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Thorsten:
Was machst Du noch neben der Musik beruflich?
Bubi:
Ich habe einen Nebenjob - ich fahre Medikamente aus. Das mache ich jetzt
schon seit zehn Jahren. Als das damals mit Extrabeit vor die Hunde
gegangen ist, habe ich mir so einen Job besorgt. Den kann man dann ganz
gut mit der Musik vereinbaren. Ich kann dann auch mal sagen "ich kann
morgen nicht". Oder im Februar, wenn die Tour ist, dann kann ich da auch
frei machen - teilweise über Urlaub. Da komm` ich ganz gut klar mit und
bin da sehr flexibel.
Thorsten:
Heute stand im Forum, daß diese 80er Party-Tour wohl stark verkürzt
wird.
Bubi:
Ja, ich glaube auch. Da gibt es schlechte Vorverkaufszahlen.
Thorsten:
Oberhausen ist wohl noch auf der Liste, Köln nicht mehr. Das ist dann
aber natürlich auch ein ganz anderes Publikum und ein ganz anderes Flair
bei so einem Package.
Bubi:
Wir sind zwar schon an neuen Sachen mehr oder minder schon zugange.
Stefan und Kai machen das ja hauptsächlich und die sind ja schon an
neuen Stücken am arbeiten. Wir wollen ja nicht in Vergessenheit geraten
und da macht man so was mal eben. Sind ja auch nur zwanzig Minuten -
kein Konzertevent in dem Sinne, aber wir bleiben eben im Gespräch. Ist
natürlich schlecht, wenn so eine Sache dann schlecht besucht ist, das
ist die große Gefahr dabei.
Thorsten:
Man gerät aber dann wieder in das NDW-Fahrwasser, was man ja eigentlich
nicht so wollte.
Bubi:
Ich meine, warum sollten wir das eigentlich immer verleugnen. NDW hin
oder her. Extrabreit ist ja keine reine NDW-Band. Als Extrabreit 1981
ihren ersten großen Erfolg hatte, gehörte ich so zu dem Dunstkreis und
kannte die ganzen Leute als Musiker, weil wir alle aus Hagen kamen. Da
waren die zu der Zeit eine richtige, knüppelharte Rockband! Mit so einer
psychedelic Attitüde, also das ist jetzt etwas falsch ausgedrückt - eben
etwas strange halt - weil sonst konnten die solche Stücke wie
"Polizisten" nicht machen. Extrabreit war eher dem Punk zugeordnet. Was
ist eine richtige NDW-Band? Ist das "Spider Murphy Gang" - nein das ist
eine Bluesrock, Hillbilly, Rock`n Roll Kapelle, also auch nicht NDW.
"BAP" ist kein NDW, ist aber auch damit hochgekommen. Zu NDW fällt mir
jetzt ein "UKW" vielleicht. Das ist NDW, oder "Hubert Kah" oder "Frl.
Menke". Das ist NDW.
Thorsten:
Du bist ja auf der Bühne der, der am meisten aus sich raus geht. Du bist
da am Rumhüpfen...
Bubi:
Weiß ich nicht, ob ich am meisten aus mir raus gehe. Komischer Weise
habe ich, weil ich ja eine ganze Zeit zusammen mit meinem Sohn die Hip
Hop, Hardcore-Musik gemacht habe, mir dieses Springen angewöhnt. Die
Schnittmenge zwischen diesen Leuten und mir war z.B. "Led Zeppelin" -
aber das nur am Rande. In dieser Zeit da habe ich wieder zurückgefunden
zu einer Zeit um 1976, da gab es ja leider noch kein Video, sonst könnte
man das sehen, da bin ich auch immer so rumgehüpft. Über die Jahre bin
ich dann so ein Lederrocker geworden und dann fanden wir eben "Guns`n
Roses" irgendwie doch gut und dann rutschte die Gitarre immer weiter
runter. Im Vergleich zu Stefan, der ist eben ganz groß und hat lange
Arme, der kann das ganz gut spielen, bekomme ich immer meine
Schwierigkeiten. Ich habe die Gitarre jetzt wieder in der Höhe, wo ich
sie immer hatte. Nicht weil das irgendwie geiler ist - ist eigentlich
optisch nicht so schön, wenn man die oben hängen hat. Aber ich kann
unten einfach nicht gut spielen. Das sieht zwar gut aus, da kann man so
ein paar Schwungakkorde machen a la Townsend, aber sobald ich was
schwieriges machen wollte, ging das in die Hose, also habe ich die
Gitarre wieder hochgehängt, aber das nur am Rande. Außerdem, wenn ich
sie hochhänge, kann ich mich besser bewegen. Wie gesagt, das mache ich
jetzt wieder, so wie früher eben.
