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Lars:
Die erste Popscheibe, die ich mir gekauft habe
und die damals aktuell war, als ich 13, 14 war:
Rick Astley.
Thorsten:
Oh Gott. "Never gonna give you up". Stock,
Aitken, Waterman?
Lars:
Genau. Danach kam aber dann sofort Grönemeyer!
Sehr ambivalient.
Thorsten:
Und was hast Du aktuell für Lieblingsbands oder
-Songs?
Lars:
Ganz unterschiedlich. Ich höre zur Zeit sehr
viele Musikstile. Ich höre Punkmusik, sehr viel
Jazz-Musik - Miles Davis und so was. Auch
spanische und kubanische Musik. Alles quer Beet.
Thorsten:
Alles, was Du selbst nicht spielst. Vielleicht
als Ausgleich?
Lars:
Ja, kann sein. Ich versuche mich immer auf jedem
Gebiet weiterzubilden. Ich habe an der
Uni-Dortmund auch noch eine Jazzband und mache
Jazzmusik. Das mache ich halt nebenbei, wenn es
noch klappt. Da spiele ich auch Kontrabaß und
das ist mal was anderes und macht richtig Spaß.
Thorsten:
Ohne Bünde, stelle ich mir immer schwierig vor.
Lars:
Ist was anderes. Es macht aber auch Spaß. Ich
will mich auf dem musikalischen Sektor immer
weiter bilden. Das ist meine Devise. Nicht an
einem Musikstil kleben sondern auch alles
weitere. Auch für mich. Ich spiele auch viel
Klassik. Ich streiche ja auch Kontrabaß und auf
dem Klavier mache ich eben hauptsächlich
Klassik.
Thorsten:
Da dürftest Du Dich von dem Rest der Band aber
unterscheiden. Da gibt es dann überwiegend
"Bratgitarre" in verschiedensten Formen. Da war
ja wahrscheinlich die Knefgeschichte schon das
extremste in eine andere Richtung.
Lars:
Das ist aber auch genial gemacht. Wie Stefan die
Gitarre komponiert zu solchen Stücken ist genial
gemacht. Ich bin immer überrascht, was er mit
seinem Gitarrensound, den Akkorden und einem
ähnlichen Musikstil, den er immer wieder macht -
er hört ja auch was anderes - produziert. Diese
Riffs finde ich grandios. Man muß nicht viel
theoretisches Wissen haben. Wenn man seinen Stil
verfolgt, kann man auch sehr viel Erfolg mit
haben.
Thorsten:
Wie bist Du zu Extrabreit gekommen?
Lars:
Eigentlich ganz einfach. Seit 1995 kenne ich
Bubi und Rolf. Ich habe damals bei denen bei
"GREEN" den Backliner gemacht und mußte da
natürlich auch aufbauen und den Soundcheck
machen. Bei einem Soundcheck war der damalige
Bassist Michael Grimm nicht dabei. Ich habe dann
den Soundcheck für den Baß gemacht. Michael ist
später dann ausgestiegen aus der Band, weil er
keine Zeit mehr hatte und ich bin dann als
Bassist zu "GREEN" gekommen und habe dadurch
dann Rolf und Bubi kennengelernt 1995. Mit Bubi
und Rolf habe ich dann zuerst "GREEN" weiter
gemacht. Später sind dann Rolf und der Keyborder
ausgestiegen so 1996. Bubi und ich haben dann
später ein Crossover Projekt gestartet mit
jungen Leuten, was sich dann vom Grunge in
Richtung Hip-Hop entwickelt hat. Ich kannte Bubi
und Rolf also schon sehr lange und so lag es
nahe, mich als Extrabreit Bassist vorzuschlagen.
Thorsten:
Mußtest Du dann noch eine Audition machen oder
war es vom Grunde her klar, wenn Dich zwei
vorschlagen?
Lars:
Wir haben uns dann einmal getroffen. Es war noch
ein anderer Kandidat im Gespräch - ein
Konkurrenz-Bassist, das war mir bewußt. Ich
wurde aber auch von Stefan eingeladen und wir
haben einen Termin in der Rockranch gemacht. An
einem Sonntagnachmittag wollten die eben mal so
gucken, wie der so drauf ist, was der macht, wie
der so spielen kann und das war wohl Kai und
Stefan genehm...
Thorsten:
Das war dann im Sommer letzten Jahres.
Lars:
Ja, so ungefähr vor genau einem Jahr. Im Juli
ist das gewesen.
