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Thorsten:
Erzähl doch mal die Geschichte, wie Du zu Extrabreit gekommen bist!
Bubi:
Das ging eigentlich über Nacht. Am 4.11.1990 rief mich nachts um halb
eins Stefan an, ob ich Lust hätte, ab morgen bei Extrabreit
einzusteigen. Also vorübergehend einzusteigen, weil Uli umgekippt war.
Uli hatte irgendwas mit der Lunge und war im Krankenhaus und lag flach
und die Breiten hatten am nächsten Tag einen Auftritt. Da habe ich dann
meine Frau gefragt, ob ich es machen soll, weil es waren noch 20
Konzerte zu diesem Zeitpunkt zu spielen. Ich habe dann ja gesagt und bin
morgens zu Hunters Frau gefahren und habe mir die Platten alle abgeholt.
Ich kannte zwar Extrabreit aber es ist ja nicht so, daß man dann die
Nummern aus dem Stehgreif spielen kann. Außerdem, wenn Du neu bist, hört
sich eins wie das andere an. Wie gesagt, ich habe mir morgens die
Platten geholt, bis mittags geübt und mir die Akkorde rausgeschrieben
und bin dann nachmittags nach St. Wendel gefahren, 400 Kilometer von
Hagen, Soundcheck und "Rack Zuck" es ging los. (lacht)
(Anmerkung: Diese Story wurde ja auch schon in meinen Interviews mit
Stefan und Rolf erzählt. Hier die Fakten für die Freaks dazu: Am
4.11.1990 spielten die Breiten im Kulturzentrum in Mainz - am 5.11.1990
im Saalbad in St. Wendel. Das historische Ticket von dem Mainzer Konzert
befindet sich in meiner Sammlung und wurde auf der Fan-Page
www.fuchs-soest.de/breitlinge unter Relikten/Karten 2 abgelegt)
Thorsten:
Da muß man aber ein super Musiker sein, wenn man das so schnell auf die
Reihe bekommt und auswendig kann.
Bubi:
Ja, und man muß starke Nerven haben. Aber auswendig hatte ich es nicht
sofort. Ich hatte riesige Din A 3 Zettel vor mir liegen, wo die Nummern
mit ihren Abläufen und Akkorden drauf waren. Das hatte ich mir alles mit
Filzstift groß aufgeschrieben.
Thorsten:
Das war ja echt ein Zeitproblem.
Bubi:
Ja, so haben wir es hingekriegt und so bin ich zu Extrabreit gekommen.
Hinterher war es praktisch so war, daß der Uli auch keine Bestrebungen
von sich auch mehr zeigte, wiederzukommen.
Thorsten:
Das war echt so?
Bubi:
Ja, er hat sich nicht mehr um den Posten gerissen und ich habe ihn
einige Jahre später wieder getroffen und gefragt "Hey, ich habe ja von
Dir profitiert..." aber er hatte keine Probleme damit. Hunter ist auf
der selben Tour ja auch noch raus. Der hat ja dann auch noch schlapp
gemacht und dann hat Michael Grimm das eine Jahr mitgemacht.
Thorsten:
Ist das für Dich ein Problem, mit Extrabreit Titel zu spielen, die Du
nicht im Studio eingespielt hast?
Bubi:
Nein, die Nummern gefielen mir immer gut. Es macht auch tierischen Spaß,
zu spielen. Die Nummern sind einfach da und das ist ja dann auch ein
Glück, in einer Band zu spielen, die Nummern zur Verfügung hat, die die
Masse einfach kennt. Das ist schon eine dolle Sache.
Thorsten:
Warum ist das dann 1993 wieder auseinander gegangen?
Bubi:
Ich hatte das Gefühl, die Band war am Ende. Auch so gefühlsmäßig -
einfach "Feierabend". Die Luft war raus, will ich mal sagen - wir sind
uns auf die Nerven gegangen.
Thorsten:
Mit Deiner Extrabreit-Besetzung kam ja dann mit "Rote Rosen" dieser
Knaller....
Bubi:
Ja, und danach ging es sang- und klanglos auch relativ schnell zu Ende.
Im gleichen Jahr, wo "Rote Rosen" raus kam, war dann auch schon wieder
Schluß! Die Luft war raus. Die Konzerte, die wir gemacht haben, waren
nicht gut, wir waren auch nicht gut. Die Band war nicht so wie heute.
Thorsten:
Es gibt also einen richtigen Unterschied den Du merkst, von der
damaligen und der jetzigen Band?
Bubi:
Ja, die jetzige Band ist ja wie eine frische Kapelle! Wir spielen ganz
anders und gehen auch ganz anders mit einander um. Wir hatten damals
auch alle Probleme miteinander. So was kommt mal mit der Zeit. Heute
gehen wir alle sehr respektvoll miteinander um, das alleine schon. Ich
muß auch sagen, ich bin ja fast Fünfzig, da ist das ein Geschenk find
ich, daß ich in einer Band spiele, wo die Leute richtig kommen, wo es
richtig voll wird und die Leute auf die Songs abfahren. Das ist ein
Geschenk von irgendwo her, von meinem Schicksal, wie auch immer. Aber
auch für alle Beteiligten und so verstehen das auch alle! Das ist auch
der Unterschied zu früher.
Thorsten:
Ihr spielt ja auch in kleineren Hallen, als 1991.
Bubi:
Ja, aber darum geht es nicht. Natürlich ist es immer so eine Sache. Wir
versuchen natürlich auch immer weiter zu kommen. Es soll ja nicht beim
Einstieg bleiben, sondern es soll ja auch was kommen. Das ist dann die
Frage, ob das hinterher angekommen wird, oder nicht.
