|
Thorsten:
Du hast jetzt bei der Plattenaufnahme von "Er macht ihn rein"
mitgespielt, nicht aber bei "Annemarie" und "Öl". Warum nimmt
man da nicht die aktuelle Liveband?
Lars:
Da mußt Du eigentlich Stefan und Kai fragen. Das waren
vorproduzierteSachen von denen, die sie dann mit den "Räuschen"
aufgenommen haben. Das war ja in der Umbruchphase, wo noch
niemand wußte, wo es mit der Band hingeht. Da haben sie dann mit
den Freunden, sie sind ja mit den "Räuschen" befreundet,
aufgenommen. Das ist auch in Ordnung - wenn das nicht die Regel
wird, und wir auch noch spielen dürfen... (grinst)
Thorsten:
Rolf und Bubi als Vollmitglieder waren ja auch nicht dabei. Das
waren ja alles Sachen, die nach Bochum aufgenommen wurden.
Lars:
Die Sache ist auch die. Manchmal muß so was auch ganz schnell
gehen und bevor man dann alle Musiker zusammentrommelt um zu
gucken, was mit dem Stück werden wird, ist es einfacher zu sagen
"wird schnell eingespielt, mit Drumcomputer und die Sache ist
erledigt". Die Sache mit "Er macht ihn rein" mußte auch schnell
produziert werden und dann sind wir alle schnell nach Hamburg
gefahren. Das war bei den anderen Stücken anders, weil wir da
noch nicht wußten, wo es mit der Band hingeht. Von daher ging es
dann ganz schnell und dann ist es auch kein Problem, daß das mit
dem Computer gemacht wurde.
Thorsten:
Hast Du einen Lieblingstitel von Extrabreit? Wahrscheinlich
einen, den Du am liebsten spielst und einen, den Du des Titels
wegen gut findest?
Lars:
Genau, so ist es. Den ich am liebsten höre, wo Form und Inhalt
komplett übereinstimmen, ist "Der Präsident". Das ist für mich
ein Song, da trifft alles ins Schwarze! Da paßt der Text auf die
Musik und die Musik auf den Text. Das finde ich ein grandioses
Stück. Was ich gerne spiele, das sind die schnellen Sachen.
"3D", "Annemarie" oder "Lottokönig". Ich mag den Funcharakter
dieser Stücke. Die spiele ich gerne. Ich habe mich da natürlich
auch reingespielt und reingedacht. Inzwischen spiele ich alle
Stücke gerne. Auch "110". Der Anfang. Wenn das Riff dann
kommt...
Thorsten:
Das ist ein total grandioser Anfang. Der war ja schon 1981
Opener vom Set! Das ist total klasse, wenn die Musiker so
nacheinander anfangen können. So hat Kai auch genug Zeit für
seinen Auftritt.
Lars:
Genau. Der festtrainierteste Opener. Rolf fängt an und der Rest
der Band folgt.
Thorsten:
Das fand ich total krass in Dortmund. Als die Gitarre von Stefan
im Arsch war und Rolf sein Drumopening zig mal so lange spielen
mußte und Kai hinter der Bühne schmoren mußte. Ich konnte das
von meinem Platz aus sehen. Ich war wirklich gespannt, was ihr
machen werdet - Abbruch oder Einsatz. Letztendlich haben Bubi
und Du dann alleine angefangen und als Kai dann angefangen hat
zu singen, war auch Stefans Gitarre wieder da. Da konnte man
richtig Mitleid haben, vor 10.000 Leuten! Das kam sogar mir als
Zuhörer ENDLOS vor.
Lars:
Ah, hör auf. Das war eine Woche vorher in Hannover schon so.
Kann passieren... Das ist eben live. Dann fangen Bubi und ich
eben früher an.
Thorsten:
Das geht dann gerade bei so einem Titel. Rolf wußte ja auch
nicht, was er machen sollte.
Lars:
Ja, das geht bei so einem Titel... Aber es war schon komisch,
weil man nicht weiß, was kommt jetzt. Fängt er gleich wieder an?
Ist es gleich in Ordnung? Die Roadies sind hin und hergerannt.
Fehlersuche und alles muß ganz schnell gehen. Gerade als Sänger
ist das dann das beschissenste zu stehen und zu wissen
"irgendwas läuft da nicht. Was soll ich machen? Soll ich raus
oder soll ich warten?" Du bist dann hin und hergerissen.
Thorsten:
Obwohl die Stimmung bei diesem Konzert ja nicht so riesig war,
habt Ihr Euch nach dem Auftritt hinter der Bühne abgeklatscht
und es hat Euch wohl doch Spaß gemacht, oder? Wahrscheinlich
auch wegen der Menge des Publikums?
