Extrabreit - Kurier

Auch mit Lars führte Thorsten ein exklusives Interview für diese Homepage. Es fand statt im Rahmen des Stadtfestes am 5.7.03 in Hagen Hohenlimburg. Vielen Dank an Thorsten und Lars für diese Einblicke in das Leben eines Extrabreit-Bassisten.

 

*** Interview mit Lars - Teil 3 ***

Thorsten:
Du hast jetzt bei der Plattenaufnahme von "Er macht ihn rein" mitgespielt, nicht aber bei "Annemarie" und "Öl". Warum nimmt man da nicht die aktuelle Liveband?

Lars:
Da mußt Du eigentlich Stefan und Kai fragen. Das waren vorproduzierteSachen von denen, die sie dann mit den "Räuschen" aufgenommen haben. Das war ja in der Umbruchphase, wo noch niemand wußte, wo es mit der Band hingeht. Da haben sie dann mit den Freunden, sie sind ja mit den "Räuschen" befreundet, aufgenommen. Das ist auch in Ordnung - wenn das nicht die Regel wird, und wir auch noch spielen dürfen... (grinst)

Thorsten:
Rolf und Bubi als Vollmitglieder waren ja auch nicht dabei. Das waren ja alles Sachen, die nach Bochum aufgenommen wurden.

Lars:
Die Sache ist auch die. Manchmal muß so was auch ganz schnell gehen und bevor man dann alle Musiker zusammentrommelt um zu gucken, was mit dem Stück werden wird, ist es einfacher zu sagen "wird schnell eingespielt, mit Drumcomputer und die Sache ist erledigt". Die Sache mit "Er macht ihn rein" mußte auch schnell produziert werden und dann sind wir alle schnell nach Hamburg gefahren. Das war bei den anderen Stücken anders, weil wir da noch nicht wußten, wo es mit der Band hingeht. Von daher ging es dann ganz schnell und dann ist es auch kein Problem, daß das mit dem Computer gemacht wurde.

Thorsten:
Hast Du einen Lieblingstitel von Extrabreit? Wahrscheinlich einen, den Du am liebsten spielst und einen, den Du des Titels wegen gut findest?

Lars:
Genau, so ist es. Den ich am liebsten höre, wo Form und Inhalt komplett übereinstimmen, ist "Der Präsident". Das ist für mich ein Song, da trifft alles ins Schwarze! Da paßt der Text auf die Musik und die Musik auf den Text. Das finde ich ein grandioses Stück. Was ich gerne spiele, das sind die schnellen Sachen. "3D", "Annemarie" oder "Lottokönig". Ich mag den Funcharakter dieser Stücke. Die spiele ich gerne. Ich habe mich da natürlich auch reingespielt und reingedacht. Inzwischen spiele ich alle Stücke gerne. Auch "110". Der Anfang. Wenn das Riff dann kommt...

Thorsten:
Das ist ein total grandioser Anfang. Der war ja schon 1981 Opener vom Set! Das ist total klasse, wenn die Musiker so nacheinander anfangen können. So hat Kai auch genug Zeit für seinen Auftritt.

Lars:
Genau. Der festtrainierteste Opener. Rolf fängt an und der Rest der Band folgt.

Thorsten:
Das fand ich total krass in Dortmund. Als die Gitarre von Stefan im Arsch war und Rolf sein Drumopening zig mal so lange spielen mußte und Kai hinter der Bühne schmoren mußte. Ich konnte das von meinem Platz aus sehen. Ich war wirklich gespannt, was ihr machen werdet - Abbruch oder Einsatz. Letztendlich haben Bubi und Du dann alleine angefangen und als Kai dann angefangen hat zu singen, war auch Stefans Gitarre wieder da. Da konnte man richtig Mitleid haben, vor 10.000 Leuten! Das kam sogar mir als Zuhörer ENDLOS vor.

Lars:
Ah, hör auf. Das war eine Woche vorher in Hannover schon so. Kann passieren... Das ist eben live. Dann fangen Bubi und ich eben früher an.

Thorsten:
Das geht dann gerade bei so einem Titel. Rolf wußte ja auch nicht, was er machen sollte.

Lars:
Ja, das geht bei so einem Titel... Aber es war schon komisch, weil man nicht weiß, was kommt jetzt. Fängt er gleich wieder an? Ist es gleich in Ordnung? Die Roadies sind hin und hergerannt. Fehlersuche und alles muß ganz schnell gehen. Gerade als Sänger ist das dann das beschissenste zu stehen und zu wissen "irgendwas läuft da nicht. Was soll ich machen? Soll ich raus oder soll ich warten?" Du bist dann hin und hergerissen.

Thorsten:
Obwohl die Stimmung bei diesem Konzert ja nicht so riesig war, habt Ihr Euch nach dem Auftritt hinter der Bühne abgeklatscht und es hat Euch wohl doch Spaß gemacht, oder? Wahrscheinlich auch wegen der Menge des Publikums?

