Extrabreit - Kurier

Gut zwei Jahre nach dem ersten Interview mit Stefan war es endlich soweit. Am 23.04.05 führte Thorsten das letzte fehlende Interview dieser Rubrik mit niemand anderem als Kai Havaii himself. Bei strahlendem Sonnenschein stand Kai Rede und Antwort.
Kai und Thorsten besten Dank für diese interessanten Zeilen !

 

*** Interview mit Kai - Teil 1 ***

Interview mit Kai Havaii vom 23.04.2005 in Hagen:

Thorsten: So, dann sage ich erst mal „Danke“ für den Hinweis auf dem Booklet von „Frieden“ an die Fliegerrunde.

Kai Havaii: Ja, das habt Ihr ja auch wirklich mal verdient. Da hat man sich doch schon dran gewöhnt an die Gesichter…

Thorsten: Auf dem Docks Video sieht man ja fast nur die erste Reihe – sieht man auch nicht mehr von der Bühne aus?

Kai Havaii: Ja, die Kameras waren so positioniert. Es gibt aber, und ich hätte mir gewünscht, dass da mehr von rein geschnitten worden wäre… ich habe aber so ein wenig die MAWA im Verdacht, dass die auch Bänder verschlört haben. Wir hatten noch Mini-DVs und da ist ein Freund von mir durch die Menge gegangen und hat immer so Closeups von den Leuten gemacht. Da ist merkwürdiger Weise kaum was zu sehen.

Thorsten: Die erste Reihe ist ja sehr häufig zu sehen – gerade die Kollegen der Fliegerrunde...

Kai Havaii: Ja, das ist fast schon wie ein Privatvideo für die.

Thorsten: Da gibt es tolle Aufnahmen, wie Moni „Augen zu” mit singt und auch die Szene, wo „Annemarie bitte fick mit mir” auf Schildern hochgehalten wird.

Kai Havaii: Ja, genau (grinst).

Thorsten: Zu Deinem Namen: Ich habe mal nachgeschaut, daß auf den ganzen frühen LPs die Schreibweise immer unterschiedlich ist. Mal mit „ei“ mal mit „ai“, mit „v“ mit „w“….

Kai Havaii: Ja, das ist wahr, da kannst Du mal sehen, wie verwirrt wir immer waren – konnten uns nicht entscheiden. Wie der Name selbst entstanden ist, das weißt Du ja, die Geschichte ist wirklich wahr. Es war die ganze Zeit so, dass ich das Gefühl hatte, aus reiner Egozentrik, dass ich das anders schreiben muß, als man Hawaii normaler Weise schreibt. In der Tat ist das auf der ersten Platte wohl mit „vei“ geschrieben.

Thorsten: Ja, und Kai mit “e”.

Kai Havaii: Nein – das glaube ich nicht.

Thorsten: Doch doch, das hat sich immer „gereimt” bei allen Schreibweisen.

Kai Havaii: Mmh, das kann ich jetzt gar nicht mehr so sagen. Wenn Du das sagst, dann wird das wohl stimmen… Irgendwann hatte ich mich dann entschieden es wie Hawaii eben nur mit „v“ zu schreiben. Und das ist natürlich auch schwierig, weil viele sog. Medienpartner es dann auch nicht raffen und es immer wieder anders schreiben. Gut, das ist jetzt nicht soo schlimm. Viel kurioser ist, dass es da so einen Typen im Hannoverischen Raum gibt, irgend so einen DJ gibt, der auch Platten macht oder produziert, der nennt sich Kai Hawaii. Das hat schon oft zur Verwirrung geführt. Ich hatte mal überlegt, ob ich den Typen mal anfunken soll um zu fragen, was das soll. Ich kriegte manchmal Post von der GEMA und da hieß es dann „wann ich denn beabsichtige, da gewisse Vorschüsse abzutragen“ oder einen Anruf vom Hotel, wo es hieß, „dass ich noch 20 Handtücher zurückbringen soll“. Alles solche Dinge!

Thorsten: Als ich vor einigen Jahren wieder intensiv mit dem Sammeln von Extrabreit angefangen habe, haben mir auch Tauschpartner ganz seltene Aufnahmen kopiert, die angeblich von Dir waren – es war aber völliger Techno-Schrott. Das musste ich denen dann erst mal erklären.

