Extrabreit - Kurier

Auch mit Lars führte Thorsten ein exklusives Interview für diese Homepage. Es fand statt im Rahmen des Stadtfestes am 5.7.03 in Hagen Hohenlimburg. Vielen Dank an Thorsten und Lars für diese Einblicke in das Leben eines Extrabreit-Bassisten.

 

*** Interview mit Lars - Teil 2 ***

Lars:
Die erste Popscheibe, die ich mir gekauft habe und die damals aktuell war, als ich 13, 14 war: Rick Astley.

Thorsten:
Oh Gott. "Never gonna give you up". Stock, Aitken, Waterman?

Lars:
Genau. Danach kam aber dann sofort Grönemeyer! Sehr ambivalient.

Thorsten:
Und was hast Du aktuell für Lieblingsbands oder -Songs?

Lars:
Ganz unterschiedlich. Ich höre zur Zeit sehr viele Musikstile. Ich höre Punkmusik, sehr viel Jazz-Musik - Miles Davis und so was. Auch spanische und kubanische Musik. Alles quer Beet.

Thorsten:
Alles, was Du selbst nicht spielst. Vielleicht als Ausgleich?

Lars:
Ja, kann sein. Ich versuche mich immer auf jedem Gebiet weiterzubilden. Ich habe an der Uni-Dortmund auch noch eine Jazzband und mache Jazzmusik. Das mache ich halt nebenbei, wenn es noch klappt. Da spiele ich auch Kontrabaß und das ist mal was anderes und macht richtig Spaß.

Thorsten:
Ohne Bünde, stelle ich mir immer schwierig vor.

Lars:
Ist was anderes. Es macht aber auch Spaß. Ich will mich auf dem musikalischen Sektor immer weiter bilden. Das ist meine Devise. Nicht an einem Musikstil kleben sondern auch alles weitere. Auch für mich. Ich spiele auch viel Klassik. Ich streiche ja auch Kontrabaß und auf dem Klavier mache ich eben hauptsächlich Klassik.

Thorsten:
Da dürftest Du Dich von dem Rest der Band aber unterscheiden. Da gibt es dann überwiegend "Bratgitarre" in verschiedensten Formen. Da war ja wahrscheinlich die Knefgeschichte schon das extremste in eine andere Richtung.

Lars:
Das ist aber auch genial gemacht. Wie Stefan die Gitarre komponiert zu solchen Stücken ist genial gemacht. Ich bin immer überrascht, was er mit seinem Gitarrensound, den Akkorden und einem ähnlichen Musikstil, den er immer wieder macht - er hört ja auch was anderes - produziert. Diese Riffs finde ich grandios. Man muß nicht viel theoretisches Wissen haben. Wenn man seinen Stil verfolgt, kann man auch sehr viel Erfolg mit haben.

Thorsten:
Wie bist Du zu Extrabreit gekommen?

Lars:
Eigentlich ganz einfach. Seit 1995 kenne ich Bubi und Rolf. Ich habe damals bei denen bei "GREEN" den Backliner gemacht und mußte da natürlich auch aufbauen und den Soundcheck machen. Bei einem Soundcheck war der damalige Bassist Michael Grimm nicht dabei. Ich habe dann den Soundcheck für den Baß gemacht. Michael ist später dann ausgestiegen aus der Band, weil er keine Zeit mehr hatte und ich bin dann als Bassist zu "GREEN" gekommen und habe dadurch dann Rolf und Bubi kennengelernt 1995. Mit Bubi und Rolf habe ich dann zuerst "GREEN" weiter gemacht. Später sind dann Rolf und der Keyborder ausgestiegen so 1996. Bubi und ich haben dann später ein Crossover Projekt gestartet mit jungen Leuten, was sich dann vom Grunge in Richtung Hip-Hop entwickelt hat. Ich kannte Bubi und Rolf also schon sehr lange und so lag es nahe, mich als Extrabreit Bassist vorzuschlagen.

Thorsten:
Mußtest Du dann noch eine Audition machen oder war es vom Grunde her klar, wenn Dich zwei vorschlagen?

Lars:
Wir haben uns dann einmal getroffen. Es war noch ein anderer Kandidat im Gespräch - ein Konkurrenz-Bassist, das war mir bewußt. Ich wurde aber auch von Stefan eingeladen und wir haben einen Termin in der Rockranch gemacht. An einem Sonntagnachmittag wollten die eben mal so gucken, wie der so drauf ist, was der macht, wie der so spielen kann und das war wohl Kai und Stefan genehm...