Lars:
Ja klar, ausverkaufte Westfalenhalle! Da schaust Du dann die Ränge rauf und siehst alle stehen bei "Flieger" und alle machen mit. Du gehst dann mit so einem Adrenalinschub von der Bühne, genauso, wie man auf die Bühne geht. Das hat wirklich Spaß gemacht. In der Garderobe kommst Du dann zu Dir und fragst Dich "was war das überhaupt gerade?" Erstmal entspannen! Das gleiche war in Hamburg! Wo Du leider krank warst, habe ich gelesen! "Geht`s Dir wieder besser?" (lacht).

Thorsten:
Körperlich ja, aber psychisch werde ich es nie verkraften... (lacht)

Lars:
Wir gingen total nervös rauf - wir waren da alle sehr nervös. Man muß javon Anfang an 100 % drauf sein und alles geben und dann geht man runter und wußte nicht, "wie war das jetzt"? Das Publikum fand es super und wir fanden es auch super, aber jeden Fehler hat man dann für sich wahrgenommen! Wenn man jetzt einen Fehler gemacht hat - "oh der ist drauf!" Wir wußten nicht, wie der Auftritt war. Wir waren aber so fertig! Soviel Adrenalin - einfach kaputt, mental kaputt. Die Anstrengung, eineinhalb Stunden durchzuspielen ist schon heftig. Aber es macht einfach Spaß.

Thorsten:
Man kann ja jetzt theoretisch auch noch was an der Aufnahme korrigieren. Ich weiß aber nicht, ob man so was machen sollte, wenn es nicht total daneben ist. Sonst fängt man an, jeden Furz zu nachzubessern und kann dann gleich im Studio tapen!

Lars:
Man kann natürlich auch Overdubs draufsetzen. Aber wir haben wohl relativ gut gespielt!

Thorsten:
Hast Du schon was gehört?

Lars:
Ja, die Aufnahme wird immer mehr gemischt und ich habe reingehört und finde es sehr gut! Mir gefällt der Sound sehr gut und ich hoffe, daß Bild ist auch gut. Ich denke bei 9 Kameras, also über 9 Std. Bildmaterial ist was dabei, was zusammenzuschneiden ist.

Thorsten:
Die meisten Live-Aufnahmen, die ich von Extrabeit kenne, sei es die "Das grenzt schon an Musik" oder die Maxi-Bonus-Titel klangen für meinen Geschmack nicht so toll, auch wenn die Musik selbst sehr gut war. Ich hoffe deshalb, daß die Aufnahme dann super klingt. Der geilste Klang ist auf der Superfett, auch wenn das natürlich Studio ist. Ich mag Liveaufnahmen, wo das Livefeelung rüberkommt, also das Publikum auch zu hören ist und nicht nur zwischen den Songs beim Applaus.

Lars:
Ich find die DVD klingt sehr livemäßig und man kann das Publikum immer gut hören. Es hört sich auch immer sehr voll an! Das kommt gut und sie singen auch mit, das hört man auch und die Live-Atmosphäre kommt gut rüber.

Thorsten:
Da freut mich zu hören. Eine der besten Live-Aufnahmen im Bezug auf das Live-Feeling ist die 1989er Westernhagen Live DoCd.

Lars:
Ja, die ist klasse.

Thorsten:
Ich freue mich schon, unser Interview wieder abzutippen.

Lars:
Ich kenne das. Im Rahmen des Studiums habe ich auch Befragungen durchgeführt und die dann mit einem Transkriptionsgerät abgetippt.

Thorsten:
Als ich mit Rolf gesprochen habe, da war das endlos. Da gab es so viel zu erzählen und wie er erzählt, das ist immer so lebendig.

Lars:
Da bist Du dann auch an den richtigen Partner geraten. Rolf erzählt immer sehr gut - ich höre ihm gerne zu.

Thorsten:
Er hat uns, als er im Flieger war, auch erzählt, wie das in Hamburg war. Daß sich Kai seinen Kopf nach dem Konzert in Eis gesteckt hat, weil die alle so fertig waren und wirklich keine Zugabe mehr drin war!!!

Lars:
Da waren wir aber auch fertig!

Thorsten:
Er hat auch die Geschichte von der Knef erzählt, wie die Band ihr die Koffer ins Hotel getragen hat - wir lagen fast unter dem Tisch. Er hat ja aus den ganzen Jahren der Bandgeschichte total viel zu erzählen, weil so viel passiert ist.

Lars:
Das ist für mich auch immer total interessant. Wenn die erzählen von früheren Zeiten, Anfang der 80er, als es los ging. Auch die Geschichte mit Hildegard Knef höre ich sehr gerne. Super genial! Da höre ich gerne zu! Hoffentlich geht das noch mal so. Ich will das auch noch mal erleben, so einen Hype.

Thorsten:
Ich habe ja im Forum vorgeschlagen, daß Ihr demnächst ein Duett macht mit Brigitte Mira! Dann könnte das mit dem Hype klappen.

Lars:
(lacht) Naja.