Kai Havaii: Es kommt immer mal wieder vor, daß Leute verstört sind, weil sie irgendwo ein Plakat gesehen haben. Wie gesagt, der wirkt da so in Hannover in der Gegend.

Thorsten: Das war komischer Weise auch die Phase, wo Du mit “X-Brite” diese Techno-Version von “Polizisten” eingespielt hattest.

Kai Havaii: Stimmt, da war es dann die komplette Verwirrung.

Thorsten: Spielst Du ein Instrument?

Kai Havaii: Nicht wirklich. Ich habe mir im Laufe der Jahre so draufgeschafft, so mit dem Keyboard zu arbeiten, daß ich komponieren kann. Aber ich würde das nicht auf der Bühne spielen und auch nicht unbedingt im Studio. Das habe ich zwar auch schon mal gemacht – ich weiß, dass ich bei „Europa“ so mal die Tasten gedrückt habe, aber das ist auch ehrlich gesagt nicht mein Ehrgeiz. So lange ich komponieren kann und das dann weiter entwickeln kann, mit Stefan oder in dem Fall auch mal mit der Unterstützung von Heiwi Esser – ein sehr guter Musiker, der kann auch klasse Tasten spielen - das reicht dann.

Thorsten: Du hast ja auch bei dem Demo von “A day in the life” auf der “Unerhört” Drums gespielt.

Kai Havaii: Ja, das stimmt aber naja, das würde ich jetzt nicht als ernsthaftes Schlagzeugspielen bezeichnen. Zu der Zeit konnte man so was machen, da konnte man einfach mal so einen Beat so laufen lassen. Das hat mir damals auch Spaß gemacht aber ich habe mich schon ewig nicht mehr ans Schlagzeug gesetzt.

Thorsten: In der Story stand ja auch drin, daß das Schlagzeug bei “Polizisten” auf Deiner Idee basiert.

Kai Havaii: Ja! Richtig ist, daß ich eine ziemlich klare Vorstellung hatte von dem Song. Da ist ja zuerst der Text da gewesen, den ich eines schönen regnerischen Abends alleine in unserem Büro in der Augustastraße geschrieben hatte. Ich hatte eine gewisse Vorstellung,  wie die Musik sein könnte. Wir haben dann angefangen und ich habe versucht die Atmosphäre zu erklären und um das zu illustrieren, habe ich mich dann ans Schlagzeug gesetzt und gesagt „lasst uns mal so einen Doppelschlag machen“. Ich weiß nicht mehr, wo das her kam. Das war so ein bisschen inspiriert von „The Cure“ oder so, ohne, dass das nun direkt von denen übernommen worden ist. Das fanden alle dann ganz gut und so hat Rolf das dann übernommen.

Thorsten: Das ist ja mit das markanteste an dem Song – diese spartanische Instrumentierung, mit dem Bass und dann – das Stefan mir mal so gesagt, das „Hugo Montenegro Gitarrensolo“ usw.

Kai Havaii: Ja, da erinnere ich mich gerne, als das Stück so entstanden ist. Wir haben damals in Wetter im Kino geprobt, was dann auch „Rockpalast“ war. Wir waren da nachmittags drin und haben den ganzen Tag an der Nummer rumgeschraubt, gerade das Solo, und immer wieder diskutiert „das müsste noch auf einem anderen Ton enden“… Noch mal rumprobiert und irgendwann hatten wir es dann und in der Tat, wie es auch in der Story drin steht, kam dann Jörg Hoppe abends und wir haben es ihm vorgespielt und er nur: „das isses, das isses“ (lacht)… Das sind historische Momente, da erinnert man sich gerne.

Thorsten: Im Wahrheit Video gibt es ja so eine Proberaumaufnahme, vermutlich aus der Rockranch.

Kai Havaii: Ja, das ist aus der Rockranch. Ist das aus dem Wahrheit Video?

Thorsten: Ja, das ist dieser österreichische Beitrag, der auch im Video gelandet ist.