Thorsten:
Wir scherzen ja auf den diversen Homepages immer, daß Du bestimmt
Stunden brauchst, um da wieder runter zu kommen, nach der ganzen Extase
auf der Bühne.
Bubi:
Ja, bin ich ja auch, das muß ich auch. Ich sitze da nach dem Auftritt
erst mal 15 Minuten... Stefan mixt dann immer Wodka Kirschsaft oder
Wodka Lemon so lecker und erst mal in Ruhe angenehm sitzen! (lacht)
Thorsten:
Du kommst ja auch wirklich mehr von der Heavy Schiene, wie man an den
Soli immer merkt.
Bubi:
Ich kann es nicht ändern. Ich bin schon Bluesliebhaber aber Extrabreit
Musik verleitet aber auch heavy zu spielen. Gutes Beispiel: Stefan und
ich haben gestern die neue Stones DVD von der 40 Licks Tour gesehen.
Sagte Stefan, "die habe da einen geilen Sound". "Ja Stefan, die spielen
ja auch sehr clean". Wir sind ja schon immer am Abhämmern und da bleibt
Dir nichts anderes übrig. Du kannst Da keine filligranen Bluessoli
drüberspielen, die würden einfach untergehen! Das ist eben eine
heftigere Art. Ist eben harter Rock, finde ich.
Thorsten:
Bekommst Du mit, wenn im Publikum in den ersten Reihen immer die selben
Gesichter auftauchen?
Bubi:
Ja, klar. In den ersten Reihen sieht man ja Leute, die reisen einem
richtig nach. Das finde ich wahnsinnig!
Thorsten:
Kriegst Du das im Internet mit? Hast Du selber Internetzugang?
Bubi:
Ne, da bin ich eigentlich ein richtiger Hinterwäldler. Ich habe nur drei
Programme, kein Internet - ein Handy habe ich! Ich habe auch einen
Computer in der Rockranch aber nicht zu hause.
Thorsten:
Da geht ja eine Menge ab, auf den Fanseiten.
Bubi:
Ja, ich krieg` das bei Lars mit, wenn ich ihn besuche, da schauen wir
schon mal oder bei Stefan schauen wir immer mal drauf. Wenn wir
unterwegs sind und in einem Büro sitzen bei einem Veranstalter, wo so
ein Dingen drin steht, dann holt Kai schon mal die Seite rauf.
Thorsten:
Du hast jetzt schon mehrfach von der "Rockranch" gesprochen, wem gehört
der Laden? (Anmerkung: die "Rockranch" ist der Proberaum der Band in der
Gegend um Hagen. Es hat auch die Funktion eines Demostudios - s. "Unerhört"-CD)
Bubi:
Der gehört jetzt mir, darf ich sagen. Der wird ja immer von treuen
Händen weitergegeben. Der ist mal Ende der siebziger, Anfang der
achtziger von den Urleuten von Extrabreit und einigen anderen - Jörg
Hoppe, dem ersten Manager - eingerichtet worden und sind dann auch
einige Jahre drin geblieben. Dann haben Robert Schwarz und Frank Becking,
der ja auch schon mit Extrabreit und Nena gespielt hat, die Rockranch
weitergeführt. Dann wurde es Stefan übergeben und als Stefan nach
Hamburg gegangen ist wurde das dann mir übergeben. Das gehört mir eben
jetzt irgendwie. Ich habe das gemietet und ich bin der Hausherr. Seit
Stefan damals nach Hamburg gegangen ist, so seit 1995/96, habe ich die
jetzt schon fast acht Jahre. Ich habe die in allen Ehren gehalten, auch
wenn dann zwischendrin die Wände zugesprüht wurden, von den Leuten, mit
denen ich damals gearbeitet habe. Das sind alles Sprayer und das sieht
mittlerer Weile so aus, Stefan sagt das immer abfällig, "wie ein
Jugendzentrum"... Finde ich zwar nicht, weil ich habe geile Graffitis an
der Wand und geile Tags, also wirklich gute Leute, gute Sprayer, die das
wirklich können.