Thorsten:
Das war dann im Sommer letzten Jahres.

Lars:
Ja, so ungefähr vor genau einem Jahr. Im Juli ist das gewesen.

Thorsten:
Im August war der Gig in Bochum. Das war ja eine ganz große Überraschung, daß die Band wieder rauskommt. Wenn man jetzt zum Beispiel den Bochumer Gig vergleicht mit heute, da liegen musikalisch wirklich Welten zwischen. Ihr habt Euch wirklich verbessert, auch wenn es damals natürlich nicht schlecht war. Jetzt klingt das alles aber viel kompakter!

Lars:
Das freut natürlich zu hören.

Thorsten:
Umgekehrt wäre es natürlich schlecht...

Lars:
(Grinst) Das wäre nicht so schön!

Thorsten:
Wie sehen jetzt Deine Mitgliedschaftsrechte aus? Stefan hat mir ja damals was von "Vollmitglied" etc. erzählt. Bist Du quasi Angestellter der Band.

Lars:
Ja, ich bin Angestellter der Band.

Thorsten:
Wer ist Vollmitglied?

Lars:
Das sind alle außer ich. Bubi, Kai, Stefan und Rolf sind Mitglieder von Extrabreit und ich werde normal bezahlt. Ich bin noch kein Mitglied und bin quasi der bezahlte Extrabreit-Musiker.

Thorsten:
Das läuft dann wahrscheinlich über ein Gighonorar?

Lars:
Genau.

Thorsten:
Für die DVD bekommst Du aber dann sicher noch einen Zuschlag oder eine Prämie....

Lars:
Keine Ahnung. Ich hoffe, daß ändert sich nochmal. Kleiner Wink! Nein, ich weiß es nicht. Das müssen die entscheiden, wie das weiter geht. Es war ja erstmal "erst mal gucken, was so geht". Erstmal einspielen und schauen.

Thorsten:
Kommt ja auch darauf an, ob die Band nun weitermacht oder ob was dazwischen kommt, weil keiner mehr Bock hat oder so oder ob die Projekte in den Sand gesetzt werden, weil das Publikum (die Breite Masse) keinen Bock mehr auf Extrabreit hat.

Lars:
Wir haben uns vorgenommen, dieses Jahr erstmal zu spielen, zu schauen was daraus wird. Das ist die Devise derzeit!

Thorsten:
Bisher sind es ja überwiegend Festivalgigs gewesen, wo die Band gebucht wird. Man muß sich dann selber nicht um Karten, Location o.ä. kümmern. Man bekommt eine Festgage und wenn Tausend kommen oder nur Hundert ist das nicht Problem der Band.

Lars:
Genau! Das ist die Devise. Einfach spielen, die Band bekannt machen, damit die Leute wissen, die Band existiert wieder! Vielleicht ändert sich das ja noch mal mit der Mitgliedschaft - würde mich natürlich freuen, aber dazu kann ich natürlich nichts sagen.

Thorsten:
Wäre ja interessant, was die nächsten Projekte oder die Re-Releases so bringen.

Lars:
Genau, aber dazu kann ich nichts sagen, weil ich das geschäftliche überhaupt nicht mache. Ich bekomme mein Geld nach dem Auftritt und bin damit sehr zufrieden. Die Band macht mir sehr viel Spaß. Die ganze Community an sich ist gut!

Thorsten:
Man sieht das ja auch. Ihr spielt meistens an den Wochenende. Samstag, Sonntag zwei Gigs ist am Samstag irgendwo einquartiert und in der Woche kann jeder wieder was anderes machen. 

Lars:
Genauso ist das zur Zeit. Das macht unglaublich viel Spaß! Für mich ist das mein Leben, das Musikerleben. Das basiert auf dem Hin- und herfahren. Gucken, was das für eine Location ist. Ins Hotel fahren ist für mich was neues aber ich finde das super. Du bist einfach mit der Band das ganze Wochenende unterwegs und lernst sie natürlich sehr gut kennen und man verbringt eine sehr gute Zeit miteinander! Auf der Bühne ist dann vor dem Auftritt diese Nervosität, die man ja auch braucht.

Thorsten:
Die hast Du aber noch?

