Extrabreit - Kurier

Auch mit Bubi führte Thorsten ein ausführliches Interview. Es fand statt am 23.01.2004 vor dem Sixpac-Gig im Hohenlimburger Werkhof. Viel Spaß !

 

*** Interview mit Bubi - Teil 3 ***

Thorsten:
Was machst Du noch neben der Musik beruflich?

Bubi:
Ich habe einen Nebenjob - ich fahre Medikamente aus. Das mache ich jetzt schon seit zehn Jahren. Als das damals mit Extrabeit vor die Hunde gegangen ist, habe ich mir so einen Job besorgt. Den kann man dann ganz gut mit der Musik vereinbaren. Ich kann dann auch mal sagen "ich kann morgen nicht". Oder im Februar, wenn die Tour ist, dann kann ich da auch frei machen - teilweise über Urlaub. Da komm` ich ganz gut klar mit und bin da sehr flexibel.

Thorsten:
Heute stand im Forum, daß diese 80er Party-Tour wohl stark verkürzt wird.


Bubi:
Ja, ich glaube auch. Da gibt es schlechte Vorverkaufszahlen.

Thorsten:
Oberhausen ist wohl noch auf der Liste, Köln nicht mehr. Das ist dann aber natürlich auch ein ganz anderes Publikum und ein ganz anderes Flair bei so einem Package.


Bubi:
Wir sind zwar schon an neuen Sachen mehr oder minder schon zugange. Stefan und Kai machen das ja hauptsächlich und die sind ja schon an neuen Stücken am arbeiten. Wir wollen ja nicht in Vergessenheit geraten und da macht man so was mal eben. Sind ja auch nur zwanzig Minuten - kein Konzertevent in dem Sinne, aber wir bleiben eben im Gespräch. Ist natürlich schlecht, wenn so eine Sache dann schlecht besucht ist, das ist die große Gefahr dabei.

Thorsten:
Man gerät aber dann wieder in das NDW-Fahrwasser, was man ja eigentlich nicht so wollte.


Bubi:
Ich meine, warum sollten wir das eigentlich immer verleugnen. NDW hin oder her. Extrabreit ist ja keine reine NDW-Band. Als Extrabreit 1981 ihren ersten großen Erfolg hatte, gehörte ich so zu dem Dunstkreis und kannte die ganzen Leute als Musiker, weil wir alle aus Hagen kamen. Da waren die zu der Zeit eine richtige, knüppelharte Rockband! Mit so einer psychedelic Attitüde, also das ist jetzt etwas falsch ausgedrückt - eben etwas strange halt - weil sonst konnten die solche Stücke wie "Polizisten" nicht machen. Extrabreit war eher dem Punk zugeordnet. Was ist eine richtige NDW-Band? Ist das "Spider Murphy Gang" - nein das ist eine Bluesrock, Hillbilly, Rock`n Roll Kapelle, also auch nicht NDW. "BAP" ist kein NDW, ist aber auch damit hochgekommen. Zu NDW fällt mir jetzt ein "UKW" vielleicht. Das ist NDW, oder "Hubert Kah" oder "Frl. Menke". Das ist NDW.

Thorsten:
Du bist ja auf der Bühne der, der am meisten aus sich raus geht. Du bist da am Rumhüpfen...


Bubi:
Weiß ich nicht, ob ich am meisten aus mir raus gehe. Komischer Weise habe ich, weil ich ja eine ganze Zeit zusammen mit meinem Sohn die Hip Hop, Hardcore-Musik gemacht habe, mir dieses Springen angewöhnt. Die Schnittmenge zwischen diesen Leuten und mir war z.B. "Led Zeppelin" - aber das nur am Rande. In dieser Zeit da habe ich wieder zurückgefunden zu einer Zeit um 1976, da gab es ja leider noch kein Video, sonst könnte man das sehen, da bin ich auch immer so rumgehüpft. Über die Jahre bin ich dann so ein Lederrocker geworden und dann fanden wir eben "Guns`n Roses" irgendwie doch gut und dann rutschte die Gitarre immer weiter runter. Im Vergleich zu Stefan, der ist eben ganz groß und hat lange Arme, der kann das ganz gut spielen, bekomme ich immer meine Schwierigkeiten. Ich habe die Gitarre jetzt wieder in der Höhe, wo ich sie immer hatte. Nicht weil das irgendwie geiler ist - ist eigentlich optisch nicht so schön, wenn man die oben hängen hat. Aber ich kann unten einfach nicht gut spielen. Das sieht zwar gut aus, da kann man so ein paar Schwungakkorde machen a la Townsend, aber sobald ich was schwieriges machen wollte, ging das in die Hose, also habe ich die Gitarre wieder hochgehängt, aber das nur am Rande. Außerdem, wenn ich sie hochhänge, kann ich mich besser bewegen. Wie gesagt, das mache ich jetzt wieder, so wie früher eben.