Thorsten:
Im August war der Gig in Bochum. Das war ja eine
ganz große Überraschung, daß die Band wieder
rauskommt. Wenn man jetzt zum Beispiel den
Bochumer Gig vergleicht mit heute, da liegen
musikalisch wirklich Welten zwischen. Ihr habt
Euch wirklich verbessert, auch wenn es damals
natürlich nicht schlecht war. Jetzt klingt das
alles aber viel kompakter!
Lars:
Das freut natürlich zu hören.
Thorsten:
Umgekehrt wäre es natürlich schlecht...
Lars:
(Grinst) Das wäre nicht so schön!
Thorsten:
Wie sehen jetzt Deine Mitgliedschaftsrechte aus?
Stefan hat mir ja damals was von "Vollmitglied"
etc. erzählt. Bist Du quasi Angestellter der
Band.
Lars:
Ja, ich bin Angestellter der Band.
Thorsten:
Wer ist Vollmitglied?
Lars:
Das sind alle außer ich. Bubi, Kai, Stefan und
Rolf sind Mitglieder von Extrabreit und ich
werde normal bezahlt. Ich bin noch kein Mitglied
und bin quasi der bezahlte Extrabreit-Musiker.
Thorsten:
Das läuft dann wahrscheinlich über ein
Gighonorar?
Lars:
Genau.
Thorsten:
Für die DVD bekommst Du aber dann sicher noch
einen Zuschlag oder eine Prämie....
Lars:
Keine Ahnung. Ich hoffe, daß ändert sich nochmal.
Kleiner Wink! Nein, ich weiß es nicht. Das
müssen die entscheiden, wie das weiter geht. Es
war ja erstmal "erst mal gucken, was so geht".
Erstmal einspielen und schauen.
Thorsten:
Kommt ja auch darauf an, ob die Band nun
weitermacht oder ob was dazwischen kommt, weil
keiner mehr Bock hat oder so oder ob die
Projekte in den Sand gesetzt werden, weil das
Publikum (die Breite Masse) keinen Bock mehr auf
Extrabreit hat.
Lars:
Wir haben uns vorgenommen, dieses Jahr erstmal
zu spielen, zu schauen was daraus wird. Das ist
die Devise derzeit!
Thorsten:
Bisher sind es ja überwiegend Festivalgigs
gewesen, wo die Band gebucht wird. Man muß sich
dann selber nicht um Karten, Location o.ä.
kümmern. Man bekommt eine Festgage und wenn
Tausend kommen oder nur Hundert ist das nicht
Problem der Band.
Lars:
Genau! Das ist die Devise. Einfach spielen, die
Band bekannt machen, damit die Leute wissen, die
Band existiert wieder! Vielleicht ändert sich
das ja noch mal mit der Mitgliedschaft - würde
mich natürlich freuen, aber dazu kann ich
natürlich nichts sagen.
Thorsten:
Wäre ja interessant, was die nächsten Projekte
oder die Re-Releases so bringen.
Lars:
Genau, aber dazu kann ich nichts sagen, weil ich
das geschäftliche überhaupt nicht mache. Ich
bekomme mein Geld nach dem Auftritt und bin
damit sehr zufrieden. Die Band macht mir sehr
viel Spaß. Die ganze Community an sich ist gut!
Thorsten:
Man sieht das ja auch. Ihr spielt meistens an
den Wochenende. Samstag, Sonntag zwei Gigs ist
am Samstag irgendwo einquartiert und in der
Woche kann jeder wieder was anderes machen.
Lars:
Genauso ist das zur Zeit. Das macht unglaublich
viel Spaß! Für mich ist das mein Leben, das
Musikerleben. Das basiert auf dem Hin- und
herfahren. Gucken, was das für eine Location
ist. Ins Hotel fahren ist für mich was neues
aber ich finde das super. Du bist einfach mit
der Band das ganze Wochenende unterwegs und
lernst sie natürlich sehr gut kennen und man
verbringt eine sehr gute Zeit miteinander! Auf
der Bühne ist dann vor dem Auftritt diese
Nervosität, die man ja auch braucht.
Thorsten:
Die hast Du aber noch?