Thorsten:
Ich war ziemlich froh, daß jetzt in der Band wieder bekannte Gesichter
mitspielen. Wenn Kai und Stefan mit drei ganz Neuen angefangen hätten,
fänd ich das nicht so toll.
Bubi:
Ja, das war wohl auch das Problem mit der Berliner Band. Das waren alles
Supermusiker - ich habe die ja beim Abschiedskonzert in Hagen dann
gesehen. Aber das waren eben bezahlte Musiker und jetzt kennt man Rolf
und mich eben wieder, weil wir auch schon jahrelang dabei waren. Lars
ist ein super Musiker und paßt auch sonst klasse dazu.
Thorsten:
Was war denn für Dich der beste Gig seit der Reunion?
Bubi:
Da waren jede Menge dabei! Wir hatten eine Menge guter Gigs. Münster
z.B. da haben wir draußen gespielt bei so einem Hafenfest. Das war der
Knaller! Die Kulisse war auch bei den meisten Open Airs, die wir
gespielt habe, sehr gut. Aber das beste? Ich kann`s Dir nicht sagen. Es
war kein Konzert Scheiße!
Thorsten:
Ich dachte vielleicht an die Stadthalle oder die Docks?
Bubi:
Ja, Stadthalle war natürlich ein Supergig, weil das Auditorium ja
entsprechend war. Das ist ja ein Heimspiel. Aber früher waren von - ich
sag` mal eine Zahl - zwanzig Gigs 5 richtig gut und jetzt ist es so, daß
keins ganz schlecht ist.
Thorsten:
Musikalisch, oder wie?
Bubi:
Nein, musikalisch finde ich alle Konzerte super, ausnahmslos. Da haben
wir einen relativ guten Standard erreicht (Anmerk.: kann ich nur
bestätigen!). Aber wir feilen immer daran und wollen auch noch besser
werden. Man kann immer noch mehr rausholen. Gerade jetzt, wo man ein
bißchen mehr darüber nachdenkt. Früher haben wir einfach drauf los
gespielt und jeder war auch irgendwie mit sich selbst mehr beschäftigt,
kann man sagen - um nicht zu sagen "egoistisch". Wenn jemand mit sich
selbst sehr beschäftigt ist, achtet er weniger auf den anderen. Dann ist
das Resultat, was dann vorne herauskommt möglicher Weise eins wo Du
denkst, "naja, was wollen die Jungs denn jetzt." Nicht, daß das alles
Scheiße gewesen ist, aber ich find die Band heute einfach kompakter.
Thorsten:
Im Forum bzw. auf den Fan-Seiten wurde ja auch wiederholt über die
Setlist gesprochen, ganz aktuell jetzt über das Weglassen von "110". Das
war doch eigentlich DER Opener.
Bubi:
Ja, vor allem für unsere Tontechniker. Weil alle nacheinander einsetzen,
können die Techniker klasse den Ton bestimmen. Wir dachten einfach,
"damit haben wir das ganze Jahr angefangen" und wollten nicht schon
wieder bei der Weihnachtstournee damit anfangen um die Leute zu
langweilen. Und jetzt schreien alle, WEIL wir es weggelassen haben.
Thorsten:
Das Stück kommt am besten als Opener, nicht im Set.
Bubi:
Genau. Wir haben es einmal im Zugabenteil auf der Tour gespielt aber es
paßt wirklich am besten an den Anfang wegen des Trommelintros - "buff,
buff - paff".
Thorsten:
Ich habe in meiner Zeit als Fan mittlerer Weile bis auf "Bus Baby" alle
Titel von dem ersten Album mal live gehört. Jetzt wo "Ich will hier
raus" im Set ist, könnte das ja auch mal kommen.
Bubi:
Mit "Bus Baby" hat Kai mit dem Text ein paar Probleme. Mit fast Fünfzig
singt man eben nicht mehr übers Schwarzfahren. Das Stück ist natürlich
klasse - keine 2 Minuten lang!
Thorsten:
Dann dürfte man "Hurra" ja auch nicht mehr spielen.
Bubi:
Ja, das muß man eben spielen, das wollen die Leute hören. Wir spielen es
jetzt auch wieder, daß es knallt.
Thorsten:
Ich fand damals diese Version auf der "Superfett" mit dem - sag ich mal
- Ska-Rhythmus, phantastisch.
Bubi:
Ja, die haben wir auch anfangs so geprobt, aber jetzt haben wir uns für
die härtere Version entschieden und das paßt auch sehr gut.
Thorsten:
Was machst Du parallel noch für Musik? Mit "Sixpac" ist es ja jetzt dann
auch gleich vorbei! "Green"?
Bubi:
"Green" ist ja mehr so eine Feierabendkapelle, das heißt wir machen was,
wenn wir mal Zeit haben. Und da geht es dann nicht mal darum, daß man
einen Auftritt macht. Wir spielen einfach Stücke, die wir mal gerne
spielen wollen. Das ist doch schon irre, wenn Du von Pink Floyd dann "Dark
side of the moon" oder "Money" spielst. Du versuchst dann so was mal zu
spielen - das sind super Nummern. Ist einfach eine tolle Sache, so was
zu machen.
Thorsten:
Ich muß zugeben, ich war damals ein ziemlicher "Green" Fan und habe Euch
im Tubakeller oder im Pavillon der Ricarda Huch Schule zig mal gesehen.
Ich war sogar damals beim Abschiedskonzert im Freibad mit "Kraan", als
sich Milla verabschiedet hat und es so tierisch geregnet hat. Heute gibt
es ja passender Weise schon wieder ein Abschiedskonzert!
Bubi:
Stimmt, das war 1988. Der Regen fing an, als wir aufgehört haben
(lacht).
Ende Teil 2
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