Thorsten:
Wir scherzen ja auf den diversen Homepages immer, daß Du bestimmt Stunden brauchst, um da wieder runter zu kommen, nach der ganzen Extase auf der Bühne.


Bubi:
Ja, bin ich ja auch, das muß ich auch. Ich sitze da nach dem Auftritt erst mal 15 Minuten... Stefan mixt dann immer Wodka Kirschsaft oder Wodka Lemon so lecker und erst mal in Ruhe angenehm sitzen! (lacht)

Thorsten:
Du kommst ja auch wirklich mehr von der Heavy Schiene, wie man an den Soli immer merkt.

Bubi:
Ich kann es nicht ändern. Ich bin schon Bluesliebhaber aber Extrabreit Musik verleitet aber auch heavy zu spielen. Gutes Beispiel: Stefan und ich haben gestern die neue Stones DVD von der 40 Licks Tour gesehen. Sagte Stefan, "die habe da einen geilen Sound". "Ja Stefan, die spielen ja auch sehr clean". Wir sind ja schon immer am Abhämmern und da bleibt Dir nichts anderes übrig. Du kannst Da keine filligranen Bluessoli drüberspielen, die würden einfach untergehen! Das ist eben eine heftigere Art. Ist eben harter Rock, finde ich.

Thorsten:
Bekommst Du mit, wenn im Publikum in den ersten Reihen immer die selben Gesichter auftauchen?


Bubi:
Ja, klar. In den ersten Reihen sieht man ja Leute, die reisen einem richtig nach. Das finde ich wahnsinnig!

Thorsten:
Kriegst Du das im Internet mit? Hast Du selber Internetzugang?


Bubi:
Ne, da bin ich eigentlich ein richtiger Hinterwäldler. Ich habe nur drei Programme, kein Internet - ein Handy habe ich! Ich habe auch einen Computer in der Rockranch aber nicht zu hause.

Thorsten:
Da geht ja eine Menge ab, auf den Fanseiten.


Bubi:
Ja, ich krieg` das bei Lars mit, wenn ich ihn besuche, da schauen wir schon mal oder bei Stefan schauen wir immer mal drauf. Wenn wir unterwegs sind und in einem Büro sitzen bei einem Veranstalter, wo so ein Dingen drin steht, dann holt Kai schon mal die Seite rauf.

Thorsten:
Du hast jetzt schon mehrfach von der "Rockranch" gesprochen, wem gehört der Laden? (Anmerkung: die "Rockranch" ist der Proberaum der Band in der Gegend um Hagen. Es hat auch die Funktion eines Demostudios - s. "Unerhört"-CD)


Bubi:
Der gehört jetzt mir, darf ich sagen. Der wird ja immer von treuen Händen weitergegeben. Der ist mal Ende der siebziger, Anfang der achtziger von den Urleuten von Extrabreit und einigen anderen - Jörg Hoppe, dem ersten Manager - eingerichtet worden und sind dann auch einige Jahre drin geblieben. Dann haben Robert Schwarz und Frank Becking, der ja auch schon mit Extrabreit und Nena gespielt hat, die Rockranch weitergeführt. Dann wurde es Stefan übergeben und als Stefan nach Hamburg gegangen ist wurde das dann mir übergeben. Das gehört mir eben jetzt irgendwie. Ich habe das gemietet und ich bin der Hausherr. Seit Stefan damals nach Hamburg gegangen ist, so seit 1995/96, habe ich die jetzt schon fast acht Jahre. Ich habe die in allen Ehren gehalten, auch wenn dann zwischendrin die Wände zugesprüht wurden, von den Leuten, mit denen ich damals gearbeitet habe. Das sind alles Sprayer und das sieht mittlerer Weile so aus, Stefan sagt das immer abfällig, "wie ein Jugendzentrum"... Finde ich zwar nicht, weil ich habe geile Graffitis an der Wand und geile Tags, also wirklich gute Leute, gute Sprayer, die das wirklich können.