Kai Havaii: Stimmt – Dolezal und Rossacher haben das gemacht. Die hatten damals eine sehr beliebte Sendung im österreichischen Fernsehen, die auch Maßstäbe setze damals. Die machten Dinge, die man sonst nicht machte, waren also sehr modern und galten als innovativ. Das war auch der Grund, dass wir mit denen das Video „Kleptomanie“ gedreht haben. Das war auch deren erster Videoclip, übrigens.

Thorsten: Was machst Du beruflich, außerhalb von Extrabreit?

Kai Havaii: Ich habe in den letzten Jahren auch damit Geld verdient, dass ich im TV-Bereich gearbeitet habe.

Thorsten: Me, Myself and Eye?

Kai Havaii: Richtig, ich mache auch jetzt hin und wieder was für die. Ich habe das, wobei es darum geht, auch von der Pieke aus gelernt – wenn man es so will im Crashkurs. In zwei Jahren, da war ich auch fest bei der Firma. Es ergab sich so, dass ich mit Jörg Hoppe, gerade schon mal erwähnt, der frühere Manager von Extrabreit und ein alter Freund, so 1999 / 2000 getroffen habe. „Was machst Du denn so?“ Ich hatte auch wieder viel mit Cartoons gemacht und sogar Veröffentlichungen im „Eulenspiegel“. Aber das ist natürlich wahnsinnig mühsam, sich da hochzuarbeiten. Jörg fragte mich, ob mich das Fernsehen mal interessieren würde. Ok – dann bin ich dann zwei Jahre fest bei MME gewesen. Das war sehr interessant und ich habe auch eine Menge gelernt, aber ich habe dann doch gemerkt, dass es mir sehr schwer fällt immer in diesen Strukturen zu sein. Man ist das so in Strukturen und Hierarchien eingebunden und gerade im Medienbereich ist da schon manches sehr verrückt und überspannt und ich hatte dann den Wunsch, wieder unabhängig zu werden. Das hat sich sehr gut entwickelt, dass ich heute hin und wieder was mache. Das mache ich aber dann zu Hause am Schreibtisch, recherchiere und schreibe konzeptionelle Dinge. Ich habe jetzt gerade ein langes Treatment geschrieben – 40 Seiten – als Drehbuchgrundlage für ein Doku-Drama über die Sängerin „Alexandra“ – „Zigeunerjunge“ uns so…

Thorsten: Die ist bei einem Autounfall um Leben gekommen!

Kai Havaii: Genau, deren kurze Karriere dauerte so von 1966 bis 1969 bis sie dann starb und es war interessant, und darum ging es auch, herauszuarbeiten, die Dinge für die sie stand, nämlich so eine romantische Taiga Sehnsucht und das was gleichzeitig in der Bundesrepublik los war. Das waren ja die wildesten Jahre. Wie sich also hier Leben und ihre Karriere abspielte vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Ereignisse. Das habe so in zwei Ebenen, die sich so überblenden, ausgearbeitet. So was macht mir sehr viel Spaß und das soll als Grundlage für ein Drehbuch von Burkard Driest dienen. Schaun wir mal, das soll so im Jahre 2006 aktuell werden.

Thorsten: Was wäre aus Dir geworden, wenn Du nicht bei den Breiten reingeschlittert wärst?

Kai Havaii: Das hat mich gestern beim Wochenkurier auch jemand gefragt! Ich nehme mal an, dass ich in dem Bereich Grafik oder Cartoons versucht hätte, meinen Weg zu machen.

Thorsten: Du hast doch damals auf Lehramt studiert.