Lars:
Ja. Nicht jetzt großartig, daß ich jetzt so
nervös bin, daß ich denke "ich verspiel mich
jetzt andauernd", das nicht. Es macht mir
einfach Spaß. Ich bin dann eher so "fickerig"
endlich spielen zu dürfen. Bei mir überwiegt
noch dieses "ich will unbedingt spielen." Vor
jedem Auftritt denke ich "wann ist es endlich so
weit"! Bei den anderen, vor allen bei Stefan und
Kai ist das anders, da ist ja auch noch viel
mehr Druck dahinter. Die haben die Band von
Anfang an mitgemacht und stehen für den Namen
Extrabreit. Ich spiele da ja quasi nur Baß. Für
mich ist der Druck da nicht so groß, wie bei den
anderen Musikern! Das ist aber auch ok. Mir
macht es einfach Spaß. Ich will Musik machen.
Ich will spielen. Das breitet sich auch immer
auf mein positives Grundgefühl aus. Mir geht aus
immer gut, wenn ich spielen.
Thorsten:
Was für Material kanntest Du von der Band, bevor
Du eingestiegen bist?
Lars:
Ich kannte aus dem Bereich meiner Familie, von
den jüngeren Onkel (z) und Tanten, Extrabreit,
weil die eben in der Zeit der NDW aufgewachsen
sind. Die wohnten bei uns direkt nebenan und
Extrabreit war für mich immer ein Begriff und
eben die Hits. Das andere Material habe ich dann
1991 kennengelernt durch den damaligen
Extrabreit-Bassisten Michael Grimm. Das war mein
Nachbar. Durch ihn bin ich dann quasi erstmal
zur Extrabreit Musik gekommen. Er hat mir dann
auch mal Promo-Scheiben mitgebracht über die ich
mich sehr gefreut habe. Ich habe dann auch in
Iserlohn in der Parkhalle das Abschlußkonzert
1991 gesehen. Also die Musik von Extrabreit war
mir also geläufig.
Thorsten:
Das war dann die Tour mit Michael und Bubi. Ich
habe damals 1990 Extrabreit in Iserlohn gesehen,
in der Phant. 5 Besetzung - das war total geil.
90 Minuten mitgesungen. Wie eignest Du Dir das
Material an? Spielst Du es exakt nach Platte
oder bringst Du auch eine eigene Note ein?
Lars:
Teil, teils. Ich höre mir die Stücke genau an,
höre mir die Basslinie genau an, wer da wo was
gespielt hat. Inzwischen gibt es ja teilweise
mehrere Versionen der Stücke auf CD. Ich
versuche das zu kopieren, so daß der Charakter
der Stücke nicht verloren geht. Es gibt aber
auch mal Stücke, wo ich was umdrehe. Das spreche
ich vorher ab mit Stefan, ob das ok ist, wenn
ich das so spiele. Wenn dann das "d`accord"
kommt, spiele ich das so wie ich es denke.
Ansonsten improvisieren wir auch auf der Bühne
während des Spielens bei manchen Stücken. Das
geht ja auch noch. Ansonsten versuche ich das
ziemlich original zur Platte zu spielen.
Hauptsächlich von den alten Platten, so wie das
Hunter gespielt hat. Ich versuche mich da sehr
nah an ihm zu orientieren.
Thorsten:
Bis auf das bekannte Lick von "Polizisten"
könnte man ansonsten ja alles auch etwas
variieren.
Lars:
Genau, das spiele ich auch so. Außer im Refrain,
da kann man schon etwas variieren. Aber dieses
Riff an sich auf H und E, daß muß vom Baß eben
so gespielt werden.
Thorsten:
Ich habe da so eine Live-Aufnahme von 1996 und
da spielt der Bassist irgendwie etwas anders und
es klingt auf einmal völlig ungewohnt.
Lars:
Das kann gut sein.
Thorsten:
Kennst Du eigentlich alle Extrabreit Platten?
Lars:
Hm, die haben ja extrem viele Platten gemacht.
Also, alles kenne ich noch nicht, was sie so an
Material produziert haben. Aber wahrscheinlich
das meiste. Wir hören uns die Stücke ja im
Proberaum auch an und überlegen, was man noch
dazu nehmen kann. Wir haben ja jetzt auch neue
Stücke - also neue alte Stücke - ins Programm
genommen, die schon vor längerer Zeit
aufgenommen wurden. Auch Sachen, die selten live
gespielt wurden, weil sie nicht so populär
waren. Z.B. "Der Führer", das haben die wohl
1991 mal live gespielt, das spielen wir ja auch
immer wieder.