Thorsten:
Wir oft probt Extrabreit?


Bubi:
Mit Extrabreit probt man immer nur Stoßweise, immer wenn was ansteht. Nächste, übernächste Woche geht es dann wieder los. Ansonsten probe ich da hauptsächlich mit meinem Sohn zusammen. Ich mache mit ihm sehr viel zusammen so Trip Hop Musik.

Thorsten:
Sammelst Du Extrabreit Sachen?


Bubi:
Sammeln nicht in dem Sinne. Ich habe mir ein paar Sachen aufgehoben, T-Shirts verwahrt man. Aber ich mache das nicht so richtig. Ich habe zwar noch Fotos oder so. Ich möchte nicht nur in Erinnerung schwelgen. Das "Jetzt" geht gerade ab.

Thorsten:
Wir tragen ja gerade beide den selben Extrabreit-Kaputzen-Pulli mit dem kleinen aufgenähten Kopf. Als ich Dich damit backstage in Gronau gesehen hatte, mußte ich den auch sofort haben. Momentan gibt es ja auch tolle T-Shirts, gerade auch das Blitztour-Shirt.

Bubi:
Ich wollte den auch sofort haben, als der Jan damit ankam. Den Kopf habe ich auch noch auf einem uralten Aufnäher. Jan bringt uns immer neue Ideen mit für die Shirts.

Thorsten:
Wie geht es mit Extrabreit weiter aus?


Bubi:
In der Planung ist, daß wir neue Sachen machen. Wie gesagt, Stefan und Kai - weil die beiden sind die Macher und die Chefs. Als ich gestern bei Stefan war habe ich in drei, vier Sachen schon mal reingehört - sind gute Sachen bei! Wir werden schon was neues machen und dieses Jahr mit was neuem rauskommen. Zeitraum wie oder wann, keine Ahnung.

Thorsten:
Dann muß man sich wieder eine Plattenfirma suchen usw.


Bubi:
Ja, aber das ist nicht so mein Ding. Ich bin zwar altes Mitglied, aber auch angeschlossenes Mitglied und das machen dann Stefan und Kai hauptsächlich. Ich bin zwar Vollmitglied, aber es gibt bei uns schon eine Hierarchie! Das ist einfach nun mal so, wenn eine Band eben aus zwei Leuten besteht, die seit 25 Jahren mitspielen und einer mal drei Jahre und der nächste dann wieder mal drei Jahre. So wie bei Rolf Möller - Anfang mal drei Jahre, dann wieder mal drei Jahre und eben bei mir. Stefan und Kai sagen bei uns wo es lang geht. Wir gehen alle gut miteinander um es ist jetzt nicht so, daß einer sagt "so oder so geht das jetzt". Das Weitere wird jetzt alles die nächsten Monate noch passieren!

Thorsten:
Also man kann sich auf mehr freuen?


Bubi:
Ich glaube schon - ich hoffe es natürlich!

Thorsten:
"Männer ohne gleichen" ist ja schon mal ein Anfang.


Bubi:
Ja, ich denke, wir werden auch mehr in unsere alte Schiene zurückfinden. Kurz und schmerzlos, sage ich mal. Wenig "Gezurpel", wenig Solo, einfach nur gute Hooks und was zum Mitsingen. Das kann man aber nicht programmieren.

Thorsten:
Bei "Männer ohne gleichen" klingt die geile Gitarre von Stefan so nach von "The Who" geklaut.


Bubi:
Was heißt geklaut? Kann man nicht so sagen. Es ist eben so, daß man manche Sachen einfach nicht verleugnen kann. Außerdem sage ich immer, wenn jemand sagt "das klingt aber verdammt nach dem und dem" - "Na und? Das war doch gut?" (lacht) So was entsteht nicht absichtlich. Genau wie der Mittelpart. Das ist absolut "The Who", nur da war die Idee von mir, sage ich mal.

Thorsten:
Vielen Dank Bubi für das nette Interview und viel Erfolg mit dem Abschiedskonzert von "Sixpac"!


Bubi:
Ja, danke daß Du gekommen bist.

E N D E

Bubi und Thorsten, vielen Dank für dieses sehr interessante Interview ! Peter

 

Ende
<<< zurück