Thorsten:
Du hast ja gesagt, daß Du gerne mit der Band zusammen bist. Nun bist Du ja wesentlich jünger als alle anderen. Gibt es da keine Probleme?

Lars:
Für mich klappt das gut. Ich kann mich nicht beschweren. Wie gesagt, ich kenne ja Bubi und Rolf schon ziemlich lange. 8 Jahre ist eine ziemlich lange Zeit.

Thorsten:
Da warst Du 20!

Lars:
Genau. Bubi war damals doppelt so alt wie ich.

Thorsten:
Du fühlst Dich also auch als Musiker akzeptiert?

Lars:
Auf jeden Fall!

Thorsten:
Hast Du auch Einfluß auf die Setlist oder die Arrangements? Oder nur auf Deinen Baßpart?

Lars:
Nein, nein. Was die Direktion der Stücke oder die Setlist angeht, haben wir alle volles Mitspracherecht. Jeder kann seine Meinung äußern. Wir leben in einer Demokratie auch in der Band. Wir können das auch äußern. Ich muß aber sagen, da halte ich mich lieber zurück. Die Erfahrung haben die anderen. Wir haben ja jetzt auch eine Setlist kreirt, die sich bewährt hat.

Thorsten:
Die Reihenfolge ist ja als Grundkonzept seit Bochum identisch.

Lars:
Genau, das hat sich bewährt und das lassen wir dann auch so. Wenn was arrangementmäßig nicht so gut ist, dann besprechen wir das auf der Probe unddann ändern wir das auch. Da hat jeder Mitspracherecht. Auch die bezahlten Musiker!

Thorsten:
Ich habe bei Dir auf der Sixpac-Homepage gelesen, daß da ja auch eine Menge Zuschriften kommen, z.B. ins Gästebuch. Jetzt bei Extrabreit hat das ja noch wieder eine andere Qualität oder ein anderes "Fanbewußtsein", eben weil es eine bekannte Band ist. Du wirst ja dann auf einem ganz anderen Level gesehen. Das ist doch für Dich auch ein ganz neues Gefühl, oder?

Lars:
Das komische ist, daß sich der Typus "Fan" an sich nicht ändert. Der bleibt so. Den habe ich auch bei Sixpac! Ich habe auch schon Sixpac-Fans bei mir im Garten stehen, die mich beobachten. Tagsüber als auch abends. Die Autogramme haben wollen, die mir Briefe schreiben und die mir Geschenke machen! Zu Weihnachten, zu Ostern und zum Geburtstag! Die stehen dann auch bei jedem Auftritt in der ersten Reihe! Inzwischen haben sie Extrabreit adaptiert und kommen auch zu Extrabreit-Auftritten! Stehen dann auf  meiner Seite und haben die Larsson-T-Shirts an! Dann denke ich auch "ja...".                            Das wechselt dann auch. Heute wollen z.B. auch Extrabreit-Fans kommen. Das freut mich natürlich. Der "gemeine Typus Fan" an sich ist doch wohl an sich ähnlich. Es gibt dann Unterschiede in sich in der Kategorie. Es gibt Extreme, die haben den Personenkult angenommen. Die sehen mich als Sänger bei Sixpac. Ich will mich aber natürlich nicht beschweren. Bei Extrabreit ist das ja die Sache, daß man da eine andere Figur ist in der Band. Man wird da noch anders gehandelt von der Fanseite her. Bei Sixpac ist man immer quasi erreichbar. Nach jedem Auftritt kann man mich ansprechen. Bei Extrabreit geht man von der Bühne und wird dann weitergeleitet in die Garderoben. Ich mag den Fankontakt. Ich finde das supergut - ich brauche das. Das ist für mich was, was Authentizität ausmacht, daß Du Dich auf der Bühne darstellst, wie Du auch im richtigen Leben bist. Da ist für mich Kommunikation und Kontakt sehr wichtig, egal mit welchen Leuten.

Thorsten:
Es fällt ja auch, daß Du nach den Auftritten immer schnell draußen bist und den Kontakt suchst. Du bist ja quasi der Fanbeauftragte...

Lars:
Genau, der Fanbetreuer. So werde ich ja schon im Internet genannt: "der Fanbetreuer Lars". "Vielen Dank an den Fanbetreuer", hat der Ex-Hometowner ja mal geschrieben. Ich mag das - ich finde das gut.

Thorsten:
Das ist ja auch richtig so. Man kann ja als Fan nicht einfach nach hinten gehen und die Band will seine Ruhe haben.

Lars:
Ja, es gibt da Grenzen. Wir sagen immer: mindestens 20 Minuten Pause nach der Show für uns. Mir geht es dann meistens früher schon besser und ich will raus um auch die Atmosphäre aufsaugen. Das mag ich eben gerne.

Thorsten:
Schaust Du Dir die Extrabreit-Seiten auch immer an?

Lars:
Ja, ich bin gut informiert.
 

Ende Teil 3
<<< zurück      weiter >>>