Kai Havaii: Nein, Lehrer wollte ich damals nicht werden. Aber Du hast Recht, ich habe angefangen Germanistik und Geschichte zu studieren und da gibt es ja nicht viele Möglichkeiten. Da studierst Du auf Lehramt oder auf Magister. Ich habe das gemacht, weil mich die Gebiete interessierten, weniger mit der klaren Vorstellung, Lehrer zu werden. Man musste sich beim Studienziel ja entscheiden und da hieß es dann „Sekundarstufe II“. Ich habe aber nie ernsthaft darüber nachgedacht, Lehrer zu werden. Ich habe das angefangen um zu sehen, was dabei rauskommt und überhaupt meine historischen und literarischen Interessen zu pflegen. Aber nach drei Semestern ging mir das doch ziemlich auf den Geist. Gerade in Germanistik war das eine endlose Laberei. Du fängst da natürlich erst mal an mit Grammatik, Syntax, Semiotik und solchen Dingen. Das ist schon ziemlich trocken. Auch hat mir die Ruhr-Uni nicht gefallen. Das war ja eine der ersten Massenbetriebe, wo man immer auf die Schilder gucken musste um zu wissen, wo man überhaupt ist, weil das ja überall gleich aussieht. Ich habe dann gesagt, dass das nichts ist und ich lieber was machen möchte, wo was anfassbares rauskommt. Ich bin dann auf Grafik umgesattelt und hatte meine Aufnahmeprüfung auch bestanden an der FH Dortmund. Das war aber dann schon die Zeit, wo es mit der Band losging.

Thorsten: Ich habe, als Deine Mutter verstorben ist über die Traueranzeigen, festgestellt, dass Deine Mutter ja auch in dem Werbebereich gearbeitet hat.

Kai Havaii: Ne, das ist anders. Mein Vater ist ursprünglich Grafiker gewesen, hat sich dann entwickelt zum Werberberater und hat selber auch eine Werbeagentur gehabt. Meine Mutter war dann dabei, hat sich aber um die Texte gekümmert.

Thorsten: Das heißt Du warst also schon familiär vorgebildet und geprägt.

Kai Havaii: Ja, das wurde dann auch ausgesprochen gefördert, die Zeichnerei. Man bekam dann auch immer Bestätigung. Ich habe in der Firma meines Vaters, in der Zeit wo es mit Extrabreit losging, auch gearbeitet. Das war zuerst das Praktikum für`s Studium. Ich bin aber dann gleich 1,5 Jahre dort geblieben und habe dann auch schon für Werbung solche Dinge gezeichnet. Ich habe so kleine Comicfiguren entwickelt, für irgendeinen Hersteller von Schwimmbad-Filterreinigungsanlagen oder so – das war dann so ein Waschbär.

Thorsten: Ich habe gesehen, dass Du jetzt nebenher auch den „Dune“-Film synchronisiert hast. Wie kommt man an so was ran?

Kai Havaii: Stimmt. Weiß ich auch nicht. Der Ursprung war das mich ein ziemlich Verrückter Regisseur angesprochen hat, der selbst einen DVD-Vertrieb hat – Oliver Krekel. Der vermarktet Special-Editions von Kultfilmen hat aber selber auch einen Ehrgeiz als Regisseur und wollte einen Trailer drehen, für einen Science-Fiction-Horror-Film. Eine Mischung aus Science-Fiction und Zombie. Vollkommener Trash! Der sprach mich an, weil mich einer aus der Filmfirma Jahre zuvor mal interviewt hatte: „Wir brauchen so einen diabolischen Typen“. Ich dachte „Oh ja, hört sich gut an! Hört sich nach einer dankbaren Rolle an!“ Das habe ich dann auch gemacht. Bin nach München geflogen, habe in der Bavaria diesen Trailer gedreht und den gibt es ja auch.

Thorsten: Den habe ich. Den kann man als DVD kaufen.

Kai Havaii: Darüber wieder, als die dann wieder eine neue Special-Edition gemacht haben von „Dune“ - weil der Film eine Longversion ist, also länger als das Original, haben sie ihn komplett neu synchronisiert. Sie kamen ja auch teilweise an die Originalsprecher nicht mehr ran. Ich habe dann Sting synchronisiert. Das war nicht so wahnsinnig viel, weil so viel sagt er nicht in dem Film. Das klappte aber ganz gut. Ich bin da ja nicht der Vollprofi und man muß sich daran auch erst mal gewöhnen an das Timing. Man kann zwar heutzutage was schneiden und verschieben aber am besten ist immer wenn man nur einen Take hat und das durchsprechen kann. Das wirkt am natürlichsten. Das hat alles ganz gut geklappt, war aber eher so eine Episode am Rande.

Thorsten: Du hast vor ca. einem Jahr mal auf der Breitenseite ein paar lustige Comics veröffentlicht. Die waren echt lustig – so ein Ding mit einem Bären, der sich an einem Hasen den Arsch abwischt und so. Sind die irgendwo mal richtig erschienen?

