Extrabreit - Kurier

Auch mit Bubi führte Thorsten ein ausführliches Interview. Es fand statt am 23.01.2004 vor dem Sixpac-Gig im Hohenlimburger Werkhof. Viel Spaß !

 

*** Interview mit Bubi - Teil 2 ***

Thorsten:
Erzähl doch mal die Geschichte, wie Du zu Extrabreit gekommen bist!


Bubi:
Das ging eigentlich über Nacht. Am 4.11.1990 rief mich nachts um halb eins Stefan an, ob ich Lust hätte, ab morgen bei Extrabreit einzusteigen. Also vorübergehend einzusteigen, weil Uli umgekippt war. Uli hatte irgendwas mit der Lunge und war im Krankenhaus und lag flach und die Breiten hatten am nächsten Tag einen Auftritt. Da habe ich dann meine Frau gefragt, ob ich es machen soll, weil es waren noch 20 Konzerte zu diesem Zeitpunkt zu spielen. Ich habe dann ja gesagt und bin morgens zu Hunters Frau gefahren und habe mir die Platten alle abgeholt. Ich kannte zwar Extrabreit aber es ist ja nicht so, daß man dann die Nummern aus dem Stehgreif spielen kann. Außerdem, wenn Du neu bist, hört sich eins wie das andere an. Wie gesagt, ich habe mir morgens die Platten geholt, bis mittags geübt und mir die Akkorde rausgeschrieben und bin dann nachmittags nach St. Wendel gefahren, 400 Kilometer von Hagen, Soundcheck und "Rack Zuck" es ging los. (lacht)

(Anmerkung: Diese Story wurde ja auch schon in meinen Interviews mit Stefan und Rolf erzählt. Hier die Fakten für die Freaks dazu: Am 4.11.1990 spielten die Breiten im Kulturzentrum in Mainz - am 5.11.1990 im Saalbad in St. Wendel. Das historische Ticket von dem Mainzer Konzert befindet sich in meiner Sammlung und wurde auf der Fan-Page www.fuchs-soest.de/breitlinge unter Relikten/Karten 2 abgelegt)

Thorsten:
Da muß man aber ein super Musiker sein, wenn man das so schnell auf die Reihe bekommt und auswendig kann.

Bubi:
Ja, und man muß starke Nerven haben. Aber auswendig hatte ich es nicht sofort. Ich hatte riesige Din A 3 Zettel vor mir liegen, wo die Nummern mit ihren Abläufen und Akkorden drauf waren. Das hatte ich mir alles mit Filzstift groß aufgeschrieben.

Thorsten:
Das war ja echt ein Zeitproblem.

Bubi:
Ja, so haben wir es hingekriegt und so bin ich zu Extrabreit gekommen. Hinterher war es praktisch so war, daß der Uli auch keine Bestrebungen von sich auch mehr zeigte, wiederzukommen.

Thorsten:
Das war echt so?


Bubi:
Ja, er hat sich nicht mehr um den Posten gerissen und ich habe ihn einige Jahre später wieder getroffen und gefragt "Hey, ich habe ja von Dir profitiert..." aber er hatte keine Probleme damit. Hunter ist auf der selben Tour ja auch noch raus. Der hat ja dann auch noch schlapp gemacht und dann hat Michael Grimm das eine Jahr mitgemacht.

Thorsten:
Ist das für Dich ein Problem, mit Extrabreit Titel zu spielen, die Du nicht im Studio eingespielt hast?

Bubi:
Nein, die Nummern gefielen mir immer gut. Es macht auch tierischen Spaß, zu spielen. Die Nummern sind einfach da und das ist ja dann auch ein Glück, in einer Band zu spielen, die Nummern zur Verfügung hat, die die Masse einfach kennt. Das ist schon eine dolle Sache.

Thorsten:
Warum ist das dann 1993 wieder auseinander gegangen?

Bubi:
Ich hatte das Gefühl, die Band war am Ende. Auch so gefühlsmäßig - einfach "Feierabend". Die Luft war raus, will ich mal sagen - wir sind uns auf die Nerven gegangen.

Thorsten:
Mit Deiner Extrabreit-Besetzung kam ja dann mit "Rote Rosen" dieser Knaller....


Bubi:
Ja, und danach ging es sang- und klanglos auch relativ schnell zu Ende. Im gleichen Jahr, wo "Rote Rosen" raus kam, war dann auch schon wieder Schluß! Die Luft war raus. Die Konzerte, die wir gemacht haben, waren nicht gut, wir waren auch nicht gut. Die Band war nicht so wie heute.

Thorsten:
Es gibt also einen richtigen Unterschied den Du merkst, von der damaligen und der jetzigen Band?

Bubi:
Ja, die jetzige Band ist ja wie eine frische Kapelle! Wir spielen ganz anders und gehen auch ganz anders mit einander um. Wir hatten damals auch alle Probleme miteinander. So was kommt mal mit der Zeit. Heute gehen wir alle sehr respektvoll miteinander um, das alleine schon. Ich muß auch sagen, ich bin ja fast Fünfzig, da ist das ein Geschenk find ich, daß ich in einer Band spiele, wo die Leute richtig kommen, wo es richtig voll wird und die Leute auf die Songs abfahren. Das ist ein Geschenk von irgendwo her, von meinem Schicksal, wie auch immer. Aber auch für alle Beteiligten und so verstehen das auch alle! Das ist auch der Unterschied zu früher.

Thorsten:
Ihr spielt ja auch in kleineren Hallen, als 1991.


Bubi:
Ja, aber darum geht es nicht. Natürlich ist es immer so eine Sache. Wir versuchen natürlich auch immer weiter zu kommen. Es soll ja nicht beim Einstieg bleiben, sondern es soll ja auch was kommen. Das ist dann die Frage, ob das hinterher angekommen wird, oder nicht.