Lars:
Ja klar, ausverkaufte Westfalenhalle! Da schaust Du dann die
Ränge rauf und siehst alle stehen bei "Flieger" und alle machen
mit. Du gehst dann mit so einem Adrenalinschub von der Bühne,
genauso, wie man auf die Bühne geht. Das hat wirklich Spaß
gemacht. In der Garderobe kommst Du dann zu Dir und fragst Dich
"was war das überhaupt gerade?" Erstmal entspannen! Das gleiche
war in Hamburg! Wo Du leider krank warst, habe ich gelesen! "Geht`s
Dir wieder besser?" (lacht).
Thorsten:
Körperlich ja, aber psychisch werde ich es nie verkraften...
(lacht)
Lars:
Wir gingen total nervös rauf - wir waren da alle sehr nervös.
Man muß javon Anfang an 100 % drauf sein und alles geben und
dann geht man runter und wußte nicht, "wie war das jetzt"? Das
Publikum fand es super und wir fanden es auch super, aber jeden
Fehler hat man dann für sich wahrgenommen! Wenn man jetzt einen
Fehler gemacht hat - "oh der ist drauf!" Wir wußten nicht, wie
der Auftritt war. Wir waren aber so fertig! Soviel Adrenalin -
einfach kaputt, mental kaputt. Die Anstrengung, eineinhalb
Stunden durchzuspielen ist schon heftig. Aber es macht einfach
Spaß.
Thorsten:
Man kann ja jetzt theoretisch auch noch was an der Aufnahme
korrigieren. Ich weiß aber nicht, ob man so was machen sollte,
wenn es nicht total daneben ist. Sonst fängt man an, jeden Furz
zu nachzubessern und kann dann gleich im Studio tapen!
Lars:
Man kann natürlich auch Overdubs draufsetzen. Aber wir haben
wohl relativ gut gespielt!
Thorsten:
Hast Du schon was gehört?
Lars:
Ja, die Aufnahme wird immer mehr gemischt und ich habe
reingehört und finde es sehr gut! Mir gefällt der Sound sehr gut
und ich hoffe, daß Bild ist auch gut. Ich denke bei 9 Kameras,
also über 9 Std. Bildmaterial ist was dabei, was
zusammenzuschneiden ist.
Thorsten:
Die meisten Live-Aufnahmen, die ich von Extrabeit kenne, sei es
die "Das grenzt schon an Musik" oder die Maxi-Bonus-Titel
klangen für meinen Geschmack nicht so toll, auch wenn die Musik
selbst sehr gut war. Ich hoffe deshalb, daß die Aufnahme dann
super klingt. Der geilste Klang ist auf der Superfett, auch wenn
das natürlich Studio ist. Ich mag Liveaufnahmen, wo das
Livefeelung rüberkommt, also das Publikum auch zu hören ist und
nicht nur zwischen den Songs beim Applaus.
Lars:
Ich find die DVD klingt sehr livemäßig und man kann das Publikum
immer gut hören. Es hört sich auch immer sehr voll an! Das kommt
gut und sie singen auch mit, das hört man auch und die
Live-Atmosphäre kommt gut rüber.
Thorsten:
Da freut mich zu hören. Eine der besten Live-Aufnahmen im Bezug
auf das Live-Feeling ist die 1989er Westernhagen Live DoCd.
Lars:
Ja, die ist klasse.
Thorsten:
Ich freue mich schon, unser Interview wieder abzutippen.
Lars:
Ich kenne das. Im Rahmen des Studiums habe ich auch Befragungen
durchgeführt und die dann mit einem Transkriptionsgerät
abgetippt.
Thorsten:
Als ich mit Rolf gesprochen habe, da war das endlos. Da gab es
so viel zu erzählen und wie er erzählt, das ist immer so
lebendig.
Lars:
Da bist Du dann auch an den richtigen Partner geraten. Rolf
erzählt immer sehr gut - ich höre ihm gerne zu.
Thorsten:
Er hat uns, als er im Flieger war, auch erzählt, wie das in
Hamburg war. Daß sich Kai seinen Kopf nach dem Konzert in Eis
gesteckt hat, weil die alle so fertig waren und wirklich keine
Zugabe mehr drin war!!!
Lars:
Da waren wir aber auch fertig!
Thorsten:
Er hat auch die Geschichte von der Knef erzählt, wie die Band
ihr die Koffer ins Hotel getragen hat - wir lagen fast unter dem
Tisch. Er hat ja aus den ganzen Jahren der Bandgeschichte total
viel zu erzählen, weil so viel passiert ist.
Lars:
Das ist für mich auch immer total interessant. Wenn die erzählen
von früheren Zeiten, Anfang der 80er, als es los ging. Auch die
Geschichte mit Hildegard Knef höre ich sehr gerne. Super genial!
Da höre ich gerne zu! Hoffentlich geht das noch mal so. Ich will
das auch noch mal erleben, so einen Hype.
Thorsten:
Ich habe ja im Forum vorgeschlagen, daß Ihr demnächst ein Duett
macht mit Brigitte Mira! Dann könnte das mit dem Hype klappen.
Lars:
(lacht) Naja.
Thorsten:
Du hast ja gesagt, daß Du gerne mit der Band zusammen bist. Nun
bist Du ja wesentlich jünger als alle anderen. Gibt es da keine
Probleme?