Thorsten:
Den Titel hatte ich vorher auch nicht live
gehört. Ich hatte, als ich 1990 die Reunion Tour
gesehen habe gehofft, daß sie quasi die ersten 3
Platten komplett runterspielen. Das war ein
Wunschtraum. Die haben ca. 90 Minuten der ersten
Platten gespielt und dann als Zugabe "Sturzflug"
und "Flieger" wiederholt. Das fand ich damals so
bescheuert. Da hätten sie ruhig z.B. "den
Führer" oder so spielen dürfen.
Lars:
Das ist das schwierige, wie man das Programm
gestaltet. Manchmal denkt man bei manchen
Auftritten, wo das Publikum eher breit gestreut
ist, z.B. auf den NDW Festivals, es biete sich
an mit "Flieger" anzufangen und mit "Flieger"
aufzuhören. Weil das wollen die Leute hören. Die
kennen Extrabreit von diesen Stücken. Da können
wir "Hurra hurra" oder "Flieger" zehnmal am
Abend spielen (Anmerkung von Thorsten: das
erklärt Geier Sturzflug in Kierspe!!!!!!!!!) und
die würden immer wieder sagen "Jawoll, das sind
die Stücke, die wir hören wollen!" Bei manchen
Konzerten, wie Pelmke z.B. ist es für uns und
für das Publikum sehr schön, Stücke zu spielen,
die man sonst nicht live spielen kann, weil das
sonstige Publikum mit denen nichts anfangen
kann. Das ist dann für uns eine Herausforderung,
dieses Material zu bringen, wo das Publikum eben
primär wegen Extrabreit da ist.
Thorsten:
Ich hatte Euch ja in der Westfalenhalle gesehen,
bei diesem 80er Jahre Festival. Das war genauso.
Das Publikum wußte Perlen wie "Führer" und
"Präsident" nicht zu schätzen und war am
Bierstand um dann bei "Flieger" abzugröhlen um
danach aufs Klo zu gehen. Das war grausam.
Solche Festivals finde ich schlimm.
Lars:
Ja, das war dann auch für uns der Auslöser um zu
überlegen, daß man bei manchen Festivals
wirklich nur die ganz bekannten Stücke spielt.
Thorsten:
Ja, auch bei dem allerersten Gig waren es ja
überwiegend die Singles. Juhnke, Knef usw.
Lars:
Ja, das was man kennt. Da kann man nichts
Experimentelles reinbringen.
Thorsten:
Da ist auch die Zeit nicht da.
Lars:
Wir wollen ja auch keine Playback Band werden.
Wir haben da genug Angebote gehabt, aber wir
wollen live spielen. So eine Tour durch Spanien
war geplant mit Frl. Menke und solchen
Playbackgeschichten. Das haben wir dann aber
abgelehnt.
Thorsten:
Jetzt sind ja im Tourplan auch zwei NDW
Geschichten dabei. Wo die typischen
Bierzeltkombos wie Geier Sturzflug usw.
auftreten werden. Da seid Ihr ja eher fehl am
Platze. Extrabreit will ja eigentlich weg von
dem NDW Image und muß dann nach Frl. Menke
auftreten...
Lars:
Der Name Extrabreit steht in den Köpfen der
Leute einfach für die Neue deutsche Welle. Das
wird auch immer so bleiben. Extrabreit ist für
die Leute das Flagschiff der NDW gewesen.
Deswegen werden dort auch angeboten und es paßt
ja thematisch in den Rahmen rein. Es muß aber
dafür auch live rüberkommen. Das klappt in der
Regel und wir haben da auch gute Erfolge
erziehlt.
Thorsten:
Die Playbackauftritte in den Fußballstadien, da
ist ja der Aufwand zu groß und das ist ja
wahrscheinlich sowieso nur Fun - vor allem auch
für die Band selbst, bei den Kulissen. Oder für
Kai bei seinem Lieblingsverein...
Lars:
Genau, das war auch eine sehr schöne Erfahrung.
Das war grandios. Ich habe ja auch von anderen
Musikern gehört, die dort aufgetreten sind, z.b.
Right Said Fred, die sind da untergegangen. Bei
uns haben sie mitgesungen und die Fahnen
geschwenkt. Das war ein guter Erfolg, weil das
sind ja auch die richtigen Kritiker! Daß das da
angekommen ist, ist ein gutes Zeichen. Vor so
viel Leuten zu spielen, ok Playback, zu stehen
und sich zu präsentieren ist natürlich eine
schöne Erfahrung gewesen, für mich zumindest.
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