Kai Havaii: Leider nicht, das ist nicht wirklich veröffentlicht worden. Ich habe das damals einem Freund gegeben, der eine Druckerei hat und der hat allerdings Postkarten davon herstellen lassen, in der „Edgar“-Postkartenform, einfach um da mal eine gewisse Verbreitung zu finden. Das lag dann in verschiedenen Kneipen so aus. Ich war dann verblüfft, als ich aufgrund eines Tips im italienischen Internet diese beiden Bilder dann auf einer Homepage gefunden habe, wo die dann abwechselnd so „aufgepoppt“ sind. Auf italienisch übersetzt aber schön fein säuberlich meinen Namen retuschiert!

Thorsten: Da bist Du ja auch mit Schlasse verzeichnet.

Du hast dann auch von „Polizisten“ eine Coverversion eingesungen, so was technomäßiges.

Kai Havaii: Ja, einmal habe ich das gemacht.

Thorsten: Zur der Wiedervereinigung: Gab es da von Eurer Seite Bedenken es wieder zu machen? Da gibt es ja logischer Weise von der öffentlichen Meinung immer dumme Sprüche!

Kai Havaii: Ja, wir und die öffentliche Meinung ist ja sowieso so eine Sache. Wir haben da ja ein ziemlich dickes Fell. Wir haben damals gedacht, dass es nicht schaden könnte, mal wieder zu spielen. Natürlich war uns klar, dass die Fragen kommen werden „Ihr habt Euch doch damals aufgelöst, was soll das jetzt?“ und so. Das ist aber im Grunde sehr leicht zu erklären. Wir haben das damals wirklich sehr ernst genommen. Wir hatten das Gefühl von Ausgebrandheit. Die Besetzung war auch damals keine, mit der man schwerere Zeiten durchstehen konnte. Die Chemie und Atmosphäre war nicht besonders. Das hört man ja auch auf „Amen“. Die ist ja eher introvertiert und deprimiert zum Teil sogar. Das war dann die Zeit, wo man einfach keine Lust mehr hatte und es gereicht hat. Aber Du weißt ja wie das ist. Wenn dann so die Jahre ins Land gehen und man darüber nachdenkt, dass es doch geil ist und es einem fehlt auf der Bühne zu stehen. Mehr war ja gar nicht geplant. Ich war ja mit Stefan immer in Kontakt, wir haben auch immer telefoniert und gefragt „was machst Du denn so“. „Ja, dies und das – Soloplatte gemacht“ – und dann kam eben die Getchenfrage „Hast Du auch schon mal darüber nachgedacht ..“ Natürlich hatte er. Ok, spielen wir er’s mal ein wenig. Im Grunde war es dann so wie 1990. Du hast ja gesehen, was daraus geworden ist. Es sind viele Konzerte geworden. Es war aber auch wichtig zu sehen, dass die Band gut funktioniert und in sich steht um überhaupt mit Zuversicht und Enthusiasmus an eine neue Platte ranzugehen. Aber wir standen dann vor der Frage, nachdem wir jetzt zwei Jahre lang gespielt hatten, „wie geht es weiter?“. Ohne neue Platte wäre es nur ein „Best off“ durch die Gegendgetingel gewesen. Wir haben dann gesagt, dass wir uns doch noch mal der öffentlichen Diskussion stellen wollen – und die ist ja momentan voll im Gange (lacht).

Thorsten: Die Story zur allerersten Platte, die ja auch auf der Homepage abgedruckt ist, die verstehe ich nicht ganz. Mit welcher Besetzung seid Ihr damals ins Studio gegangen? Es heißt, dass Horn während der Session raus sei, Rolf kam dann auch dazu, dann habe ich mal gehört, dass Carlos Spuren aus rechtlichen Gründen wieder gelöscht werden mussten und Frank Becking diese Parts nachgespielt hätte…