Lars:
Für mich klappt das gut. Ich kann mich nicht beschweren. Wie
gesagt, ich kenne ja Bubi und Rolf schon ziemlich lange. 8 Jahre
ist eine ziemlich lange Zeit.
Thorsten:
Da warst Du 20!
Lars:
Genau. Bubi war damals doppelt so alt wie ich.
Thorsten:
Du fühlst Dich also auch als Musiker akzeptiert?
Lars:
Auf jeden Fall!
Thorsten:
Hast Du auch Einfluß auf die Setlist oder die Arrangements? Oder
nur auf Deinen Baßpart?
Lars:
Nein, nein. Was die Direktion der Stücke oder die Setlist
angeht, haben wir alle volles Mitspracherecht. Jeder kann seine
Meinung äußern. Wir leben in einer Demokratie auch in der Band.
Wir können das auch äußern. Ich muß aber sagen, da halte ich
mich lieber zurück. Die Erfahrung haben die anderen. Wir haben
ja jetzt auch eine Setlist kreirt, die sich bewährt hat.
Thorsten:
Die Reihenfolge ist ja als Grundkonzept seit Bochum identisch.
Lars:
Genau, das hat sich bewährt und das lassen wir dann auch so.
Wenn was arrangementmäßig nicht so gut ist, dann besprechen wir
das auf der Probe unddann ändern wir das auch. Da hat jeder
Mitspracherecht. Auch die bezahlten Musiker!
Thorsten:
Ich habe bei Dir auf der Sixpac-Homepage gelesen, daß da ja auch
eine Menge Zuschriften kommen, z.B. ins Gästebuch. Jetzt bei
Extrabreit hat das ja noch wieder eine andere Qualität oder ein
anderes "Fanbewußtsein", eben weil es eine bekannte Band ist. Du
wirst ja dann auf einem ganz anderen Level gesehen. Das ist doch
für Dich auch ein ganz neues Gefühl, oder?
Lars:
Das komische ist, daß sich der Typus "Fan" an sich nicht ändert.
Der bleibt so. Den habe ich auch bei Sixpac! Ich habe auch schon
Sixpac-Fans bei mir im Garten stehen, die mich beobachten.
Tagsüber als auch abends. Die Autogramme haben wollen, die mir
Briefe schreiben und die mir Geschenke machen! Zu Weihnachten,
zu Ostern und zum Geburtstag! Die stehen dann auch bei jedem
Auftritt in der ersten Reihe! Inzwischen haben sie Extrabreit
adaptiert und kommen auch zu Extrabreit-Auftritten! Stehen dann
auf meiner Seite und haben die Larsson-T-Shirts an! Dann denke
ich auch "ja...". Das wechselt dann
auch. Heute wollen z.B. auch Extrabreit-Fans kommen. Das freut
mich natürlich. Der "gemeine Typus Fan" an sich ist doch wohl an
sich ähnlich. Es gibt dann Unterschiede in sich in der
Kategorie. Es gibt Extreme, die haben den Personenkult
angenommen. Die sehen mich als Sänger bei Sixpac. Ich will mich
aber natürlich nicht beschweren. Bei Extrabreit ist das ja die
Sache, daß man da eine andere Figur ist in der Band. Man wird da
noch anders gehandelt von der Fanseite her. Bei Sixpac ist man
immer quasi erreichbar. Nach jedem Auftritt kann man mich
ansprechen. Bei Extrabreit geht man von der Bühne und wird dann
weitergeleitet in die Garderoben. Ich mag den Fankontakt. Ich
finde das supergut - ich brauche das. Das ist für mich was, was
Authentizität ausmacht, daß Du Dich auf der Bühne darstellst,
wie Du auch im richtigen Leben bist. Da ist für mich
Kommunikation und Kontakt sehr wichtig, egal mit welchen Leuten.
Thorsten:
Es fällt ja auch, daß Du nach den Auftritten immer schnell
draußen bist und den Kontakt suchst. Du bist ja quasi der
Fanbeauftragte...
Lars:
Genau, der Fanbetreuer. So werde ich ja schon im Internet
genannt: "der Fanbetreuer Lars". "Vielen Dank an den
Fanbetreuer", hat der Ex-Hometowner ja mal geschrieben. Ich mag
das - ich finde das gut.
Thorsten:
Das ist ja auch richtig so. Man kann ja als Fan nicht einfach
nach hinten gehen und die Band will seine Ruhe haben.
Lars:
Ja, es gibt da Grenzen. Wir sagen immer: mindestens 20 Minuten
Pause nach der Show für uns. Mir geht es dann meistens früher
schon besser und ich will raus um auch die Atmosphäre aufsaugen.
Das mag ich eben gerne.
Thorsten:
Schaust Du Dir die Extrabreit-Seiten auch immer an?
Lars:
Ja, ich bin gut informiert.
Ende Teil 3
<<< zurück
weiter >>>
|