Thorsten:
Wir oft probt Extrabreit?
Bubi:
Mit Extrabreit probt man immer nur Stoßweise, immer wenn was ansteht.
Nächste, übernächste Woche geht es dann wieder los. Ansonsten probe ich
da hauptsächlich mit meinem Sohn zusammen. Ich mache mit ihm sehr viel
zusammen so Trip Hop Musik.
Thorsten:
Sammelst Du Extrabreit Sachen?
Bubi:
Sammeln nicht in dem Sinne. Ich habe mir ein paar Sachen aufgehoben,
T-Shirts verwahrt man. Aber ich mache das nicht so richtig. Ich habe
zwar noch Fotos oder so. Ich möchte nicht nur in Erinnerung schwelgen.
Das "Jetzt" geht gerade ab.
Thorsten:
Wir tragen ja gerade beide den selben Extrabreit-Kaputzen-Pulli mit dem
kleinen aufgenähten Kopf. Als ich Dich damit backstage in Gronau gesehen
hatte, mußte ich den auch sofort haben. Momentan gibt es ja auch tolle
T-Shirts, gerade auch das Blitztour-Shirt.
Bubi:
Ich wollte den auch sofort haben, als der Jan damit ankam. Den Kopf habe
ich auch noch auf einem uralten Aufnäher. Jan bringt uns immer neue
Ideen mit für die Shirts.
Thorsten:
Wie geht es mit Extrabreit weiter aus?
Bubi:
In der Planung ist, daß wir neue Sachen machen. Wie gesagt, Stefan und
Kai - weil die beiden sind die Macher und die Chefs. Als ich gestern bei
Stefan war habe ich in drei, vier Sachen schon mal reingehört - sind
gute Sachen bei! Wir werden schon was neues machen und dieses Jahr mit
was neuem rauskommen. Zeitraum wie oder wann, keine Ahnung.
Thorsten:
Dann muß man sich wieder eine Plattenfirma suchen usw.
Bubi:
Ja, aber das ist nicht so mein Ding. Ich bin zwar altes Mitglied, aber
auch angeschlossenes Mitglied und das machen dann Stefan und Kai
hauptsächlich. Ich bin zwar Vollmitglied, aber es gibt bei uns schon
eine Hierarchie! Das ist einfach nun mal so, wenn eine Band eben aus
zwei Leuten besteht, die seit 25 Jahren mitspielen und einer mal drei
Jahre und der nächste dann wieder mal drei Jahre. So wie bei Rolf Möller
- Anfang mal drei Jahre, dann wieder mal drei Jahre und eben bei mir.
Stefan und Kai sagen bei uns wo es lang geht. Wir gehen alle gut
miteinander um es ist jetzt nicht so, daß einer sagt "so oder so geht
das jetzt". Das Weitere wird jetzt alles die nächsten Monate noch
passieren!
Thorsten:
Also man kann sich auf mehr freuen?
Bubi:
Ich glaube schon - ich hoffe es natürlich!
Thorsten:
"Männer ohne gleichen" ist ja schon mal ein Anfang.
Bubi:
Ja, ich denke, wir werden auch mehr in unsere alte Schiene zurückfinden.
Kurz und schmerzlos, sage ich mal. Wenig "Gezurpel", wenig Solo, einfach
nur gute Hooks und was zum Mitsingen. Das kann man aber nicht
programmieren.
Thorsten:
Bei "Männer ohne gleichen" klingt die geile Gitarre von Stefan so nach
von "The Who" geklaut.
Bubi:
Was heißt geklaut? Kann man nicht so sagen. Es ist eben so, daß man
manche Sachen einfach nicht verleugnen kann. Außerdem sage ich immer,
wenn jemand sagt "das klingt aber verdammt nach dem und dem" - "Na und?
Das war doch gut?" (lacht) So was entsteht nicht absichtlich. Genau wie
der Mittelpart. Das ist absolut "The Who", nur da war die Idee von mir,
sage ich mal.
Thorsten:
Vielen Dank Bubi für das nette Interview und viel Erfolg mit dem
Abschiedskonzert von "Sixpac"!
Bubi:
Ja, danke daß Du gekommen bist.
E N D E
Bubi und Thorsten, vielen Dank für dieses sehr interessante
Interview ! Peter
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