Lars:
Ja. Nicht jetzt großartig, daß ich jetzt so nervös bin, daß ich denke "ich verspiel mich jetzt andauernd", das nicht. Es macht mir einfach Spaß. Ich bin dann eher so "fickerig" endlich spielen zu dürfen. Bei mir überwiegt noch dieses "ich will unbedingt spielen." Vor jedem Auftritt denke ich "wann ist es endlich so weit"! Bei den anderen, vor allen bei Stefan und Kai ist das anders, da ist ja auch noch viel mehr Druck dahinter. Die haben die Band von Anfang an mitgemacht und stehen für den Namen Extrabreit. Ich spiele da ja quasi nur Baß. Für mich ist der Druck da nicht so groß, wie bei den anderen Musikern! Das ist aber auch ok. Mir macht es einfach Spaß. Ich will Musik machen. Ich will spielen. Das breitet sich auch immer auf mein positives Grundgefühl aus. Mir geht aus immer gut, wenn ich spielen.

Thorsten:
Was für Material kanntest Du von der Band, bevor Du eingestiegen bist?

Lars:
Ich kannte aus dem Bereich meiner Familie, von den jüngeren Onkel (z) und Tanten, Extrabreit, weil die eben in der Zeit der NDW aufgewachsen sind. Die wohnten bei uns direkt nebenan und Extrabreit war für mich immer ein Begriff und eben die Hits. Das andere Material habe ich dann 1991 kennengelernt durch den damaligen Extrabreit-Bassisten Michael Grimm. Das war mein Nachbar. Durch ihn bin ich dann quasi erstmal zur Extrabreit Musik gekommen. Er hat mir dann auch mal Promo-Scheiben mitgebracht über die ich mich sehr gefreut habe. Ich habe dann auch in Iserlohn in der Parkhalle das Abschlußkonzert 1991 gesehen. Also die Musik von Extrabreit war mir also geläufig.

Thorsten:
Das war dann die Tour mit Michael und Bubi. Ich habe damals 1990 Extrabreit in Iserlohn gesehen, in der Phant. 5 Besetzung - das war total geil. 90 Minuten mitgesungen. Wie eignest Du Dir das Material an? Spielst Du es exakt nach Platte oder bringst Du auch eine eigene Note ein?

Lars:
Teil, teils. Ich höre mir die Stücke genau an, höre mir die Basslinie genau an, wer da wo was gespielt hat. Inzwischen gibt es ja teilweise mehrere Versionen der Stücke auf CD. Ich versuche das zu kopieren, so daß der Charakter der Stücke nicht verloren geht. Es gibt aber auch mal Stücke, wo ich was umdrehe. Das spreche ich vorher ab mit Stefan, ob das ok ist, wenn ich das so spiele. Wenn dann das "d`accord" kommt, spiele ich das so wie ich es denke. Ansonsten improvisieren wir auch auf der Bühne während des Spielens bei manchen Stücken. Das geht ja auch noch. Ansonsten versuche ich das ziemlich original zur Platte zu spielen. Hauptsächlich von den alten Platten, so wie das Hunter gespielt hat. Ich versuche mich da sehr nah an ihm zu orientieren.

Thorsten:
Bis auf das bekannte Lick von "Polizisten" könnte man ansonsten ja alles auch etwas variieren.

Lars:
Genau, das spiele ich auch so. Außer im Refrain, da kann man schon etwas variieren. Aber dieses Riff an sich auf H und E, daß muß vom Baß eben so gespielt werden.

Thorsten:
Ich habe da so eine Live-Aufnahme von 1996 und da spielt der Bassist irgendwie etwas anders und es klingt auf einmal völlig ungewohnt.

Lars:
Das kann gut sein.

Thorsten:
Kennst Du eigentlich alle Extrabreit Platten?

Lars:
Hm, die haben ja extrem viele Platten gemacht. Also, alles kenne ich noch nicht, was sie so an Material produziert haben. Aber wahrscheinlich das meiste. Wir hören uns die Stücke ja im Proberaum auch an und überlegen, was man noch dazu nehmen kann. Wir haben ja jetzt auch neue Stücke - also neue alte Stücke - ins Programm genommen, die schon vor längerer Zeit aufgenommen wurden. Auch Sachen, die selten live gespielt wurden, weil sie nicht so populär waren. Z.B. "Der Führer", das haben die wohl 1991 mal live gespielt, das spielen wir ja auch immer wieder.

