegen, Presse, das nehme ich dann auch mit. Natürlich, das versuche ich auch zu kriegen. Aber nicht so akribisch, daß ich alles haben muß.

 

Ende Teil 4
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