Kai Havaii: Da bin ich etwas verblüfft. Nach meiner Erinnerung ist das so gewesen: Wir sind ins Studio gegangen und es war von vorne herein klar, auch von dem Produzenten Hartwig Masurch, der eigentlich nur eine moderierende Rolle gespielt hat, dass Horn  für live ok war aber für das Studio ein Timing-fester Schlagzeuger gebraucht wurde. Damals konnte man ja auch nicht so viel tricksen. Das wurde dann mit Horn besprochen. Der war darüber natürlich nicht hocherfreut hat es aber hingenommen. Wir sind dann mit dem damaligen Drummer der „Ramblers“ Rüdiger Braune ins Studio gegangen und der hat das alles eingespielt. Es ist richtig, dass Rolf Möller einen Track drauf gespielt hat. Das war…

Thorsten: „Extrabreit“

Kai Havaii: Genau, das lag daran, dass wir uns erst zum Ende der Produktion entschieden haben, diesen Titel aufzunehmen, aber da war der Braune schon längst wieder ganz woanders. Da es eh dann dazu kam im Laufe dieser Wirren – ich weiß das nicht mehr genau – als würde es so aussehen, als würde man auch Horn in der Livebesetzung austauschen, hat man das mit Rolf dann gleich so ausprobiert. Nach meiner Erinnerung hat allerdings Carlo aber sehr wohl auf dem Album Gitarre gespielt. Ich bin sicher, dass er „Flieger“ gespielt hat. Frank Becking hat auch einiges gemacht, aber das was mir am prägnantesten in Erinnerung geblieben ist, ist sein Solo auf „Junge, wir können so heiß sein“.

Thorsten: Hat Horn auch bei der LP-Version von „Marmelade“ gespielt?

Kai Havaii: Mmh. Single, sowieso. So weit ich mich erinnere ist die LP-Version ja keine komplette Neuaufnahme, sondern wir haben nur Gesangsachen ausgetauscht…

Thorsten: Ne, die Instrumentierung müsste auch völlig neu sein… Das klingt ganz anders.

Kai Havaii: Tja, dann weißt Du mehr als ich. Dann müsste es aber so gewesen sein, dass es auch Braune war.

Thorsten: Angeblich soll aber Carlo aus rechtlichen Gründen wieder gelöscht worden sein.

Kai Havaii: Das glaube ich nicht so richtig. Kann ich mir auch nicht vorstellen. Ich wüsste auch keine rechtlichen Gründe, denn als Carlo zu uns kam war ausgemacht, dass er mit uns live spielt und auch im Studio was mit uns macht. Es war auch immer klar, dass er nicht für immer da bei bleibt. Er wohnte ja auch in Berlin zu dem Zeitpunkt und hatte auch immer die Ambition eine eigene Band zu machen um eine größere Rolle zu spielen. Deswegen war es von vorneherein klar, dass es zeitlich begrenzt war. Er hat aber natürlich durchaus sein Scherflein dazu beigetragen.

Thorsten: … auch als Komponist. Ich glaube er ist bei „110“ gelistet.

Kai Havaii: Richtig, „110“ da ist er mit dem Grundriff angekommen.

Thorsten: Das Cover von der ersten LP – ist das eine Zeichnung von Dir? Ich meine jetzt diese Frau, der Kopf stammt ja aus einem Comic.

Kai Havaii: Nein, das ist so wie wir damals oft gearbeitet haben ausgeschnitten aus einer alten Zeitschrift. Wir haben ja so immer ersatzteilmäßig mit Schnipseln gearbeitet und ich glaube sogar, es ist eine alte Persil-Reklame.

Thorsten: Den Kopf habt Ihr ja gekauft, diesen Stevie!

Kai Havaii: Später! Erst mal haben wir den uns auch sozusagen „angeeignet“. Wir fanden die Zeichnung in einem Underground Magazin und wie es damals üblich war, ohne jegliche Angaben von Copyright oder so und nahmen an, dass das aus Ami-Land kommt. Es schien uns so zu sein, der ganze Stil schien uns so zu sein. Das haben wir dann bedenkenlos verwendet und haben dann umso mehr gestaunt, als sich dann im Jahre 1982 die beiden deutschen Comiczeichner gemeldet haben – „Hey, das ist von uns.“ Wir haben uns dann ihren Comic zukommen lassen und dann haben wir natürlich gesagt: „Ihr habt recht.“ Wir haben uns dann natürlich mit denen geeignet. Die haben dann Geld bekommen und haben dann gleich noch den Auftrag bekommen, diese Poster für die „Rückkehr-Kampagne“ zu machen.