Thorsten:
Den Titel hatte ich vorher auch nicht live gehört. Ich hatte, als ich 1990 die Reunion Tour gesehen habe gehofft, daß sie quasi die ersten 3 Platten komplett runterspielen. Das war ein Wunschtraum. Die haben ca. 90 Minuten der ersten Platten gespielt und dann als Zugabe "Sturzflug" und "Flieger" wiederholt. Das fand ich damals so bescheuert. Da hätten sie ruhig z.B. "den Führer" oder so spielen dürfen.

Lars:
Das ist das schwierige, wie man das Programm gestaltet. Manchmal denkt man bei manchen Auftritten, wo das Publikum eher breit gestreut ist, z.B. auf den NDW Festivals, es biete sich an mit "Flieger" anzufangen und mit "Flieger" aufzuhören. Weil das wollen die Leute hören. Die kennen Extrabreit von diesen Stücken. Da können wir "Hurra hurra" oder "Flieger" zehnmal am Abend spielen (Anmerkung von Thorsten: das erklärt Geier Sturzflug in Kierspe!!!!!!!!!) und die würden immer wieder sagen "Jawoll, das sind die Stücke, die wir hören wollen!" Bei manchen Konzerten, wie Pelmke z.B. ist es für uns und für das Publikum sehr schön, Stücke zu spielen, die man sonst nicht live spielen kann, weil das sonstige Publikum mit denen nichts anfangen kann. Das ist dann für uns eine Herausforderung, dieses Material zu bringen, wo das Publikum eben primär wegen Extrabreit da ist.

Thorsten:
Ich hatte Euch ja in der Westfalenhalle gesehen, bei diesem 80er Jahre Festival. Das war genauso. Das Publikum wußte Perlen wie "Führer" und "Präsident" nicht zu schätzen und war am Bierstand um dann bei "Flieger" abzugröhlen um danach aufs Klo zu gehen. Das war grausam. Solche Festivals finde ich schlimm.

Lars:
Ja, das war dann auch für uns der Auslöser um zu überlegen, daß man bei manchen Festivals wirklich nur die ganz bekannten Stücke spielt.

Thorsten:
Ja, auch bei dem allerersten Gig waren es ja überwiegend die Singles. Juhnke, Knef usw.

Lars:
Ja, das was man kennt. Da kann man nichts Experimentelles reinbringen.

Thorsten:
Da ist auch die Zeit nicht da.

Lars:
Wir wollen ja auch keine Playback Band werden. Wir haben da genug Angebote gehabt, aber wir wollen live spielen. So eine Tour durch Spanien war geplant mit Frl. Menke und solchen Playbackgeschichten. Das haben wir dann aber abgelehnt.

Thorsten:
Jetzt sind ja im Tourplan auch zwei NDW Geschichten dabei. Wo die typischen Bierzeltkombos wie Geier Sturzflug usw. auftreten werden. Da seid Ihr ja eher fehl am Platze. Extrabreit will ja eigentlich weg von dem NDW Image und muß dann nach Frl. Menke auftreten...

Lars:
Der Name Extrabreit steht in den Köpfen der Leute einfach für die Neue deutsche Welle. Das wird auch immer so bleiben. Extrabreit ist für die Leute das Flagschiff der NDW gewesen. Deswegen werden dort auch angeboten und es paßt ja thematisch in den Rahmen rein. Es muß aber dafür auch live rüberkommen. Das klappt in der Regel und wir haben da auch gute Erfolge erziehlt.

Thorsten:
Die Playbackauftritte in den Fußballstadien, da ist ja der Aufwand zu groß und das ist ja wahrscheinlich sowieso nur Fun - vor allem auch für die Band selbst, bei den Kulissen. Oder für Kai bei seinem Lieblingsverein...

Lars:
Genau, das war auch eine sehr schöne Erfahrung. Das war grandios. Ich habe ja auch von anderen Musikern gehört, die dort aufgetreten sind, z.b. Right Said Fred, die sind da untergegangen. Bei uns haben sie mitgesungen und die Fahnen geschwenkt. Das war ein guter Erfolg, weil das sind ja auch die richtigen Kritiker! Daß das da angekommen ist, ist ein gutes Zeichen. Vor so viel Leuten zu spielen, ok Playback, zu stehen und sich zu präsentieren ist natürlich eine schöne Erfahrung gewesen, für mich zumindest.



 

Ende Teil 2
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