Thorsten:
Ich war ziemlich froh, daß jetzt in der Band wieder bekannte Gesichter mitspielen. Wenn Kai und Stefan mit drei ganz Neuen angefangen hätten, fänd ich das nicht so toll.


Bubi:
Ja, das war wohl auch das Problem mit der Berliner Band. Das waren alles Supermusiker - ich habe die ja beim Abschiedskonzert in Hagen dann gesehen. Aber das waren eben bezahlte Musiker und jetzt kennt man Rolf und mich eben wieder, weil wir auch schon jahrelang dabei waren. Lars ist ein super Musiker und paßt auch sonst klasse dazu.

Thorsten:
Was war denn für Dich der beste Gig seit der Reunion?

Bubi:
Da waren jede Menge dabei! Wir hatten eine Menge guter Gigs. Münster z.B. da haben wir draußen gespielt bei so einem Hafenfest. Das war der Knaller! Die Kulisse war auch bei den meisten Open Airs, die wir gespielt habe, sehr gut. Aber das beste? Ich kann`s Dir nicht sagen. Es war kein Konzert Scheiße!

Thorsten:
Ich dachte vielleicht an die Stadthalle oder die Docks?


Bubi:
Ja, Stadthalle war natürlich ein Supergig, weil das Auditorium ja entsprechend war. Das ist ja ein Heimspiel. Aber früher waren von - ich sag` mal eine Zahl - zwanzig Gigs 5 richtig gut und jetzt ist es so, daß keins ganz schlecht ist.

Thorsten:
Musikalisch, oder wie?


Bubi:
Nein, musikalisch finde ich alle Konzerte super, ausnahmslos. Da haben wir einen relativ guten Standard erreicht (Anmerk.: kann ich nur bestätigen!). Aber wir feilen immer daran und wollen auch noch besser werden. Man kann immer noch mehr rausholen. Gerade jetzt, wo man ein bißchen mehr darüber nachdenkt. Früher haben wir einfach drauf los gespielt und jeder war auch irgendwie mit sich selbst mehr beschäftigt, kann man sagen - um nicht zu sagen "egoistisch". Wenn jemand mit sich selbst sehr beschäftigt ist, achtet er weniger auf den anderen. Dann ist das Resultat, was dann vorne herauskommt möglicher Weise eins wo Du denkst, "naja, was wollen die Jungs denn jetzt." Nicht, daß das alles Scheiße gewesen ist, aber ich find die Band heute einfach kompakter.

Thorsten:
Im Forum bzw. auf den Fan-Seiten wurde ja auch wiederholt über die Setlist gesprochen, ganz aktuell jetzt über das Weglassen von "110". Das war doch eigentlich DER Opener.


Bubi:
Ja, vor allem für unsere Tontechniker. Weil alle nacheinander einsetzen, können die Techniker klasse den Ton bestimmen. Wir dachten einfach, "damit haben wir das ganze Jahr angefangen" und wollten nicht schon wieder bei der Weihnachtstournee damit anfangen um die Leute zu langweilen. Und jetzt schreien alle, WEIL wir es weggelassen haben.

Thorsten:
Das Stück kommt am besten als Opener, nicht im Set.


Bubi:
Genau. Wir haben es einmal im Zugabenteil auf der Tour gespielt aber es paßt wirklich am besten an den Anfang wegen des Trommelintros - "buff, buff - paff".

Thorsten:
Ich habe in meiner Zeit als Fan mittlerer Weile bis auf "Bus Baby" alle Titel von dem ersten Album mal live gehört. Jetzt wo "Ich will hier raus" im Set ist, könnte das ja auch mal kommen.

Bubi:
Mit "Bus Baby" hat Kai mit dem Text ein paar Probleme. Mit fast Fünfzig singt man eben nicht mehr übers Schwarzfahren. Das Stück ist natürlich klasse - keine 2 Minuten lang!

Thorsten:
Dann dürfte man "Hurra" ja auch nicht mehr spielen.


Bubi:
Ja, das muß man eben spielen, das wollen die Leute hören. Wir spielen es jetzt auch wieder, daß es knallt.

Thorsten:
Ich fand damals diese Version auf der "Superfett" mit dem - sag ich mal - Ska-Rhythmus, phantastisch.


Bubi:
Ja, die haben wir auch anfangs so geprobt, aber jetzt haben wir uns für die härtere Version entschieden und das paßt auch sehr gut.

Thorsten:
Was machst Du parallel noch für Musik? Mit "Sixpac" ist es ja jetzt dann auch gleich vorbei! "Green"?


Bubi:
"Green" ist ja mehr so eine Feierabendkapelle, das heißt wir machen was, wenn wir mal Zeit haben. Und da geht es dann nicht mal darum, daß man einen Auftritt macht. Wir spielen einfach Stücke, die wir mal gerne spielen wollen. Das ist doch schon irre, wenn Du von Pink Floyd dann "Dark side of the moon" oder "Money" spielst. Du versuchst dann so was mal zu spielen - das sind super Nummern. Ist einfach eine tolle Sache, so was zu machen.

Thorsten:
Ich muß zugeben, ich war damals ein ziemlicher "Green" Fan und habe Euch im Tubakeller oder im Pavillon der Ricarda Huch Schule zig mal gesehen. Ich war sogar damals beim Abschiedskonzert im Freibad mit "Kraan", als sich Milla verabschiedet hat und es so tierisch geregnet hat. Heute gibt es ja passender Weise schon wieder ein Abschiedskonzert!

Bubi:
Stimmt, das war 1988. Der Regen fing an, als wir aufgehört haben (lacht).

 

Ende Teil 2
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