Thorsten: Auf dem LP-Cover ist der Stevie ja etwas verkürzt, so bis zum Kinn. Auf den Merchandising-Sachen oder anderen Symbolen ist der ja komplett drauf.

Kai Havaii: Wir hatten ein quadratisches Bild, der irgendwo abgedruckt war. Da war nicht mehr drauf als Kopf und Hände. Auf der LP ist er deshalb abgeschnitten, weil er ja in den Kasten reinpassen musste.

Thorsten: Der Kopf ist ja sehr prägnant und wird ja heute noch verwand.

Kai Havaii: Ja, das ist ein Logo was immer mit dabei ist auch wenn es nur klein ist.

Thorsten: Dann gibt es ja dann diese wahnwitzige Geschichte, dass Du die Band verlassen hattest, als das Album erscheinen sollte und Du deshalb nicht auf dem Cover-Bild drauf bist.

Kai Havaii: Ja, da ist Norbert Laumann drauf (der mit den langen Haaren) der war Sänger, als Stefan wollte, dass es unbedingt weitergeht, ist ja ganz klar. Das war dann auch die Phase, wo die Platte gerade gepresst wurde und da hat die Plattenfirma gesagt, dass sie jetzt ein Foto der aktuellen Besetzung haben wollen. So kam das dann darauf. Als die Platte dann raus kam, war ich schon wieder dabei. Bis heute ist es so, das ist mir sogar bei MME passiert, dass die Leute dann fragen „wer bist Du da denn?“. Da musste ich denen diese komplizierte Geschichte natürlich auch erzählen (lacht). Es ist schon manchmal ein drunter und drüber…

Thorsten: Es ist ja eigentlich die bekannteste LP und dann ist Dein Gesicht nicht drauf. Kann man das nicht bei einer Wiederveröffentlichung austauschen?

Kai Havaii: Ja, das könnte man ja mal erwägen, aber dann müsste man ja auch ein Foto so von der „Marmelade“-Besetzung oder so finden.

Thorsten: Hast Du noch irgendeine Erinnerung an die Session zur ersten LP, z.B. wie lange das gedauert hat?

Kai Havaii: Mmh. Es hat nicht so wahnsinnig lange gedauert. So viel Zeit nahm man sich damals nicht. Ich denke, wir haben zwei Wochen aufgenommen. Es waren ja auch alles Sachen, die für uns klar waren. Die Stücke gab es ja schon, die wurden live sehr häufig gespielt und es gab da eigentlich überhaupt keine Zweifel. Da wurde nicht lange herum experimentiert, wie machen wir dies oder jenes, sondern wir haben es so gespielt, wie wir es live auch gespielt haben.

Thorsten: Extrabreit waren ja in den ersten Jahren sehr dafür bekannt, dass sie sehr visuell gearbeitet haben. Die Logos, die Sticker und die Cover. Lag das an Deiner Grafik-Vergangenheit oder ward ihr alle sehr kreativ?

Kai Havaii: Alle! Jörg Hoppe hat da auch eine sehr große Rolle gespielt, weil er eben auch ein sehr großer Visualist war. Auch irgendwie ein Künstler, hat sehr viel gemalt und sich auch für Pop-Art interessiert. Da steckt natürlich auch immer ein Verkauf dahinter. Der hat eine wichtige Rolle gespielt, ich natürlich auch aber auch Stefan! Stefan hat auch einen starken Sinn für solche Dinge. Er war damals Dekorateur beim Kaufhof in Schwelm und hat dadurch ja schon immer einen starken Draht gehabt zum Visuellen. Zu Logos und wie macht man dies und das… Das zog sich also quer durch die Band.

Thorsten: Da gab es ja eine Menge – die ganzen Logos mit der Grobrasterung, der Schriftzug mit dem Punkt dahinter usw.

Kai Havaii: Ja, und natürlich auch der Punk-Einfluß. Diese ganze Ausschneide-Arie –„da nehmen wir eben den Buchstabe hier und dann da“ – das war eben typisch Punk.

Ende Teil 1

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